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Wagnersche Längen

DIE FLEDERMAUS
(Johann Strauss Sohn)

Besuch am
8. Dezember 2018
(Premiere)

 

Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg, Theater Duisburg

Abgesehen von einer imponie­renden Produktion von Emmerich Kálmáns Czárdás­fürstin vor einigen Jahren gehört der Umgang mit klassi­schen Operetten nicht zu den heraus­ra­genden Quali­täts­merk­malen der Deutschen Oper am Rhein. Da mag auch die neue, dreieinhalb Stunden währende Fledermaus-Insze­nierung, die jetzt im Theater Duisburg ihre Premiere feiert, musika­lisch etliche Meriten aufweisen können und Frank Philipp Schlößmann mit noch so prunk­vollen Dekora­tionen und Kostümen aufwarten: Das Wesent­liche bleibt ausge­blendet. Wenn man dieses bitterböse Rache­stück so harmlos vor sich hinplät­schern lässt wie Axel Köhler, dem es als ehema­ligem Sänger, versiertem Regisseur und frisch gebackenem Direktor der Dresdner Musik­hoch­schule eigentlich weder an Kennt­nissen noch an prakti­scher Erfahrung mangeln dürfte.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Dass Köhler immerhin weiß, worum es in dem Stück geht, zeigt sich, wenn er sichtbar macht, wie der rachsüchtige Dr. Falke Damen vom Straßen­strich und sogar die Gefäng­nis­in­sassen für die große getürkte Gala engagiert, um seinen Wider­sacher Gabriel Eisen­stein bis auf die Knochen blamieren zu können. Es bleibt freilich alles nur nett und bunt, einschließlich der nicht gerade durch Origi­na­lität sprühenden Ballett­ein­lagen von Mirko Mahr. Können die musika­lisch zündenden ersten beiden Akten solche Mängel noch wenigstens teilweise auffangen, wirken sich die Defizite im drama­tur­gisch ohnehin schwachen dritten Akt verhäng­nisvoll aus, in dem Köhler das Tempo einzu­frieren scheint, Wolfgang Reinbacher als Frosch in Zeitlu­pen­tempo ausge­lutschte Kalauer – „Ich steh in der Zeitung“ – und ein behäbiges Wiener Lied anstimmt, wodurch sich die Aufführung auf fast dreieinhalb lange Stunden ausdehnt.

Foto © Hans Jörg Michel

Da muss selbst der agile und ansonsten für flotte Töne sorgende Dirigent Benjamin Reiners kapitu­lieren, dem man nicht zum Vorwurf machen kann, dass es auch ihm nicht gelingt, den Dampfer am Ende wieder auf Fahrt zu bringen. Dafür enthält der Akt zu wenig kompo­si­to­rische Substanz. Gleichwohl ist es Reiners und den aufmerksam musizie­renden Duisburger Philhar­mo­nikern zu verdanken, dass man sich wenigstens an den musika­li­schen Schön­heiten der ersten Akte erfreuen kann.

Und an einer promi­nenten Besetzung hat man ebenso wenig gespart wie an üppigen Dekora­tionen. Norbert Ernst spielt und singt den Eisen­stein so tempe­ra­mentvoll und diffe­ren­ziert, dass sich ideale Chancen für spannende Ausein­an­der­set­zungen mit dem Wider­sacher Dr. Falke ergeben ließen, die der Regisseur jedoch ungenutzt lässt, indem er gerade Falke äußerst blass und unpro­fi­liert charak­te­ri­siert. Und Kay Stiefermann bietet gesanglich und darstel­le­risch zu wenig auf, um dieses Manko aufzu­fangen. Mit erstaun­licher Kondition und erfreu­licher tenoraler Strahl­kraft stattet Ovidiu Purcel den Alfred aus, und Thorsten Grümbel bietet eine gediegene Darstellung des Gefäng­nis­di­rektors Frank. Die durchweg stabilsten Leistungen erbringen jedoch die Damen: So Anke Krabbe als Rosalinde, die die anfäng­lichen beinharten Härten in den Höhen ihrer anspruchs­vollen Partie spätestens im rundum gelun­genen Csárdás ablegen kann. Taufrisch präsen­tiert sich Maria Perlt als quick­le­bendige und stimmlich agile Adele, und Kimberley Boettger-Soller lässt als Prinz Orlofsky keine Wünsche offen, auch wenn die Rolle szenisch sehr passiv behandelt wird.

Chor und der Rest des Ensembles, darunter Birte Hopstein als Ida, runden den guten musika­li­schen Eindruck ab, was freilich nicht für eine insgesamt überzeu­gende Produktion des schwie­rigen Stücks reicht. Das Duisburger Premieren-Publikum erfreute sich dennoch an den musika­li­schen Meriten und szeni­schen Mätzchen, zu denen auch mehr oder weniger pointierte Anspie­lungen auf die Situation der Deutschen Oper am Rhein und der Stadt Duisburg zählen.

Pedro Obiera

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