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10 by Ben: Der Titel der Gala-Produktion zu Ehren von Ben van Cauwenbergh erinnert an eine Freundschaftsbezeugung. In der Tat hat sich der Geehrte in den zehn Jahren seiner Tätigkeit als Direktor und Intendant des Essener Aalto-Balletts eine treue und zahlreiche Anhängerschar erobern können, die jetzt auch einen dreistündigen Zusammenschnitt aus denkwürdigen Produktionen der zurückliegenden Dekade mit stürmischer Begeisterung feiert.
Dass Cauwenberghs Herz für das gute alte Handlungsballett schlägt, und das, wie im Falle von Schwanensee oder Ludwig Minkus Don Quichotte, in sehr traditionellen Umsetzungen auf den Spuren Marius Petipas, trägt gewiss zu seiner Popularität bei. Freilich nur zum Teil. Denn geschickt lädt er immer wieder Choreografen ein, die mit etwas innovativerem Wagemut neue Wege des Tanztheaters beschreiten. Etwa Alexander Ekman mit seinem Programm 3 By Ekman oder David Dawson mit seiner interessanten Neudeutung von Adolphe Adams Giselle. Und ganz besonders glücklich äußerte sich Cauwenbergh in einem kurzen Gespräch über die Zusammenarbeit mit der Tanzlegende Jiří Kylián, der mit einem dreiteiligen Programm unter dem Titel Archipel ein besonderer Höhepunkt gelungen ist.
In der Jubiläumsschau muss man sich freilich von diesen Leckerbissen mit ein paar Video-Einblendungen begnügen. Natürlich stehen die Arbeiten van Cauwenberghs im Mittelpunkt des langen, aber recht kurzweiligen Abends, der die Erdverbundenheit des Choreografen hautnah belegt. Bereits vor der Eröffnung wärmt er sich mit seinem Ensemble auf offener Bühne auf, wobei seine Tänzer schon mit einigen kunstvollen Sprüngen und Pirouetten glänzen und der Ballettchef selbst zeigen kann, dass er körperlich noch recht fit ist.
Die ausgewählten Produktionen, die ausschnittweise live aufgeführt werden, zeigen ein Bild, das zwar von den großen Klassikern à la Prokofieffs Romeo und Julia, Tschaikowskys Schwanensee und dem Nussknacker sowie Ludwig Minkus‘ Don Quichotte dominiert wird, aber auch das Interesse van Cauwenberghs an exotischen Randbereichen des Tanzes nicht unter den Tisch fallen lässt.
So mit seiner Liebeserklärung an das französische Chanson, die unter dem Titel La vie en rose atmosphärisch dichte und fantasievolle tänzerische Auseinandersetzungen mit Gesängen von Edith Piaf, Jacques Brel und Charles Aznavour zeigt. Oder strenges spanisches Kolorit in temperamentvollen Adaptionen von Ravels Bolero und Bizets Carmen. Mit einer seiner ersten Produktionen, Queen – The show must go on, wollte er vor zehn ein junges Publikum heranziehen, was ihm auch teilweise gut gelungen ist. Mit der revueartigen Einlage zu dem berühmten Queen-Song endet die auf Hochglanz polierte Gala.
Dass das Ensemble derzeit tänzerisch ein sehr hohes Niveau demonstriert, ist Cauwenberghs eigener, intensiver Arbeit zu verdanken, aber auch der Auseinandersetzung mit den tänzerischen Konzepten anderer Choreografen, von denen an dem Fest-Abend die skurrile Stuhl- und Sitzparade Deca Dance von Ohad Naharin die ungewöhnlichen Akzente setzt.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Tanz | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Choreografie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Dagegen wirken die Klassiker van Cauwenberghs teilweise recht rückwärtsgewandt, vor allem in musikalisch mittelmäßigen Stücken wie Minkus‘ Don Quichotte. Allerdings zeigen Yanelis Rodriguez und Aidos Zakan gerade in diesem Ausschnitt den schönsten Pas de deux des ganzen Abends.
Ben van Cauwenbergh genießt sichtlich die Huldigungen, die ihm seine Tänzer und das Publikum entgegenbringen. Und er freut sich, dass für diese Produktion auch mittlerweile ausgeschiedene Ensemblemitglieder zurückgekehrt sind, so Breno Bittencourt, der in Stijin Celis‘ Choreografie von Prokofieffs Cinderella mit Yulia Tsoi in der Titelrolle an seine früheren Leistungen erinnern kann.

Mit der publikumsfreundlichen Programmpolitik dürfte dem Ballettintendanten die Treue des Publikums auch für die weitere Zukunft sicher sein. Das Ensemble gibt an diesem Abend alles, um die vielen Rollen- und Stilwechsel der dreizehn Live-Beiträge so gut wie möglich zu bewältigen. Angesichts der Buntscheckigkeit des Programms kann man auch verschmerzen, dass die Musik ausnahmsweise vom Band eingespielt und auf ein Live-Orchester verzichtet wird. Weniger verständlich ist das lieblos und lückenhaft gestaltete Programmblatt, das nicht einmal die Namen der Choreografen und der Premieren-Jahre verrät. Dafür wird das Publikum mit einem „Geschenk“ entschädigt, einem Konvolut von elf Postkarten mit Szenenfotos.
Das Publikum feiert van Cauwenbergh geradezu überschwänglich. Mit seiner Handschrift setzt er einen konservativen Kontrapunkt zur abstrakten Bewegungssprache Martin Schläpfers an der Deutschen Oper am Rhein. Unterschiedlicher als van Cauwenbergh und Schläpfer lässt sich der Schwanensee kaum umsetzen. Einen sehr geschickten Mittelweg zwischen diesen Antipoden beschreitet Gelsenkirchens Ballettchefin Bridgett Breiner, die das Haus demnächst verlassen wird.
Fortsetzen wird van Cauwenbergh seine Arbeit in der nächsten Saison mit einem ungewöhnlichen Stück: Unter dem Titel Rock Around Barock wird er zusammen mit der Rockband Mallet Musik von Bach bis zu den Beatles tänzerisch umsetzen. Die Premiere ist für Ende April kommenden Jahres vorgesehen.
Pedro Obiera