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Foto © Lutz Edelhoff

Preußens Niedergang

AGNES VON HOHENSTAUFEN
(Gaspare Spontini)

Besuch am
1. Juni 2018
(Premiere)

 

Theater Erfurt

Als nach dreieinhalb Stunden der Vorhang fällt und das gesamte Ensemble vom Publikum bejubelt wird, sieht man in viele glück­liche Gesichter. Denn für die nach 180 Jahren erstmals im deutschen Original aufge­führte Agnes von Hohen­staufen von Gaspare Spontini hat das Theater Erfurt enormen Aufwand betrieben und alle Kräfte mobili­siert. Und dabei mehr Mut bewiesen als die beiden großen Berliner Opern­häuser, deren Überle­gungen hinsichtlich einer Aufführung nicht über eine lose Planung hinaus­kamen. Erfurts Unerschro­ckenheit – die bereits 2006 bei Spontinis Ferdinand Cortez zu bewundern war – jeden­falls wird belohnt und beschert dem Haus eine Stern­stunde. Sie ist im Wesent­lichen dem Engagement des Chefdra­ma­turgen Arne Langer zu danken, der sich jahrelang für die Oper einsetzte, dazu die wieder­ent­deckte Ouvertüre rekon­stru­ierte, das fundierte Programmheft erstellte und nebenbei noch ein mit hochka­rä­tigen Wissen­schaftlern besetztes Symposium zu dem Thema Gaspare Spontini und die Oper in Berlin – zwischen Integration und Isolation in Koope­ration mit der Gutenberg-Univer­sität Mainz initiierte.

Der 1774 in Italien geborene Spontini war seinerzeit als Komponist europaweit hochan­ge­sehen und feierte mit monumen­talen Opern­spek­takeln Triumphe. 1820 wurde er zum General­mu­sik­di­rektor an die Berliner Hofoper berufen, wo er über 20 Jahre unter der Protektion von König Friedrich Wilhelm III. wirkte. Nach dessen Tod entließ man Spontini wegen Kompe­tenz­strei­tig­keiten, bei denen er wenig diplo­ma­tisch agierte. 1851 starb er in seinem Geburtsort Maiolati. Im 20. Jahrhundert wurden seine Opern nur noch spora­disch gespielt, dann aber in promi­nenter Besetzung, etwa mit Maria Callas in La Vestale oder Riccardo Muti, der Agnes von Hohen­staufen in der italie­ni­schen Fassung dirigierte.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Das Werk gilt als Prunk- und Reprä­sen­ta­ti­onsoper. Elefanten, wie in Spontinis Olympie, ziehen zwar nicht über die Bühne, dafür aber Scharen an Rittervolk, Fürsten und Nonnen. Behandelt werden die Macht­kämpfe zwischen Staufern und Welfen im mittel­al­ter­lichen Mainz, von denen auch die Liebe zwischen der Staufer­tochter Agnes und dem Welfensohn Heinrich betroffen ist. Das Erscheinen des Kaisers führt die verfein­deten Parteien zusammen, die nun zum gemein­samen Expan­si­ons­krieg aufrufen. In Marc Adams Insze­nierung gibt es kein glori­fi­zie­rendes Finale. Während der Chor zum martia­li­schen Appell „Zu den Waffen“ im Gleich­schritt marschiert, sieht man Agnes am Grabe des gefal­lenen Gatten.

Adam lässt die Oper in verschie­denen Epochen spielen, was freilich nicht zur Verständ­lichkeit des an sich schon verwir­renden Geschehens beiträgt. In dem von Monica Gora entwor­fenen, streng symme­tri­schen Bühnenraum, der gerade wegen seiner Schlichtheit von hohem ästhe­ti­schem Reiz ist, sieht man meist statua­rische Tableaus aus dem Ersten Weltkrieg, der Entste­hungszeit um 1820 und dem Mittel­alter. Dass es um Preußens Geschichte geht, symbo­li­siert der anfangs höchst lebendig herab­flie­gende, im Verlauf dann als Video zerrupft einge­blendete Wappenadler.

Foto © Lutz Edelhoff

Agnes von Hohen­staufen vereint Elemente aus der Tragédie lyrique und der Grand Opéra und erfordert eine Riesen­be­setzung, inklusive Bühnen­musik und Fernchören. Wie die Dirigentin Zoi Tsokanou mit dem blendend dispo­nierten, verstärkten Philhar­mo­ni­schen Orchester Erfurt die fast ungekürzte Partitur bei nie nachlas­sender Spannung struk­tu­riert und die Klang­ge­walten dynamisch diffe­ren­ziert und trans­parent auffä­chert, ist eines der musika­li­schen Wunder des Abends. Das zweite ist der von Andreas Ketelhut akribisch einstu­dierte Erfurter Opernchor, der durch homogene Opulenz überwältigt.

Hoch respek­tabel sind auch die Leistungen des Solis­ten­en­sembles. Allen voran Margrethe Fredheim, die eine fulmi­nante Irmengard mit durch­schlags­kräf­tigem, höhen­starkem Sopran singt. Claudia Sorokina als Agnes besitzt diese vokale Kraft nicht, doch harmo­niert sie mit ihrer Bühnen­mutter im schönsten Zwiegesang. Stilis­tisch sehr unter­schiedlich präsen­tieren sich die beiden Tenöre: hier der lyrisch empfindsame Bernhard Berchtold, dort der heldisch auftrump­fende Todd Wilander. Fabelhaft die tiefen Männer­stimmen: Máté Sólyom-Nagy singt den Kaiser mit großer Autorität, Kakhaber Shavidze den Erzbi­schof mit balsa­mi­scher Würde und Siyabulela Ntlale den franzö­si­schen König Philipp August mit mächtiger Attacke.

Agnes von Hohen­staufen wird nur in dieser Saison gespielt. Wer sich also einen ganz beson­deren Opern­abend nicht entgehen lassen möchte, dem sei dringend die baldige Fahrt nach Erfurt empfohlen.

Karin Coper

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