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Märchen ohne Happy Ends

IOLANTA/​LE ROSSIGNOL
(Peter Tschai­kowsky, Igor Strawinsky)

Besuch am
24. Februar 2024
(Premiere)

 

Musik­theater im Revier, Gelsenkirchen

Mit zwei musika­li­schen Märchen aus Russland beschert das Musik­theater im Revier seinem Publikum einen ungewöhnlich intro­ver­tierten Opern­abend ohne drama­tische Knall­ef­fekte. Sehr zum Wohlge­fallen der Premieren-Gäste im voll besetzten Großen Haus. Beide Werke, Peter Tschai­kowskys letzte Oper Iolanta aus dem Jahre 1891 und Igor Strawinskys 23 Jahre jüngere Kurzoper Le Rossignol – die Nachtigall – nach Andersens beliebtem Märchen leben von ihrer poeti­schen, alles andere als opern­haften und für einen relativ kurzen Abend ausrei­chenden Ausdrucks­kraft. Den Happy Ends der Stücke misstrauen aller­dings beide Regisseurinnen.

Foto © Pedro Malinowski

Tschai­kowskys Iolanta, die Geschichte der blinden Prinzessin, die von ihrem Vater isoliert wird, um ihre Blindheit nicht wahrnehmen zu müssen, gewinnt durch die Kraft der Liebe ihre Sehkraft, erkennt die Schönheit der Welt und stimmt ein mächtiges Gotteslob in strah­lendem Dur an. Ein legen­den­haftes Ende, das durch die bewusst unspek­ta­kulär verhaltene Tonsprache Tschai­kowskys naiver Frömmelei entgeht. Besonders bühnen­wirksam ist das nicht und die Regis­seurin Tanyel Sahika Bakir versucht, die 80-minütige Elegie durch fragwürdige Umdeu­tungen aufzu­peppen. So handelt der Vater bei ihr nicht aus Liebe zu seiner Tochter, sondern aus dem egois­ti­schen Trieb heraus, sie unter Kontrolle halten zu können, so dass sich letztlich der König und der erlösende Liebhaber zum Pisto­len­duell gegen­über­stehen. Sinnvoller wäre es, Iolanta nicht in einem Pflan­zen­di­ckicht zu verbergen, sondern ihre Gefühle auch szenisch profi­lierter zum Ausdruck kommen zu lassen. Das gelingt der Sopra­nistin Heejin Kim immerhin gesanglich auf hohem Niveau, wobei Khanyiso Gwenxane in der Rolle ihres Liebhabers seinen Tenor nicht immer bruchlos zu führen vermag. Im Gegensatz zum markanten Bass von Luciano Batinić als König und dem kraft­vollen Bariton von Simon Stricker als Robert.

Auch Kristina Franz lässt in ihrer Insze­nierung Strawinskys Märchen von der Nachtigall, die, im Unter­schied zu einem mecha­ni­schen Automaten, mit ihrem von Herzen kommenden und zum Herzen gehenden Gesang den Tod überwinden kann, skeptisch und nicht eupho­risch enden. Die straffe Drama­turgie, die pointierte Tonsprache Strawinskys und die scharf profi­lierten Charaktere bieten bessere Voraus­set­zungen für eine spannende szenische Umsetzung als Tschai­kowskys Vorlage. Das schlägt sich in Gelsen­kirchen vor allem in der überra­genden Leistung der Kolora­tur­akro­batin Lisa Mostin in der Titel­rolle und den von Jonathan Gentil­homme kreierten eindrucks­vollen, als Todes­al­le­gorien drapierten Puppen nieder. Urban Malmberg verkörpert den König mit Würde und tragi­schen Untertönen.

Die stilis­tisch flexibel schil­lernde Partitur Strawinskys bringt Rasmus Baumann am Pult der Neuen Philhar­monie Westfalen ebenso plastisch zum Klingen wie die dunkleren, melan­cho­lisch einge­färbten Töne Tschaikowskys.

Begeis­terter Beifall für alle Mitwir­kenden, auch für den Chor des Musik­theaters und Bühnen­bild­nerin Julia Schnittger.

Pedro Obiera

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