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Foto © Pedro Malinowski

Der „Fliegende Quacksalber“

L’ELISIR D’AMORE
(Gaetano Donizetti)

Besuch am
5. Mai 2018
(Premiere)

 

Musik­theater im Revier, Gelsenkirchen

Nach einer äußerst anspruchs­vollen Saison gönnt das Musik­theater im Revier seinem Publikum im letzten Drittel der Spielzeit mit einer Schost­a­ko­witsch-Revue, dem Musical Jesus Christ Superstar und ab jetzt auch Gaetano Donizettis Komischer Oper L’Elisir d’amore – Der Liebes­trank – eine üppige Erholungs­phase. Anspruchslos ist Donizettis beliebtes Werk freilich auch nicht. Sowohl, was das feinsinnige Libretto in Anlehnung an ein Erfolgs­stück des franzö­si­schen Libret­tisten Eugene Scribe angeht und erst recht, was die musika­li­schen Ansprüche betrifft, die denen der großen Tragödien Donizettis in nichts nachstehen.

Die musika­lische Qualität der nicht ganz so neuen Produktion kann sich auf ganzer Länge hören lassen und verbreitet ungetrübtes Vergnügen. Intendant Michael Schulz führt selbst Regie und greift auf eine Arbeit für die Dresdner Semperoper aus dem Jahre 2012 zurück. Und hier stimmt die Balance zwischen sensiblem Esprit und polterndem Klamauk nicht immer. Dass hinter der auf den ersten Blick komischen Fassade im Grunde eine traurige Liebes­ge­schichte steht, in der sich die Menschen gegen­seitig täuschen und täuschen lassen, demütigen und missver­stehen und nicht in der Lage sind, ihre wahren Gefühle ehrlich einzu­ge­stehen, das arbeitet Schulz ansatz­weise und teilweise auch feinfühlig in einigen Szenen aus, aber leider nicht konse­quent genug. Immer wieder übertünchen polternde Gags aus der Klamot­ten­kiste die Einblicke in Seelen­land­schaften, die sich im Lauf des Stücks verändern. Dass die Figuren nicht stereotyp angelegt sind, sondern an Einsicht und Reife gewinnen, das hebt den Liebes­trank schließlich aus der Menge eindi­men­sio­naler Komischer Opern heraus.

Deshalb wirkt auch die berühmte und todernste Tenor-Arie Una furtiva lagrima nur als Fremd­körper, wenn die psychi­schen Entwick­lungen nicht wahrge­nommen werden. Das kann man Schulz zwar nicht pauschal vorwerfen, aber die Kalauer-Parade, die sich die Soldaten-Truppe des aufge­bla­senen Sergeanten Belcore leistet, verstellt immer wieder den Blick auf die zentralen Fassetten des Werks.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Das schlägt sich in erster Linie in der unschlüs­sigen Charak­te­ri­sierung der zentralen Figuren nieder. Vor allem in der Darstellung des von Liebes­qualen und Selbst­zweifeln geplagten Nemorino, dessen tiefer innerer Schmerz wiederholt karikiert anstatt ernst­ge­nommen wird. Das betrifft auch dessen Geliebte Adina, die zu oft in die oberfläch­liche Rolle einer koketten Zicke gedrängt wird. Immerhin bleibt der Quack­salber Dulcamara von übertrie­benen Überzeich­nungen verschont.

Dem Kammer­spiel­cha­rakter der Oper wider­sprechen auch die monumen­talen, offen­sichtlich für die Semperoper dimen­sio­nierten Bühnen­bauten. Eine riesige Schänke füllt den Raum und Dulcamara fährt auf einem geradezu bombas­ti­schen Schiff in die Gaststätte ein. Ein Schiff mit Ausnahmen, von denen der Fliegende Holländer in modernen Insze­nie­rungen nur träumen kann.

Foto © Pedro Malinowski

Derartige Ungereimt­heiten können den hervor­ra­genden musika­li­schen Eindruck freilich nur unwesentlich schmälern. Dafür verströmt Donizetti belcan­tis­ti­schen Süßstoff in zu reicher Fülle und dem passt sich das in hervor­ra­gender Form aufspie­lende Ensemble nahtlos an.

Kapell­meister Thomas Rimes holt zwar nicht das letzte Quäntchen an kammer­mu­si­ka­li­scher Delika­tesse aus der Partitur, sorgt mit der Neuen Philhar­monie Westfalen aber für ein klang­schönes, stilis­tisch angemes­senes Fundament, dem das Gesangs­en­semble vertrauen kann. Aus dem Ensemble sticht das Liebespaar, wie es sich gehört, eindeutig heraus. Grandios bewältigt Ibrahim Yesilay als Nemorino die Tücken der diffe­ren­ziert angelegten Tenor-Partie. In dieser Rolle bleibt er vokalen Schmelz ebenso wenig schuldig wie tenorale Strahl­kraft. Und das alles getragen von müheloser und in keinem Ton forcierter Noblesse.

Dongmin Lee als Adina gefällt durch ihre geschmeidige, ebenfalls mühelos anspre­chende Stimme, die zwar noch stark dem Soubrett­enfach verhaftet ist, aber die inneren Wandlungen der Figur fasset­ten­reich zum Ausdruck bringen und auch noch durch perfekte Kolora­tur­künste begeistern kann.

Etwas gedie­gener präsen­tieren sich Michael Dahmen als Sergeant Belcore und Joachim G. Maaß als Quack­salber Dulcamara, die ihre von Donizetti etwas eindi­men­sio­naler angelegten Rollen sauber, ober ohne besondere Meriten gestalten.

Der anfänglich noch etwas ungenau singende Chor gewinnt im Verlauf des Stücks zunehmend an Sicherheit.

Insgesamt eine konzep­tionell nicht ganz schlüssige Insze­nierung auf durchweg hohem musika­li­schem Niveau. Das Publikum hat seine Freude an der Premiere und überschüttet alle Betei­ligten mit begeis­tertem Beifall.

Pedro Obiera

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