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Foto © O-Ton

Gegenwehr ist möglich

ABSCHLUSSFEIER
(Dominik Hertrich, Christina Binta)

Besuch am
31. August 2023
(Urauf­führung)

 

Rabbit-Hole-Theater, Essen

Der kritische Punkt ist erreicht. Darin sind sich Dominik Hertrich, Jens Dornheim und Christian Freund, die Betreiber des Rabbit-Hole-Theaters, einig und erwarten den heutigen Abend dementspre­chend angespannt. Am 25. Mai haben sie mit der Abschluss­feier begonnen, einer Serie im Theater, von der jeweils am letzten Donnerstag im Monat eine neue Folge gezeigt wird. Auch über die so genannte spiel­freie Zeit im Sommer hinweg. Inzwi­schen sind die Menschen im Urlaub gewesen, haben sich also auch gedanklich weit vom Theater entfernt. Da ist es durchaus nicht selbst­ver­ständlich, dass sich noch arg viele Leute für eine Fortset­zungs­serie im Theater inter­es­sieren. Doch jede Sorge ist unbegründet, wie der Auflauf vor dem Theater am Vieho­fer­platz in Essen verkündet. Die Plätze an diesem Abend reichen nur, weil noch zusätz­liche Stühle in den Zuschau­erraum gestellt werden. Und das Publikum, großes Kompliment, nimmt es ohne Murren hin. Zweifel kommen nur bei den draußen Wartenden kurz auf, als es einen kleinen Einlassstau gibt und von innen keine „Ordnungsrufe“ und Befra­gungen zu hören sind. Daran hatte man sich doch schon fast gewöhnt.

Julie Stearns – Foto © O‑Ton

Tatsächlich hat Christina Binta als Bonnie Papado­poulos, Tochter des Theater­chefs, alle Hände voll zu tun, die Karten zu verkaufen und die Menschen mit Getränken zu versorgen. Trotzdem gelingt der pünkt­liche Beginn. Die Rückwand der Bühne ist komplett von einer Video-Leinwand bedeckt. Davor sitzt Dornheim als ehema­liger Klima­ak­tivist Tom Markward, ganz in Weiß gekleidet, zwischen zwei Pflanzen, an denen er herum­zupft. Vor ihm ein Feldbett, auf dem Salamanca Kronenberg hockt, die wahrschein­lichste beste Schau­spie­lerin der Welt, die bekanntlich an Krebs erkrankt ist und von Selina-Naomi Koenen verkörpert wird. Seitdem Bonnie sie mit Medika­menten versorgt hat, scheint es ihr wieder besser zu gehen. Dritter im Bunde ist Rick Maelstrom, einstige Wrestling-Legende, von deren sport­lichen Fähig­keiten bei Alexander Kupsch wenig übrig­ge­blieben ist. Schön, dass die drei Zeit für ein Liedchen finden. Auf die Melodie von Sound of Silence, dem wunder­baren Lied, das Paul Simon 1964 geschrieben hat, haben Hertrich und Binta, die auch in dieser Folge für die Textfassung zuständig sind, einen deutschen Text geschrieben, der die bishe­rigen Ereig­nisse noch einmal zusam­men­fasst – sehr zum Missfallen von Theaterchef Raymond Papado­poulos, dessen Beschimpfung aller­dings nur aus dem Hinter­grund zu hören ist, weil er sich gerade mit seiner Modell­ei­senbahn beschäftigt. Danny-Tristan Bombosch wird später noch zu seinem großen Auftritt kommen.

Danny-Tristan Bombosch, Christina Binta und Jens Dornheim – Foto © O‑Ton

Dann kann die vierte Folge mit dem Titel Sunrise, also Sonnen­aufgang, ja beginnen. Am besten mit Lange­weile. Was soll man auch den ganzen Tag in dem Theater, das inzwi­schen zum Schutzraum verwandelt wurde, anstellen? Fernsehen ist vielleicht eine Möglichkeit. Und so kommt das Publikum in den Genuss der Szene aus Sister Act!, in der Whoopy Goldberg mit dem Nonnenchor I Will Follow Him singt und tanzt. Unter­brochen wird die Projektion auf die Leinwand von einer Rede des ameri­ka­ni­schen Präsi­denten zur Lage der Weltbe­völ­kerung. Die bewirkt, dass Markward sich in das System des Pentagon einhackt. Daraufhin „stürmen“ zwei US-ameri­ka­nische Geheim­agenten den Schutzraum mit gezogenen Waffen. Claudia Fidorra übernimmt dabei die undankbare Aufgabe des Erfül­lungs­ge­hilfen Frank Farmer alias Agent 43732, während Julie Stearns einen fulmi­nanten Auftritt als Jill aka Agent 208 hinlegt. Aber auch wenn sie mit dem Präsi­denten direkt telefo­nieren darf, reicht ihre Autorität nicht, das Publikum zu beein­drucken, das der Handlung gebannt folgt. Ihrer Auffor­derung, das Lokal jetzt zu verlassen, folgt niemand, auch wenn der eine oder andere heimlich auf die Uhr schaut, ob das Stück jetzt mit einem Rausschmiss beendet werden soll.

Als das Bergfest der Serie zu Ende geht und die Akteure begeistert gefeiert werden, gibt es einige Klarheiten. Man kann der Bedrohung der Menschheit mit der Waffe des Humors Herr werden. Papado­poulos muss ein neues Stück schreiben, bei dem nun wieder alles möglich ist, vom Größenwahn bis zur wirklich fanta­sie­vollen Auflösung. Das Ensemble hat sich gefangen, tritt jetzt diszi­pli­niert und textsicher auf, was für die kommenden drei Folgen viel verspricht. Und Hertrich und Binta haben mit dem Votum des Publikums die Aufgabe, sich für Stearns eine weitere Gastrolle einfallen zu lassen. Mehr kann man von einem knapp 40-minütigen Abend kaum erwarten.

Die nächste Folge findet am 28. September statt.

Michael S. Zerban

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