O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
DIE FLEDERMAUS
(Johann Strauss Sohn)
Besuch am
8. Dezember 2018
(Premiere)
Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg, Theater Duisburg
Abgesehen von einer imponierenden Produktion von Emmerich Kálmáns Czárdásfürstin vor einigen Jahren gehört der Umgang mit klassischen Operetten nicht zu den herausragenden Qualitätsmerkmalen der Deutschen Oper am Rhein. Da mag auch die neue, dreieinhalb Stunden währende Fledermaus-Inszenierung, die jetzt im Theater Duisburg ihre Premiere feiert, musikalisch etliche Meriten aufweisen können und Frank Philipp Schlößmann mit noch so prunkvollen Dekorationen und Kostümen aufwarten: Das Wesentliche bleibt ausgeblendet. Wenn man dieses bitterböse Rachestück so harmlos vor sich hinplätschern lässt wie Axel Köhler, dem es als ehemaligem Sänger, versiertem Regisseur und frisch gebackenem Direktor der Dresdner Musikhochschule eigentlich weder an Kenntnissen noch an praktischer Erfahrung mangeln dürfte.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Dass Köhler immerhin weiß, worum es in dem Stück geht, zeigt sich, wenn er sichtbar macht, wie der rachsüchtige Dr. Falke Damen vom Straßenstrich und sogar die Gefängnisinsassen für die große getürkte Gala engagiert, um seinen Widersacher Gabriel Eisenstein bis auf die Knochen blamieren zu können. Es bleibt freilich alles nur nett und bunt, einschließlich der nicht gerade durch Originalität sprühenden Balletteinlagen von Mirko Mahr. Können die musikalisch zündenden ersten beiden Akten solche Mängel noch wenigstens teilweise auffangen, wirken sich die Defizite im dramaturgisch ohnehin schwachen dritten Akt verhängnisvoll aus, in dem Köhler das Tempo einzufrieren scheint, Wolfgang Reinbacher als Frosch in Zeitlupentempo ausgelutschte Kalauer – „Ich steh in der Zeitung“ – und ein behäbiges Wiener Lied anstimmt, wodurch sich die Aufführung auf fast dreieinhalb lange Stunden ausdehnt.

Da muss selbst der agile und ansonsten für flotte Töne sorgende Dirigent Benjamin Reiners kapitulieren, dem man nicht zum Vorwurf machen kann, dass es auch ihm nicht gelingt, den Dampfer am Ende wieder auf Fahrt zu bringen. Dafür enthält der Akt zu wenig kompositorische Substanz. Gleichwohl ist es Reiners und den aufmerksam musizierenden Duisburger Philharmonikern zu verdanken, dass man sich wenigstens an den musikalischen Schönheiten der ersten Akte erfreuen kann.
Und an einer prominenten Besetzung hat man ebenso wenig gespart wie an üppigen Dekorationen. Norbert Ernst spielt und singt den Eisenstein so temperamentvoll und differenziert, dass sich ideale Chancen für spannende Auseinandersetzungen mit dem Widersacher Dr. Falke ergeben ließen, die der Regisseur jedoch ungenutzt lässt, indem er gerade Falke äußerst blass und unprofiliert charakterisiert. Und Kay Stiefermann bietet gesanglich und darstellerisch zu wenig auf, um dieses Manko aufzufangen. Mit erstaunlicher Kondition und erfreulicher tenoraler Strahlkraft stattet Ovidiu Purcel den Alfred aus, und Thorsten Grümbel bietet eine gediegene Darstellung des Gefängnisdirektors Frank. Die durchweg stabilsten Leistungen erbringen jedoch die Damen: So Anke Krabbe als Rosalinde, die die anfänglichen beinharten Härten in den Höhen ihrer anspruchsvollen Partie spätestens im rundum gelungenen Csárdás ablegen kann. Taufrisch präsentiert sich Maria Perlt als quicklebendige und stimmlich agile Adele, und Kimberley Boettger-Soller lässt als Prinz Orlofsky keine Wünsche offen, auch wenn die Rolle szenisch sehr passiv behandelt wird.
Chor und der Rest des Ensembles, darunter Birte Hopstein als Ida, runden den guten musikalischen Eindruck ab, was freilich nicht für eine insgesamt überzeugende Produktion des schwierigen Stücks reicht. Das Duisburger Premieren-Publikum erfreute sich dennoch an den musikalischen Meriten und szenischen Mätzchen, zu denen auch mehr oder weniger pointierte Anspielungen auf die Situation der Deutschen Oper am Rhein und der Stadt Duisburg zählen.
Pedro Obiera