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DIE WALKÜRE
(Richard Wagner)
Besuch am
31. Mai 2018
(Premiere)
Wagner-Taumel am Rhein. Während das Partnerhaus in Düsseldorf schon beim Siegfried angekommen ist und noch dieses Jahr mit der Götterdämmerung den Ring runden wird, nimmt nun auch das Projekt in Duisburg an Fahrt auf. Und wie. Nach dem etwas müden Rheingold, das wie aufgewärmt in der Mikrowelle wirkte, kochen nun in der Walküre die Emotionen hoch. Die Inszenierung von Dietrich Hilsdorf in der Mitarbeit von Dorian Dreher und unter der Spielleitung von Ilaria Lanzino ist nicht wirklich spektakulär – und auch nicht überraschend, wenn man Hilsdorfs Interpretation der Walküre am Aalto-Theater Essen gesehen hat. Es ist eine dichte Familientragödie im Rahmen eines Weltendramas. Das passt zu dem Teil der Tetralogie, in dem der verfluchte Ring überhaupt nicht vorkommt, aber durch Wotans kriegerisch-politische Ausrichtung immer als Motivation präsent ist. Aber es fokussiert sich eben alles auf die Patchwork-Familie, deren Zukunft in den Händen von außerehelich gezeugten Kindern liegt.
Der erste Akt ist noch sehr werkgetreu als Kammerspiel inszeniert, im zweiten Akt muss dann der komplette Familienclan miterleben, wie Papa Wotan anfangs noch selbstherrlich sein inzestuöses Zwillingspaar Siegmund und Sieglinde verteidigt und seinen ungeliebten Schwiegersohn Hunding auslacht. Der bekommt dann ausgerechnet von seiner Schwiegermutter Fricka die nötige Schützenhilfe. Von nun geht es mit Wotans Plan bergab, die Folgen bekommen alle zu spüren. Dieter Richters zunächst beklemmender Bühnenraum, der an das „Führerhauptquartier“ Wolfschance erinnert, weitet sich unauffällig zum großen Gesellschaftsraum, der vom Krieg gezeichnet ist. Eine nette Idee: Der Film Apocalypse Now nutzt den Walkürenritt, Hilsdorf nutzt Apocalypse Now und zeigt einen abgestürzten Hubschrauber auf der Bühne, aus dem sich die Walküren manchen gefallenen Helden angeln, die wie stoische Zombies über die Bühne schreiten.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Renate Schmitzer vereint in den Kleidern der Walküren Eleganz und Militanz. Carolin Steffen-Maaß hat die acht Stimmen im tückischen Walkürenritt bestens vorbereitet. Ein kleiner Höhepunkt in einer musikalisch sehr gut bestellten Aufführung, die auf dem gleichen Niveau liegt wie die Besetzung in Düsseldorf, wo Corby Welch, Elisabeth Strid, Simon Neal und Einspringern Irene Theorin für Begeisterungsstürme sorgten. An letztere reicht Heike Wessels nicht heran. Ihre Walkürenrufe zu Beginn des zweiten Aktes rutschen nach unten, die Höhe offenbart über den gesamten Abend ein gefährliches Klirren. Man kann nun über den gesamten Ring in Duisburg beobachten, ob die Wessels sich mit der Brünnhilde einen Gefallen tut. Ihre ganz klaren Stärken: Das wunderbare Legato in Tiefe und Mittellage, in der sie Wotan in das emotionale Gespräch über seine Vergangenheit und Zukunft verwickelt. Nicht nur bei ihr, auch beim Wotan von James Rutherford versteht man jedes Wort. Rutherford läuft in jeder Hinsicht zu ganz großer Form auf. Darstellerisch nie extrovertiert erscheinend, lebt seine Darstellung doch von einer autoritären Ausstrahlung, die aber auch genügend Brüche für Wotans persönliche Niederlage bietet. Sein sonorer Bariton klingt über den gesamten Abend wie aus einem Guss, wirkt aber nie distanziert und emotionslos.

Seine Stimme hat der Gott wohl an das Wälsungengeschlecht vererbt. Daniel Frank hat nicht nur das heldische Forte für die „Wälse“-Rufe parat. Viel beeindruckender ist, wie er seinen fast italienisch klingenden Tenor bruchlos nur ein paar Takte später zu einem schönen, obertonreichen Piano zurücknehmen kann. Ebenso vermag auch Sarah Ferede als seine Schwester Sieglinde ihren sehr angenehmen Sopran über die gesamte Bandbreite der Emotionen zu führen. Dabei verliert ihre Stimme nie Sitz oder Sicherheit. Katarzyna Kuncio tritt als Fricka mit einer eiskalten Ausstrahlung auf. Ein richtiger Drache mit vokalem Nachdruck und den besseren Argumenten. Lukasz Konieczny hat für den Hunding den passend bedrohlichen Bass samt unangenehmer Bühnenerscheinung anzubieten.
Aus dem Orchestergraben kommt der passende Klangteppich. Dass sich insbesondere das Blech ein paar Schnitzer leistet, ist angesichts der Temperaturen an Fronleichnam nicht verwunderlich. Es ist brütend heiß im Theater. Doch die Instrumente heizen noch mächtig nach. Wesentlich besser als noch im Rheingold gelingen den Duisburger Philharmonikern die Übergänge der Motive, und Axel Kober fordert viele Zwischenstimmen ein, so dass man gerne hinhört, wie die Instrumente das Drama gestalten. Kober wählt durchaus passende Tempi und seine Interpretation könnte extrem spannend sein. Nur ist der Aufbau des Forte immer noch der größte Schwachpunkt, weil er es ohne auf die Sänger zu hören entwickelt. Davon abgesehen ist die Duisburger Premiere der beste Abend bislang im Ring am Rhein.
Von den Zuschauern gibt es den dazu passenden Bravosturm. Schon nach dem ersten Akt entsteht Begeisterung pur, die sich bis zum Schlussapplaus steigert. Diejenigen, die alle zehn Minuten ihren Nachbarn zuraunen mussten, wie heiß es doch ist, sind zum Glück spätestens nach dem zweiten Akt gegangen. Die anderen erlebten einen berührenden Abschied Wotans von seiner Tochter.
Christoph Broermann