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B.42
(Georges Balanchine, Remus Şucheană, Martin Schläpfer)
Besuch am
10. Januar 2019
(Premiere)
Die zehnjährige Amtszeit Martin Schläpfers als Direktor und Chefchoreograf des Balletts am Rhein neigt sich dem Ende zu. Bis zum Saisonende greift der künftige Ballettchef der Wiener Staatsoper lediglich noch auf ältere Arbeiten zurück. So auch in seinem neuesten Programm b.42 mit der Reformationssymphonie, die noch aus Schläpfers Mainzer Tätigkeit 2008 stammt, aber auch schon am Rhein zu sehen war. Zur strengen, etwas spröden Musik Mendelssohn Bartholdys setzt Schläpfer einen dunklen, massiven Kontrapunkt zum Eingangsstück des Programms, George Balanchines federleichtem Square Dance, einer in hellblaue Farben gehüllten Perle des klassischen Tanzes zu barocken Klängen von Vivaldi und Corelli. Mit dem amerikanischen Volkstanz hat die schwerelose Choreografie nicht mehr gemeinsam als das Arrangement wechselnder Tanzpartner. Die haben allerdings mächtiges an Arabesken, Pirouetten, Hebungen und Spitzentänzen zu absolvieren, was nicht nur Sonia Dvořák und Orazio Di Bella zu Glanzleistungen motiviert, sondern alle vierzehn Tänzer des Stücks. Hier zahlt sich die regelmäßige Beschäftigung des Ensembles mit Balanchines Arbeiten aus, die sich wie ein ergänzendes Korrektiv zur diametral entgegengesetzten Ästhetik Schläpfers auswirkt.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
In schwarzen Trikots vor dunklem Hintergrund, mit erdenschweren, massiven, bisweilen aggressiven Bewegungen schafft Schläpfer in der Reformationssymphonie eine von Strenge und einschüchternder religiöser Gewalt beherrschte Stimmungslandschaft. Extrem konsequent und ohne jeden Ansatz charmanter Unverbindlichkeit. Eine in ihrer radikalen Konsequenz beeindruckende und immer noch frische Kreation aus früheren Jahren, die zum hohen Ansehen des Choreografen beigetragen hat.
Enttäuschend fällt dagegen die Uraufführung des neuen Stücks von Schläpfers Co-Direktor Remus Şucheană aus. Symphonic Poem heißt das 20-minütige Werk zu dunkel wabernden, atmosphärisch dichten Klangflächen der Komponistin Anna Thorvaldsdottir. Drei Schlagzeuger der Duisburger Philharmoniker posieren in luftigen Höhen des Hintergrunds, die Tänzer sind in lange, exotisch gefärbte und fantasievoll gestylte Kostüme von Mylla Ek gehüllt, die die Körperlichkeit der Tänzer fast völlig verbergen und so schwer wirken, dass die Bewegungsmöglichkeiten stark eingeschränkt sind. Es wird vor allem geheimnisvoll langsam gewandelt, mehr als ein paar Luftsprünge lassen sich kaum realisieren. Eine Arbeit, in der sich Kostüm und Tanz im Wege stehen. Wobei die schemenhaften Bewegungsabläufe durchaus zur Musik passen. Allerdings besser als klingende Illustrationen in Fantasy-Filmen à la Game of thrones. Als Ballett wirkt Şucheanăs Symphonic Poem doch sehr rudimentär.
Alle drei Stücke, von den Duisburger Philharmonikern unter Leitung von Martin Braun vorzüglich unterstützt, werden vom Publikum begeistert gefeiert, und Martin Schläpfer kann sich auch diesmal auf die unverbrüchliche Treue seiner Fans verlassen.
Pedro Obiera