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Foto © Marie Laforge

Im Reich der Fantasie

WUNDERLAND
(Anno Schreier)

Besuch am
13. Juni 2019
(Premiere)

 

Folkwang-Univer­sität der Künste, Pina-Bausch-Theater, Essen

Seit einem Jahrzehnt heißt die Alte Aula auf dem Campus Essen-Werden der Folkwang-Univer­sität der Künste Pina-Bausch-Theater. Nach dem Tod der Choreo­grafin am 30. Juni 2009 entschied die Hochschule, die Alte Aula am 12. Oktober desselben Jahres umzube­nennen. Sie würdigte damit nicht nur eine Tänzerin, die der Insti­tution mehr als 50 Jahre lang als Lernende und Lehrende verbunden war, sondern auch eine Person, die sich 1988 mit für den Erhalt der Alten Aula einge­setzt hatte. Denn in diesem Jahr sollte der Preußen­flügel inmitten des Barock­ensembles abgerissen werden. Heute liegt der schmucklose Bau weißglänzend im milden Abend­licht. Im Hochpar­terre ein mit viel Sorgfalt restau­riertes Foyer, schmucklos und funktional. Einzig ein Porträt von Pina Bausch schmückt die geweißten Wände. Ein paar Raumbe­le­gungs­pläne deuten auf den univer­si­tären Betrieb hin. Von dort aus führt eine Treppe in das Oberge­schoss, in dem der Theatersaal liegt. Profes­sionell ausge­stattet, muss eine Tanzauf­führung hier das reinste Vergnügen sein.

Auch an diesem Abend wird getanzt. Denn im Rahmen der Reihe opera! Sommer­Werk­Statt Musik­theater führt die Folkwang-Uni Wunderland auf – einen „Songzyklus“ von Anno Schreier. 2013 in den Kammer­spielen des Mainfranken-Theaters Würzburg urauf­ge­führt, verwebt Librettist Alexander Jansen Episoden aus dem Buch Alice im Wunderland von Lewis Carroll und dessen Nachfolger Alice hinter den Spiegeln zu einem rund einstün­digen Werk, aus dem Schreier musika­lisch eine Einheit formt. So ist ein Stück entstanden, das nicht nur die Fantasie von Kindern wachruft.

Foto © Marie Laforge

Um Wunderland zu insze­nieren, wurde Susanne Frey als freischaf­fende Regis­seurin einge­laden. Sie wählt nicht den offen­sicht­lichen Zugang, der mindestens 18 Rollen erfor­derte, um all die Fanta­sie­ge­stalten der Romane auf die Bühne zu befördern, sondern entschließt sich, diese Rollen auf zwei Sänger­dar­steller zu verdichten. Im Mittel­punkt soll die Befind­lichkeit von Alice stehen, also kommt die gleich vier Mal vor: In Gestalt von drei Sänger­dar­stel­le­rinnen und einer Tänzerin. Eine inter­es­sante Idee, die nicht nur funktio­niert, sondern vor allem auch sänge­risch erheblich vielschich­tiger wird, ohne dass die Insze­nierung an Verve verliert. Marco Sommerer ist für die Ausstattung zuständig und setzt diese Idee konse­quent um. Vor und im Hinter­grund der Bühne sind Gaze-Vorhänge angebracht, die die Projektion der Videos von Yassin Adoptante ermög­lichen. Am linken Bühnenrand finden die Musiker ein wenig Platz. Am rechten Bühnenrand ist die Garderobe für die beiden Menschen aufgebaut, die permanent in andere Rollen schlüpfen müssen. Die Rollen werden durch Acces­soires sinngebend angedeutet. Die Alice-Darstel­le­rinnen treten klischeehaft in weißen Spitzen­blusen und bunten Sommer­röcken auf. Ein klitze­kleiner Wermuts­tropfen. Hier hätte man sich die gleiche Fantasie wie für die Protago­nisten der übrigen Rollen gewünscht. Aber so etwas lässt sich ja durch Spiel­freude ausgleichen.

Damit können alle Darsteller glänzen. Angefangen bei der Tänzerin Valentina Restrepo, die als erste auftritt und die Vorge­schichte vor dem Vorhang mit Hilfe eines Buches und eines selbst­ge­fal­teten Papier­böt­chens erzählt. In der Folge bringt sie sich in ihrem Metier sehr gut ein, bekommt aber zu wenig choreo­gra­fische Unter­stützung. Die drei Alice-Darstel­le­rinnen Elisa Birken­heier, Kejti Kara und Antonia Busse, allesamt bei Rachel Robins im Unter­richt, überzeugen stimmlich wie darstel­le­risch. Alina Grzeschik gefällt vor allem in ihrer Spiel­freude als Weißes Kaninchen, Walross, Dideldei, Herzogin, Grinse­katze und so weiter. Jungba­riton Robin Grunewald sorgt ebenfalls für viel Freude. Als Schacht, kleine Flasche, Kuchen, Dideldum und so weiter muss er auch die zweideu­tigen Bemer­kungen über die Eigen­schaften seines Schwanzes als Maus in aller Ernst­haf­tigkeit inter­pre­tieren. Als Smart­phone-Video beim Stamm­tisch gezeigt, gäbe es hier vermutlich viel Grölen. So hält es sich mit einigen Lachern während der Aufführung in Grenzen. Insgesamt sind die Anfor­de­rungen an die Nachwuchs-Sänger eher niedrig gehalten. Da bleibt für Profi­lierung kaum Platz. Aber den Besuchern – darunter auffallend wenig Kommi­li­tonen und viele ältere Jahrgänge – gefällt die perfekte sänge­rische Leistung.

Musika­lisch hat Lothar Wetzel alles bestens im Griff. Die Balance zwischen Sängern und Instru­men­ta­listen ist hervor­ragend. Konstantin Werner spielt als auswär­tiger Gast die Klari­netten-Passagen wunderbar heraus. Am Schlagzeug bewährt sich Jingye Xue aus der Klasse von Michael Pattmann. Das Akkordeon bleibt eher im Hinter­grund. Hier zeigt Mihajlo Milośev aus der Klasse von Mie Miki seine Fähig­keiten. Und den Bass spielt Jiajing Lan aus der Klasse von Niek de Groot. Anno Schreier, an diesem Abend ebenfalls anwesend, ist beglückt über die musika­lische Leistung der Instru­men­ta­listen wie der Sänger.

Langan­hal­tender, herzlicher Applaus im bis auf den letzten Platz besetzten Saal bestätigt den Eindruck, dass hier die Premiere eines wunderbar fanta­sie­vollen, abwechs­lungs­reichen, kurzwei­ligen und perfekt durch­ge­führten Musik­theater-Abends über die Bühne gegangen ist.  Wer sich auch einmal verzaubern lassen möchte, hat dazu am Freitag und Samstag noch Gelegenheit.

Michael S. Zerban

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