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Daniel-François-Esprit Auber war Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts einer der produktivsten und populärsten französischen Komponisten. Heute ist sein Name im Wesentlichen nur noch mit zwei Opern verbunden: mit La Muette di Portici, eine der ersten Grand opéras, die 1830 nach einer Aufführung in Brüssel die belgische Revolution auslöste, und mit der im gleichen Jahr in Paris uraufgeführten Opéra-comique Fra Diavolo. Sie ist Aubers am häufigsten aufgeführtes Werk und auch auf Tonträgern am stärksten vertreten, mit so berühmten Interpreten wie Nicolai Gedda und Mady Mesplé, Rudolf Schock und Wilma Lipp.
In Erfurt eröffnet Fra Diavolo nach über 50-jähriger Abwesenheit die aktuelle Spielzeit, die unter dem Motto Film ab steht. Was bedeutet, dass alle gezeigten Musiktheaterwerke irgendeinen Bezug zum Kino haben. Im Falle der Auber-Oper ist es die Hollywoodkomödie The Devil‘s Brother mit Laurel und Hardy, die auf ihr basiert.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
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Fra Diavolo, so heißt der Räuberhauptmann, der rund um die italienische Hafenstadt Terracina für Angst und Schrecken sorgt und gerade ein englisches Ehepaar ausgeraubt hat. Sie haben sich in einem Gasthof einquartiert, wo auch Diavolo inkognito als Marquis auftaucht. Das löst ein amouröses und kriminalkomödienhaftes Verwirrspiel aus: Die Britin flirtet mit dem Marquis und der mit der Wirtstochter Zerlina, die wiederum ein Auge auf den Offizier Lorenzo geworfen hat, aber gegen ihren Willen von ihrem Vater reich verheiratet werden soll. Letztendlich wird Diavolo entlarvt – im Original sogar getötet – und Zerlina bekommt Lorenzo.

Bei Regisseur Hendrik Müller spielt das Geschehen in einem Hotel. Marc Weeger hat ihm dafür ein hochherrschaftliches Ambiente entworfen, bei dem Wes Andersons Film Grand Budapest Hotel deutlich Pate steht. Schon der Vorspann mit der Besetzungsliste, aus technischen Gründen am Premierenabend verspätet einsetzend, zeigt das Kino-Cover des Berlinale-Gewinners mit röhrendem Hirsch vor Berglandlandschaft. Doch damit nicht genug. Figuren aus dem Film Menschen im Hotel sind unter den Gästen, dazu noch eine Geisha, ein Scheich und viel Personal. Sie alle tummeln sich in der Eingangshalle, wuseln aus den oben gelegenen Zimmern heraus oder bevölkern die prächtige Treppe. Müller erzählt die Geschichte des Fra Diavolo als turbulenten, absurden Klamauk mit kräftigen Anleihen beim Kintopp und Slapstick. Die von ihm selbst geschriebenen Dialoge sind den Aktionen entsprechend grob gestrickt und werden ständig von Life- Barmusik untermalt, was für zusätzliche Unruhe sorgt. Doch gibt es auch einen witzigen Ruhepol: die Schwimm- und Saunaszene im zweiten Akt, in der Zerlina vom Räubertrio beobachtet wird, besitzt delikate Situationskomik.
Fra Diavolo wird in deutscher Sprache gegeben. Einige der Nummern sind gekürzt, dafür aber drei Musikstücke aus der italienischen Fassung eingefügt. Im starken Kontrast zum deftigen Bühnengeschehen entfaltet die Musik im Graben jenen Charme und Esprit, den sich die Inszenierung versagt. Die Ouvertüre gerät noch etwas derb, doch dann beginnen die eingängigen Melodien unter den Händen von Chanmin Chung elegant zu fließen und zu funkeln. Die Ensembles schnurren präzise und dynamisch fein austariert ab, der von Andreas Ketelhut vorbereitete Chor ist bestens integriert.
Mit Leonor Amaral hat Erfurt eine Sopranistin engagiert, die so jugendlich frisch und mit perlenden Koloraturen singt, dass sie nicht nur Lorenzos Herz, sondern auch das des Publikums für sich gewinnt. Julian Freibott singt den Geliebten mit schlankem Tenor und leicht ansprechender Höhe, während Alexander Voigt den Diavolo, der als abgewrackter Rockstar mit fettigen Haaren auftritt, schwergewichtiger und weniger flexibel gestaltet. Katja Bildt und Juri Batukov lassen als Engländer keinen Gag aus und auch Jörg Rathmann und Máté Sólyom-Nagy als Diavolos Kumpane kosten ihre Buffo-Rollen mit sichtbarem Vergnügen aus, ob im Nonnenkostüm oder als Werbefiguren Meister Propper und Käse–Antje ausstaffiert.
Nach verhaltenem Beginn jubelt das Premierenpublikum am Ende allen Mitwirkenden zu. Es hat sich gut unterhalten.
Karin Coper