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Das Experiment

COSÌ FAN TUTTE
(Wolfgang Amadeus Mozart)

Besuch am
1. November 2019
(Premiere am 1. Juni 2019)

 

Aalto-Musik­theater, Essen

Dunkle Wolken streben auf die helle Sonne am Horizont zu und verlieren alsbald im gleißenden Sonnen­schein sämtliche Konturen. Mit Hilfe dieses simplen Videos erklärt Regisseur Stephen Lawless den Hinter­ge­danken seiner Insze­nierung von Mozarts Così fan tutte. Erleuchtung durch Aufklärung, die Stürme des Alltags vergehen im hellen Schein des Verstandes. Das hört sich nett an, aber dass die Gedanken des Aufklärers Don Alfonso selbst getrübt scheinen, macht seine Philo­sophie umso zweifel­hafter. Die Untreue der Frauen – die im Titel der Oper vorweg­ge­nommen wird – ist für Lawless nicht das zentrale Thema, sondern vielmehr, dass Aufklärung, wenn sie auf diese Art und Weise perver­tiert wird, eher das Leben belastet als ihm hilft.

Am Ende der letzten Saison hat die neue Insze­nierung am Aalto-Theater eine bejubelte Premiere, unter der Leitung von Sara Wieners wird sie nun direkt wieder aufge­nommen und ist nicht nur ein Muss für Opern­freunde, sondern dürfte auch in der Rezen­si­ons­ge­schichte dieses oft verpönten Werkes einen beson­deren Platz einnehmen. Die beste Idee des Regie­teams: Die Oper in ihrer Zeit zu belassen. Und so entwirft Frank Philipp Schlößmann einen schlichten, barocken Bühnenraum, der in seinem unschul­digen Weiß die perfekte Schablone für Licht, Schatten und schlichte Videos ist. In seinen Wänden verstecken sich Bücher. Antike Ruinen und Kunst­werke werden auf die Bühne geschoben, weil man oft in der Vergan­genheit des Rätsels Lösung für die Zukunft findet. Die mensch­lichen Emotionen werden explosiv beschrieben: Wenn Dorabella dem Werben des albani­schen Liebhabers nachgibt, nicht ahnend, dass dieser der verkleidete Mann ihrer Schwester ist, dann bricht im Hinter­grund der Vesuv aus. Alsbald rieselt – auch das ist ein wunder­bares visuelles Wortspiel – Asche auf ihr Haupt herab. In diesen klassi­schen Wänden hat der Versuchs­aufbau um diese vier jungen Menschen, die von einem Philo­sophen und einer Kammerzofe an den Rand ihrer Existenz gebracht werden, weitaus größere Wirkung als in jedem modernen Rahmen.  Außerdem bekommt Schlößmann auf dieser Weise die Gelegenheit, histo­rische Kostüme zu entwerfen: Angefangen bei den Offiziers­kos­tümen bis hin zu den wunder­schönen Kleidern für Fiordiligi und Dorabella in rosa und grün sind die Kostüme einfach nur fantas­tisch. Die Kammerzofe Despina trägt unter ihrem zofen­haften Schwarz ein teufli­sches Rot, und Don Alfonso tauscht seinen eleganten Glitzer­anzug gegen die Kutte eines Paters. Eine inter­es­sante Erinnerung daran, dass der Schöpfer des Librettos, Lorenzo da Ponte, selbst die niederen Weihen eines Priesters erhalten hat.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Im zweiten Akt bricht dann der Raum wie ein Kartenhaus über den vier jungen Menschen ausein­ander. Sie sind nach diesem Experiment auf sich allein gestellt. Ein anderes Experiment nutzt Despina als verklei­deter Arzt, um die vermeintlich vergif­teten Albaner spekta­kulär ins Leben zurück­zu­holen. Wie Benjamin Franklin führt sie einen Drachen in die Luft, um die Energie des einschla­genden Blitzes in ihre Patienten zu lenken.

Energie­ge­laden ist auch die Inter­pre­tation des jungen Zweiten Kapell­meisters Johannes Witt, dem man zwischen­zeitlich durchaus anmerkt, dass ihm der letzte Überblick in heiklen Situa­tionen noch fehlt. Aller­dings kommt die Balance zwischen Bühne und Graben sehr wenig ins Strau­cheln. Noch entschei­dender: Die Essener Philhar­mo­niker spielen mit einer Akkura­tesse, die ihres­gleichen sucht. Schon bei der Premiere spüren sie dem warmen Klang bestens nach. Das schüch­terne Flirten, die Sehnsucht nach der wahren Liebe werden in der Mozart­schen Herzkopf­me­chanik wieder­ge­geben, die von Holzbläsern und Strei­chern mit rhyth­mi­scher Bravour gemeistert wird. Darin kommt noch das aggressive Element von Pauken und Trompeten besser zur Geltung, und der Sturm der Gefühle bricht über die Zuschauer herein.

Foto © Matthias JungFoto © Matthias Jung

Das Aalto-Theater verfügt über ein homogenes Ensemble, das sich seit der Premiere fast nicht verändert hat. Neu ist Bettina Ranch, eine Dorabella mit Kern und schönen Rundungen in der Stimme, so dass diese Partie sehr viel souve­räner und reifer wirkt als sonst üblich.  Tamara Banješević ist keine Diva im Ensemble, sondern singt ihren Sopranpart mit Hingabe und emotio­naler Reife und immer in schönster Abstimmung mit ihren Kollegen. Liliana de Sousa spielt nicht nur witzig, sondern kann auch mit Spielwitz singen, ohne je den schönen Klang ihrer Stimme zu verlieren. Den lyrischen Linien des Ferrando wird Dmitry Ivanchey vollauf gerecht, der auch in den Ensembles mit schönen Kolora­turen auffällt. Martijn Cornet gibt dem Guglielmo wohlklin­gendes Macho­gehabe. Einen eleganten Spiel­macher Alfonso mit gefähr­lichen Zwischen­tönen singt Baurzhan Anderzhanov. Etwas enttäu­schend ist der von Jens Bingert einstu­dierte Chor, der arg eindi­men­sional aus dem Off seinen Part gestaltet. Die Herren sind in dem sopran­reichen Klang nicht gut zu vernehmen, die Damen klingen dagegen etwas scharf in der Höhe.

Vom Publikum wird diese Aufführung begeistert aufge­nommen. Der Applaus ist nicht lang, aber sehr herzlich. Mit dieser Insze­nierung und diesem Ensemble hat die Oper Essen ein richtiges Juwel auf ihrem Spielplan.

Rebecca Hoffmann

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