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Foto © Lutz Edelhoff

Hochstapler im Hotel

FRA DIAVOLO
(Daniel-François-Esprit Auber)

Besuch am
6. Oktober 2018
(Premiere)

 

Theater Erfurt

Daniel-François-Esprit Auber war Anfang bis Mitte des 19. Jahrhun­derts einer der produk­tivsten und populärsten franzö­si­schen Kompo­nisten. Heute ist sein Name im Wesent­lichen nur noch mit zwei Opern verbunden: mit La Muette di Portici, eine der ersten Grand opéras, die 1830 nach einer Aufführung in Brüssel die belgische Revolution auslöste, und mit der im gleichen Jahr in Paris urauf­ge­führten Opéra-comique  Fra Diavolo. Sie ist Aubers am häufigsten aufge­führtes Werk und auch auf Tonträgern am stärksten vertreten, mit so berühmten Inter­preten wie Nicolai Gedda und Mady Mesplé, Rudolf Schock und Wilma Lipp.

In Erfurt eröffnet Fra Diavolo nach über 50-jähriger Abwesenheit die aktuelle Spielzeit, die unter dem Motto Film ab steht. Was bedeutet, dass alle gezeigten Musik­thea­ter­werke irgend­einen Bezug zum Kino haben. Im Falle der Auber-Oper ist es die Holly­wood­ko­mödie The Devil‘s Brother mit Laurel und Hardy, die auf ihr basiert.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Fra Diavolo, so heißt der Räuber­hauptmann, der rund um die italie­nische Hafen­stadt Terracina für Angst und Schrecken sorgt und gerade ein engli­sches Ehepaar ausge­raubt hat. Sie haben sich in einem Gasthof einquar­tiert, wo auch Diavolo inkognito als Marquis auftaucht. Das löst ein amouröses und krimi­nal­ko­mö­di­en­haftes Verwirr­spiel aus: Die Britin flirtet mit dem Marquis und der mit der Wirts­tochter Zerlina, die wiederum ein Auge auf den Offizier Lorenzo geworfen hat, aber gegen ihren Willen von ihrem Vater reich verhei­ratet werden soll. Letzt­endlich wird Diavolo entlarvt – im Original sogar getötet – und Zerlina bekommt Lorenzo.  

Foto © Lutz Edelhoff

Bei Regisseur Hendrik Müller spielt das Geschehen in einem Hotel. Marc Weeger hat ihm dafür ein hochherr­schaft­liches Ambiente entworfen, bei dem Wes Andersons Film Grand Budapest Hotel deutlich Pate steht. Schon der Vorspann mit der Beset­zungs­liste, aus techni­schen Gründen am Premie­ren­abend verspätet einsetzend, zeigt das Kino-Cover des Berlinale-Gewinners mit röhrendem Hirsch vor Bergland­land­schaft. Doch damit nicht genug. Figuren aus dem Film Menschen im Hotel sind unter den Gästen, dazu noch eine Geisha, ein Scheich und viel Personal. Sie alle tummeln sich in der Eingangs­halle, wuseln aus den oben gelegenen Zimmern heraus oder bevölkern die prächtige Treppe. Müller erzählt die Geschichte des Fra Diavolo als turbu­lenten, absurden Klamauk mit kräftigen Anleihen beim Kintopp und Slapstick. Die von ihm selbst geschrie­benen Dialoge sind den Aktionen entspre­chend grob gestrickt und werden ständig von Life- Barmusik untermalt, was für zusätz­liche Unruhe sorgt. Doch gibt es auch einen witzigen Ruhepol: die Schwimm- und Sauna­szene im zweiten Akt, in der Zerlina vom Räubertrio beobachtet wird, besitzt delikate Situationskomik.

Fra Diavolo wird in deutscher Sprache gegeben. Einige der Nummern sind gekürzt, dafür aber drei Musik­stücke aus der italie­ni­schen Fassung eingefügt. Im starken Kontrast zum deftigen Bühnen­ge­schehen entfaltet die Musik im Graben jenen Charme und Esprit, den sich die Insze­nierung versagt. Die Ouvertüre gerät noch etwas derb, doch dann beginnen die eingän­gigen Melodien unter den Händen von Chanmin Chung elegant zu fließen und zu funkeln. Die Ensembles schnurren präzise und dynamisch fein austa­riert ab, der von Andreas Ketelhut vorbe­reitete Chor ist bestens integriert.

Mit Leonor Amaral hat Erfurt eine Sopra­nistin engagiert, die so jugendlich frisch und mit perlenden Kolora­turen singt, dass sie nicht nur Lorenzos Herz, sondern auch das des Publikums für sich gewinnt. Julian Freibott singt den Geliebten mit schlankem Tenor und leicht anspre­chender Höhe, während Alexander Voigt den Diavolo, der als abgewrackter Rockstar mit fettigen Haaren auftritt, schwer­ge­wich­tiger und weniger flexibel gestaltet. Katja Bildt und Juri Batukov lassen als Engländer keinen Gag aus und auch Jörg Rathmann und Máté Sólyom-Nagy als Diavolos Kumpane kosten ihre Buffo-Rollen mit sicht­barem Vergnügen aus, ob im Nonnen­kostüm oder als Werbe­fi­guren Meister Propper und Käse–Antje ausstaffiert.

Nach verhal­tenem Beginn jubelt das Premie­ren­pu­blikum am Ende allen Mitwir­kenden zu. Es hat sich gut unterhalten.

Karin Coper

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