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WANDERER
(Hannah Ma)
Besuch am
3. November 2017
(Einmalige Aufführung)
Ein Tanztheaterstück über Heimat, Identität und die Suche nach dem Selbst“, so beschreibt die Choreografin Hannah Ma ihre neueste Kreation Wanderer, die sie jetzt mit dem internationalen Tanzensemble The People United im Kulturzentrum Alter Schlachthof in Eupen vorstellt. Eine Wanderung, die Grenzen überschreiten muss und soll. Die Besetzung des siebenköpfigen Ensembles mit Tänzern aus Syrien, Deutschland, Luxemburg, Italien, Irland, China und Brasilien ist deshalb nicht nur als zufällig zu bewerten, sondern gehört in ihrer Buntscheckigkeit zum künstlerischen Konzept.
Gemeinsamkeiten in der Andersartigkeit der Völker und Kulturen zu entdecken, ohne die eigene Identität aufzugeben: Dass solche Ziele in der Realität, selbst innerhalb eines einzigen, relativ kleinen Kontinents wie Europa, schwer zu realisieren ist, zeigt sich an der Konfliktfülle unserer Tage.
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Im Theater lässt sich mit diesem Problem kreativer umgehen. Und es ist faszinierend, wie sich in den neun Stationen des Stücks die bereits äußerlich extrem unterschiedlichen Darsteller auch tänzerisch individuell ausdrücken. Etwa mit afro-südamerikanischem Impuls der Brasilianer, mit fast klassischen Elementen die Europäer. Es gibt Reibungsflächen, wenn die Kulturen aufeinandertreffen, und es bedarf eines langen Reifeprozesses, um zueinanderzufinden. Das gelingt nach fantasievollen Beiträgen in unterschiedlichen Besetzungen im letzten Bild, wenn sich alle Tänzer in urwüchsige, exotischen Urvölkern entwachsene, in urtümliche Stroh-Kostüme gehüllte Wesen einer bereits vergangenen Kultur verwandeln, sich in rhythmisch impulsiven Stammestänzen von gewaltiger, stampfender Energie einander annähern und schließlich zu einem harmonischen Reigen, Hand in Hand, gelangen.
Eine auf den ersten Blick vielleicht etwas naiv anmutende Utopie, die allerdings durch die Strenge der Ausführung und die wuchtige Musik ihre Unschuld verliert. Ob Harmonie als Vision eines dauerhaften und globalen Friedens wohl ein Traum bleiben wird? Die Antwort auf diese Frage lässt Hannah Ma offen.
So eindrucksvoll sich die Tänzer präsentieren, die musikalische Untermalung schafft eine insgesamt zu eintönige elektronische Klangkulisse, die den sozialen Harmonisierungsprozess zwar nicht stört, aber auch nicht fördert und in ihrer Neutralität recht willkürlich wirkt.
Dennoch ein bemerkenswertes Zeugnis zum Thema kultureller Identität. Langanhaltender Beifall für alle Beteiligten.
Pedro Obiera