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Foto © Michel van der Aa

Dreidimensionaler Ausblick in die Zukunft

SUNKEN GARDEN
(Michel van der Aa)

Besuch am
29. Oktober 2017
(Einmalige Aufführung)

 

NOW!-Festival für Neue Musik, Philhar­monie Essen

Ist das die Oper der Zukunft? Michel van der Aa löst jetzt im Rahmen des Essener NOW!-Festivals für neue Musik mit einer Aufführung seiner aufwän­digen 3D-Oper Sunken Garden die Bedingung des Mauricio-Kagel-Musik­preises der Kultur­stiftung NRW ein, der ihm 2013 verliehen wurde. 20.000 des mit 50.000 Euro üppig dotierten Preises müssen demnach für eine Produktion in Nordrhein-Westfalen verwendet werden.

Was der nieder­län­dische Komponist, Filme­macher und Regisseur mit seinem 110-minütigen Werk auf die Beine stellt, riecht in der Tat nach viel Geld. Dabei stehen weder das verworrene Libretto mit seiner abgeho­benen Handlung noch die routi­niert gestrickte Kompo­sition oder gar die bescheidene Regie­leistung im Fokus des Inter­esses, sondern die Verwendung von 3D-Techniken für die Bühnen­bild­ge­staltung, die zukunfts­weisend sein könnte. Noch dazu in der hochauf­lö­senden 4k2k-Version auf dem neuesten techni­schen Stand, der verblüf­fende dreidi­men­sionale Effekte in gesto­chener Schärfe auch in den riesigen Dimen­sionen einer Opern­bühne ermöglicht.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Es sind dann tatsächlich die Bilder mit ihren Waldland­schaften, deren Äste einen die Nase zu kitzeln scheinen oder Wasser­tropfen aus explo­die­renden Tümpeln, die einem ins Gesicht zu spitzen drohen, die faszi­nieren. Ganz zu schweigen von den Möglich­keiten, die Bilder effektvoll zu animieren und zu verfremden sowie die Grenzen zwischen live agierenden und gefilmten Darstellern einzu­reißen. Dass manches wie aus der Filmfabrik Holly­woods anmutet, muss kein Nachteil sein. Zumal auch einfache Bühnen­bilder wie eine schlichte Stube durch die Technik effekt­volle Modifi­ka­tionen erfahren kann. Die Möglich­keiten sind unbegrenzt. Sie sinnvoll einzu­setzen, das bleibt Aufgabe des szeni­schen Teams.

So entsteht eine im positiven Sinn verwir­rende optische Reali­sierung, der ein nicht minder verwir­rendes, aller­dings erheblich weniger elektri­sie­rendes Werk gegen­über­steht. Die Handlung um die Suche nach einem verschwun­denen IT-Spezia­listen wird durch etliche Neben­stränge regel­recht verknotet. Immer mehr Figuren verschwinden und tauchen später in einem Wunder­garten mit einem senkrecht angelegten Teich auf. Lebendige Hologramme täuschen immer wieder über die inhalt­liche Konfusion hinweg.

Foto © Michel van der Aa

Das Libretto von David Mitchell besteht aus ausge­dehnten, zumindest in der deutschen Übersetzung oft hölzernen Dialogen, die wenig Raum für eine spannende Regie bieten, so dass der theatra­lische Anteil sehr bescheiden bleibt. Die durchweg hervor­ra­genden Sänger, sowohl live als auch im Film, müssen sich mit rezita­tiv­ähn­lichen, gleichwohl schwierig zu singenden Passagen begnügen und die von der Amsterdam Sinfo­nietta unter Leitung von André de Ridder vorbildlich in Klang gesetzte Partitur arbeitet mit mehr oder weniger geschickt arran­gierten Geräu­schen, Klang­bändern und dynami­schen Entwick­lungen, die ab und zu Quali­täten einer stimmungs­be­tonten Film-Musik erahnen lassen.

Fünf Sänger und sechs Schau­spieler leisten allesamt ihr Bestes. Den Ton geben aber die Techniker an, die mit diesem Werk sensa­tio­nelle Effekte erzielen, die freilich die Substanz­armut des gesamten Werks auch nicht auffangen können. Ein Fazit, das auch seine guten Seiten hat: So virtuos die technische Maschi­nerie auch einge­setzt wird. Die Grund­vor­aus­set­zungen einer guten Theater­pro­duktion müssen nach wie vor die Kompo­nisten, Libret­tisten, Regis­seure und Inter­preten erfüllen.

Es ist aber zu hoffen, dass mit dieser Pionier­arbeit manche Weiche für die Bühnen­bild­nerei der Zukunft gestellt werden könnte. Im Augen­blick zwar noch mit immensem finan­zi­ellen Aufwand, was sich aber schnell ändern kann.

Begeis­terter Beifall für die deutsche Erstauf­führung eines eigen­wil­ligen Beitrags zum Musik­theater, der seit seiner Urauf­führung im Jahre 2013 schon in vielen europäi­schen und ameri­ka­ni­schen Städten Aufsehen erregte.

Pedro Obiera

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