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DIE ZAUBERFLÖTE
(Wolfgang Amadeus Mozart)
Besuch am
1. Dezember 2019
(Premiere am 25. Oktober 2003)
Seit 16 Jahren steht die Inszenierung von Ezio Toffolutti auf dem Spielplan und lockt die Zuschauer zahlreich in das Aalto-Theater. So auch am ersten Advent, an dem viele Familien den Sonntag nutzen und gleich auch noch Freunde ihrer Kinder mitgebracht haben. Vom Enkel bis zur Oma findet man jedes Alter auf den Sitzplätzen. Der Geräuschpegel des Publikums übertönt mühelos das Einfiedeln des Orchesters. Kaum aber beginnt die Vorstellung, kehrt gespannte Ruhe ein. Da ist sogar ein einsam Mitsummender besser zu hören als die Kinder, die sich ab und an mal mit dem Nachbarn austauschen.
Die Regiearbeit von Toffolutti, der auch für die umfangreiche Ausstattung verantwortlich ist, ist allerdings auch sehr familienfreundlich und beginnt beim im Bett liegenden Tamino. Der träumt sich offensichtlich drei bestrapste Damen als seine Retterinnen herbei, die ihn vor der Schlange retten, die etwas zu auffällig an seinen Fuß gebunden ist. Von da an nimmt das Geschehen ganz klassisch seinen Lauf, und Taminos Schlafzimmer gerät immer wieder aus den Fugen. Da wird alles von quirligen Statisten bis zu Versenkungen alles aufgeboten, was man für eine tempo- und abwechslungsreiche Inszenierung braucht. In den Kostümen mischen sich Moderne und Rokoko, von der kühl-silbernen Königin der Nacht bis zum grün-gelben Papageno sind die Farben sehr gut eingesetzt.

Carolin Steffen-Maaß hat mit den Sängern den Unterhaltungswert der Produktion herausgearbeitet, und obwohl die Dialoge aus Schikaneders Feder nahezu ungekürzt wiedergeben werden, kommt keine Sekunde Langeweile auf. Das liegt natürlich auch den Sängern. Dabei kann die reine technische Seite des Gesangs nicht immer mit dem Unterhaltungswert mithalten. Dass der Abend nur mit Hilfe von drei Einspringern absolviert werden kann, fällt da kaum auf. So gehört die Krone des nahezu perfekten Mozart-Gesangs Maartje Rammeloo in der Rolle der Pamina. Auch der starke Tijl Faveyts lässt als Sarastro keine Wünsche offen. Dem sympathischen Martijn Cornet gelingt das Kunststück, den Papageno zwischen Entertainment, Ernsthaftigkeit und schönem Gesang anzusiedeln. Ebenfalls als Einspringer nimmt Christian Georg mit schönem Tenor-Timbre für sich ein. Der stimmlich etwas leichtgewichtigen Emma Posman gelingt vor allem die erste Arie der Königin der Nacht sehr gut, inklusive der absolut klaren Pfeifstimme. Für ihren rachsüchtigen Ausbruch im zweiten Akt fehlt es ihr dann etwas an Dramatik. Viel zu oft neben der Bühne postiert bleibt der Chor, einstudiert von Patrick Jasolka, oft zu vage. In den Finali ist er allerdings schön präsent.
Mozart-Musik, die Essener Philharmoniker und Johannes Witt – das passte schon bei Così fan tutte sehr gut zusammen und nun auch bei der Zauberflöte. Aus dem transparenten Klangbild hört man viele Details heraus und vor allem diese schöne goldene Farbe der Musik. Präzise und schön ausgewogen präsentiert sich das Orchester als guter Begleiter, ist aber manchmal eine Spur in der Routine verhaftet. Da kann Witt noch so viele Zeichen geben. Er lässt flüssig die Musik herunterperlen und koordiniert Bühne und Graben sehr harmonisch miteinander.
Ein wirklich unterhaltsamer und lohnender Abend im Aalto Theater geht nicht nur mit lautem und langem Beifall zu Ende. Dank des gemischten Publikums ist mal richtig Stimmung im Haus.
Rebecca Hoffmann