O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Dankgebet nach überstandener Krise

CURLEW RIVER
(Benjamin Britten)

Besuch am
27. August 2021
(Premiere)

 

Musik­theater im Revier Gelsen­kirchen, St.-Georgs-Kirche

Bei der Ruhrtri­ennale war es mit Gisèle Viennes Der Teich die bis dahin kleinste und äußerlich unspek­ta­ku­lärste Produktion, die mit ihrer konzen­trierten, entschleu­nigten und perfekten Ausführung die nachhal­tigsten Eindrücke hinterließ. Auch das Gelsen­kir­chener Musik­theater im Revier startet nicht mit einem effekt­vollen Opern-Reißer, sondern mit einer intro­ver­tierten, sparsam besetzten Kurzoper, die mit ihrer religiösen Botschaft wie eine Fürbitte oder ein Dankes­gebet nach einer überstan­denen Krise wirkt. So präsen­tiert sich Benjamin Brittens Kirchen­pa­rabel Curlew River zumindest in der Gelsen­kir­chener Insze­nierung von Carsten Kirchmeier, für die man eigens in die St. Georgs-Kirche umgezogen ist.

Foto © Björn Hickmann

Dass sich Britten für das 1964 urauf­ge­führte Werk von ritua­li­sierten Formen des japani­schen Nô-Theaters inspi­rieren ließ und eine Verknüpfung mit christ­lichen Myste­ri­en­spielen anstrebte, inter­es­siert das szenische Team freilich weniger. Zu sehen ist eine eindeutig christlich akzen­tu­ierte Legende auf der Basis einer jahrhun­der­te­alten japani­schen Geschichte. Eine vor Verzweiflung in den Wahnsinn getriebene Mutter sucht nach ihrem vor einem Jahr von einem Sklaven­händler verschleppten Sohn. Sie bittet einen Fährmann, sie an das andere Ufer des Curlew River zu setzen. Dort wird ein verstor­benes Kind verehrt, dem man heilende Wunder­kräfte nachsagt. Die Mutter erkennt darin ihren Sohn, dessen Stimme aus dem Jenseits Hoffnung und Heil verkündet.

Ein Männerchor in Mönchs­kutten eröffnet das Spiel mit einem grego­ria­ni­schen Choral. Sowohl das mit sieben Musikern sparsam besetzte Orchester als auch die auf vier Sänger beschränkte Besetzung deuten bereits Brittens Absicht an, mit extrem reduzierten Ausdrucks­mitteln ein Maximum an inspi­rierter Wirkung zu erzielen. Drama­tische theatra­lische Effekte spielen keine Rolle. Man agiert konzen­triert, nahezu statisch in entschleu­nigtem Tempo und die Regie bleibt dem Libretto eng verhaftet. Auf aktua­li­sie­rende Ambitionen oder auf Origi­na­lität getrimmte Effekte verzichten Carsten Kirchmeier und Kostüm­bild­nerin Karin Gottschalk konse­quent. Das trägt durchaus die 75-minütige Spiel­dauer, auch wenn der verhei­ßungs­volle Schluss in dieser Machart wie von einer leicht frömmelnden und betulichen Patina überzogen wirkt.

Peter Kattermann hält die Musiker der Neuen Philhar­monie Westfalen stark zurück, so dass die Solisten ihre am Wortrhythmus orien­tierten und melodisch eher spröden Beiträge mühelos in den Kirchenraum tragen können. Aller­dings kommt es aufgrund der halligen Akustik und der recht weiten Abstände zu Abstim­mungs­pro­blemen zwischen Orchester und Sängern. Sehr markant präsen­tieren sich Petro Ostapenko als Fährmann und Urban Malmberg als Reisender. Für die „Verrückte“ hat Britten einen Tenor vorge­sehen. Adam Temple-Smith bewältigt seinen Part zwar vorbildlich, verfügt aber über einen baritonal gefärbten, also recht „männlichen“ Tenor. Die Kinder­stimme aus dem Jenseits ist bei Dongmin Lee gut aufge­hoben, auch wenn ein Knaben­sopran angemes­sener wäre. Dass Michael Heine den Abt mit Hygiene-Maske singt, ist befremdlich, stört aber nicht weiter. Der nicht immer sauber intonie­rende Herrenchor des Musik­theaters rundet den musika­lisch insgesamt vorzüg­lichen Eindruck ab.

Viel Beifall für eine kleine, stille, behutsam insze­nierte Produktion. Als Fürbitte für bessere Zeiten kein unpas­sender Einstieg in die neue Saison.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: