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LA FANCIULLA DEL WEST
(Giacomo Puccini)
Besuch am
26. März 2019
(Premiere am 3. März 2019)
München hat ein neues Traumpaar. Lange Jahre pilgerten die Münchner Opernfreunde zu Anja Harteros und Lokalmatador Jonas Kaufmann, die neben Richard Wagners Lohengrin besonders in den Neuinszenierungen von Giuseppe Verdi triumphierten.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Nunmehr überzeugen und singen sich Anja Kampe als Minnie und Brandon Jovanovich als Dick Johnson in die Herzen des Publikums. In Puccinis reifer Oper La Fanciulla del West finden beide Sänger ihren persönlichen Zugang und Identifikation mit den Rollen der spröden Barbesitzerin im Goldgräberlager, die ihren weichen Kern in der Liebe zu dem gejagten Banditen wider Willen zeigt, den der junge Amerikaner männlich locker mimt. Anja Kampe ist in München bereits bekannt und präsentiert sich hier bestens für das italienische Fach geeignet. Sowohl Dramatik als auch Lyrik kann sie in ihrem dunkelgefärbten Sopran reizvoll gestalten. Die Höhen kommen, ohne gepresst zu wirken. Arien oder Ohrwürmer fehlen in diesem Werk von Puccini, das er selbst als seine beste Oper bezeichnete. Viel farbliches Kolorit aus der neuen Welt hat er für dieses Auftragswerk der Metropolitan Oper New York verarbeitet, die Handlung spielt zur Gänze in Kalifornien. Die Uraufführung unter der Leitung von Arturo Toscanini 1910 wurde ein großer Erfolg. In Montana im Mittleren Westen geboren, ist der junge Tenor mit dem Rollenbild eines Westernhelden im Heimvorteil. Im langen Ledermantel, mutig und am Ende ehrenhaft, überzeugt er vor allem aber mit seinem kräftigen Tenor, in der Mittellage samten, in der Höhe präsent und vollmundig. Zusammen verschmelzen die beiden inniglich in veristischen Liebesduetten.

John Lundgren steht den beiden als der unbarmherzige selbstgefällige Sheriff gegenüber, der versucht, die Gunst von Minnie zu erwirken und in Eifersucht verfällt. Mit Glatze und Uniform wird seine Autorität und Machtposition neben seiner satten starken Baritonstimme unterstrichen. Weiters überzeugen Tim Kuypers als Sonora, Alexander Milev als Sid und Balint Szabo als Ashby.
Andreas Dresen hat sich in seiner Inszenierung für eine minimalistische Bühnenausstattung durch Mathias Fischer-Dieskau entschieden. Im ersten Akt gibt es nur einen Tresen, ein paar Kisten als Sitzgelegenheiten und eine Treppe, die aus der Bar in das mit Stacheldraht umzäunte Lager führt. Eng ist die Hütte von Minnie, ein paar Einrichtungsgegenstände sind auf einem kleinen Podest in der Mitte der Bühne hell ausgeleuchtet. Leer bleibt es wieder im dritten Akt. Dafür erarbeitet Dresen eine bewegungsreiche Personenregie, die sich gut der Handlung anpasst und nicht überzogen wirkt. Gut spiegelt er die äußeren Stimmungen und persönlichen Beschwerden der vielen einzelnen Rollen wider. Unaufdringlich wirken seine Massenszenen, in denen der wie immer durch Stellario Fagone gut vorbereitete Chor voll integriert ist. Sabine Greunig steckt die Goldgräber in moderne, strapazierbare Arbeiterkleidung, die auch in manche Magazine für Freizeitkleidung passt.
Die musikalische Leitung obliegt ebenfalls einem Amerikaner. James Gaffigan hat bereits an vielen europäischen Bühnen erfolgreich dirigiert und stellt sein Können auch hier unter Beweis. Mit größter Eindringlichkeit fordert er jeden Musiker, für die Sänger legt er immer wieder seinen Stab zur Seite und führt sie gestenreich durch die Partie. Jeder Note widmet er Aufmerksamkeit. Farbenreich entwickelt er viele Nuancen, spielt mit den Tempi und Lautstärken und lässt die Spannung nie sinken.
Große Oper, und das selten gespielte Werk von Puccini wirkt für die Zuhörer wie neuentdeckt. Ausgiebiger Beifall mit lautstarken Bravos für Dirigent und Solisten am Ende ist zurecht verdient.
Helmut Pitsch