O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Familiendrama im Weltenrausch

DIE WALKÜRE
(Richard Wagner)

Besuch am
31. Mai 2018
(Premiere)

 

Deutsche Oper am Rhein, Theater Duisburg

Wagner-Taumel am Rhein. Während das Partnerhaus in Düsseldorf schon beim Siegfried angekommen ist und noch dieses Jahr mit der Götter­däm­merung den Ring runden wird, nimmt nun auch das Projekt in Duisburg an Fahrt auf. Und wie. Nach dem etwas müden Rheingold, das wie aufge­wärmt in der Mikro­welle wirkte, kochen nun in der Walküre die Emotionen hoch. Die Insze­nierung von Dietrich Hilsdorf in der Mitarbeit von Dorian Dreher und unter der Spiel­leitung von Ilaria Lanzino ist nicht wirklich spekta­kulär – und auch nicht überra­schend, wenn man Hilsdorfs Inter­pre­tation der Walküre am Aalto-Theater Essen gesehen hat. Es ist eine dichte Famili­en­tra­gödie im Rahmen eines Welten­dramas. Das passt zu dem Teil der Tetra­logie, in dem der verfluchte Ring überhaupt nicht vorkommt, aber durch Wotans kriege­risch-politische Ausrichtung immer als Motivation präsent ist. Aber es fokus­siert sich eben alles auf die Patchwork-Familie, deren Zukunft in den Händen von außer­ehelich gezeugten Kindern liegt.

Der erste Akt ist noch sehr werkgetreu als Kammer­spiel insze­niert, im zweiten Akt muss dann der komplette Famili­enclan miter­leben, wie Papa Wotan anfangs noch selbst­herrlich sein inzes­tuöses Zwillingspaar Siegmund und Sieglinde verteidigt und seinen ungeliebten Schwie­gersohn Hunding auslacht. Der bekommt dann ausge­rechnet von seiner Schwie­ger­mutter Fricka die nötige Schüt­zen­hilfe. Von nun geht es mit Wotans Plan bergab, die Folgen bekommen alle zu spüren. Dieter Richters zunächst beklem­mender Bühnenraum, der an das „Führer­haupt­quartier“ Wolfs­chance erinnert, weitet sich unauf­fällig zum großen Gesell­schaftsraum, der vom Krieg gezeichnet ist. Eine nette Idee: Der Film Apoca­lypse Now nutzt den Walkü­renritt, Hilsdorf nutzt Apoca­lypse Now und zeigt einen abgestürzten Hubschrauber auf der Bühne, aus dem sich die Walküren manchen gefal­lenen Helden angeln, die wie stoische Zombies über die Bühne schreiten.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Renate Schmitzer vereint in den Kleidern der Walküren Eleganz und Militanz. Carolin Steffen-Maaß hat die acht Stimmen im tücki­schen Walkü­renritt bestens vorbe­reitet. Ein kleiner Höhepunkt in einer musika­lisch sehr gut bestellten Aufführung, die auf dem gleichen Niveau liegt wie die Besetzung in Düsseldorf, wo Corby Welch, Elisabeth Strid, Simon Neal und Einspringern Irene Theorin für Begeis­te­rungs­stürme sorgten. An letztere reicht Heike Wessels nicht heran. Ihre Walkü­renrufe zu Beginn des zweiten Aktes rutschen nach unten, die Höhe offenbart über den gesamten Abend ein gefähr­liches Klirren. Man kann nun über den gesamten Ring in Duisburg beobachten, ob die Wessels sich mit der Brünn­hilde einen Gefallen tut. Ihre ganz klaren Stärken: Das wunderbare Legato in Tiefe und Mittellage, in der sie Wotan in das emotionale Gespräch über seine Vergan­genheit und Zukunft verwi­ckelt. Nicht nur bei ihr, auch beim Wotan von James Rutherford versteht man jedes Wort. Rutherford läuft in jeder Hinsicht zu ganz großer Form auf. Darstel­le­risch nie extro­ver­tiert erscheinend, lebt seine Darstellung doch von einer autori­tären Ausstrahlung, die aber auch genügend Brüche für Wotans persön­liche Niederlage bietet. Sein sonorer Bariton klingt über den gesamten Abend wie aus einem Guss, wirkt aber nie distan­ziert und emotionslos.

Foto © Hans Jörg Michel

Seine Stimme hat der Gott wohl an das Wälsun­gen­ge­schlecht vererbt. Daniel Frank hat nicht nur das heldische Forte für die „Wälse“-Rufe parat. Viel beein­dru­ckender ist, wie er seinen fast italie­nisch klingenden Tenor bruchlos nur ein paar Takte später zu einem schönen, oberton­reichen Piano zurück­nehmen kann. Ebenso vermag auch Sarah Ferede als seine Schwester Sieglinde ihren sehr angenehmen Sopran über die gesamte Bandbreite der Emotionen zu führen. Dabei verliert ihre Stimme nie Sitz oder Sicherheit. Katarzyna Kuncio tritt als Fricka mit einer eiskalten Ausstrahlung auf. Ein richtiger Drache mit vokalem Nachdruck und den besseren Argumenten. Lukasz Konieczny hat für den Hunding den passend bedroh­lichen Bass samt unange­nehmer Bühnen­er­scheinung anzubieten.

Aus dem Orches­ter­graben kommt der passende Klang­teppich. Dass sich insbe­sondere das Blech ein paar Schnitzer leistet, ist angesichts der Tempe­ra­turen an Fronleichnam nicht verwun­derlich. Es ist brütend heiß im Theater. Doch die Instru­mente heizen noch mächtig nach. Wesentlich besser als noch im Rheingold gelingen den Duisburger Philhar­mo­nikern die Übergänge der Motive, und Axel Kober fordert viele Zwischen­stimmen ein, so dass man gerne hinhört, wie die Instru­mente das Drama gestalten. Kober wählt durchaus passende Tempi und seine Inter­pre­tation könnte extrem spannend sein. Nur ist der Aufbau des Forte immer noch der größte Schwach­punkt, weil er es ohne auf die Sänger zu hören entwi­ckelt. Davon abgesehen ist die Duisburger Premiere der beste Abend bislang im Ring am Rhein.

Von den Zuschauern gibt es den dazu passenden Bravosturm. Schon nach dem ersten Akt entsteht Begeis­terung pur, die sich bis zum Schluss­ap­plaus steigert. Dieje­nigen, die alle zehn Minuten ihren Nachbarn zuraunen mussten, wie heiß es doch ist, sind zum Glück spätestens nach dem zweiten Akt gegangen. Die anderen erlebten einen berüh­renden Abschied Wotans von seiner Tochter.

Christoph Broermann

Teilen Sie O-Ton mit anderen: