O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Pedro Malinowski

Zweifelnder Christus

JESUS CHRIST SUPERSTAR
(Andrew Lloyd Webber)

Besuch am
25. Dezember 2017
(Premiere am 23. Dezember 2017)

 

Musik­theater im Revier, Gelsenkirchen

Man mag viele der späteren Erfolgs-Musicals von Andrew Lloyd Webber, von Evita bis School of Rock, als kommer­ziell ausge­richtete Konfek­ti­onsware abtun. Seiner Ausein­an­der­setzung mit der Passi­ons­ge­schichte, die unter dem Titel Jesus Christ Superstar 1971 aus der Taufe gehoben wurde, täte man damit Unrecht. Zusammen mit seinem Texter Tim Rice ist ihm ein Werk von erstaun­licher Refle­xi­ons­tiefe und einer musika­li­schen Frische ohne jeden senti­mental-kitschigen Anstrich gelungen. Wenn man das ebenso berüh­rende wie mitrei­ßende Werk in einer so seriösen und handwerklich nahezu perfekten Darstellung wie jetzt am Gelsen­kir­chener Musik­theater im Revier erleben darf, verdient es einen Ehren­platz in der quali­tativ nicht gerade prall gefüllten Galerie exzel­lenter Musicals.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Oberfläch­lichkeit im Umgang mit dem auf den ersten Blick für ein Musical untaug­lichen Stoff kann man Lloyd Webber und Tim Rice wirklich nicht vorwerfen. Aus der Sicht von Judas Iscariot erleben wir einen Messias und eine Gefolg­schaft, die an ihrer Bestimmung zweifeln und damit die religi­ons­kri­tische Einstellung der 1968-er Jahre hinter­gründig reflek­tieren. Auch die Verführ­barkeit und Verläss­lichkeit der Menge wird argwöh­nisch betrachtet und der medien­wirksame Hype um den Erlöser nach seinem spekta­ku­lären „Abgang“ am Kreuz erst recht. Lloyd Webber kleidet das Thema in eine Musik von stilis­ti­scher Vielfalt und Frische, die in keinem Takt senti­mentale Larmoyanz oder anbie­dernde Einfalt verströmt. Rockige Töne, expressive Balladen, sanfte Arien und aufheizte Tanzrhythmen beherr­schen die Partitur, die Heribert Feckler in Gelsen­kirchen noch dezent mit grego­ria­ni­schen und anderen klassi­schen Sentenzen mischt und mit seiner Band perfekt umsetzt.

Foto © Pedro Malinowski

Intendant Michael Schulz, der sich im Oktober noch mit Hinde­miths Mathis der Maler einem religiösen Thema von einer ganz anderen Seite näherte, insze­niert das Musical mit dem Ernst und der Präzision, wie man es von seinen Opern­pro­duk­tionen gewohnt ist. Und zwar so, dass die von Paul Kribbe glänzend choreo­gra­fierten Tanzein­lagen und die teilweise bedroh­lichen Chorszenen ihre Schlag­kraft ungehindert entfalten können. Angesiedelt ist das Ganze in einem leeren Bühnenraum, in dem Kathrin-Susanne Brose mit wenigen Bildern unter­schied­licher Chris­tus­dar­stel­lungen und einigen Versatz­stücken den spezi­fi­schen Charakter der einzelnen Szenen trifft. Umso aufwän­diger ist der Einsatz der Bühnen­technik, die mehrere Ebenen einschließt und durch licht­tech­nische Raffi­nesse begeistert.

Die Figuren werden scharf charak­te­ri­siert, oft im Gegensatz zu landläu­figen Vor- und Darstel­lungen. Judas präsen­tiert sich als verant­wor­tungs­voller, warnender Christ, Petrus als jähzor­niger Fanatiker, Maria Magdalena als selbst­be­wusste Gläubige und Pilatus als wankel­mü­tiger Zyniker. Überzeichnet wird niemand. Allen­falls, das aber mit einer Prise Ironie, Herodes an seinem sadoma­so­chis­tisch angehauchten Hof.

Auch Jesus entspricht nicht dem Bild des zarten, bärtigen Wohltäters. Henrik Wager verkörpert einen athle­ti­schen, glatz­köp­figen, aufbrau­senden Menschen, der sich von der Situation, in die er sich mit seiner Glaubens­ge­mein­schaft gebracht hat, überfordert und letztlich von Gott verlassen fühlt. Am Ende hängt ein Double einsam am Kreuz, während sich der aufer­standene Messias wie ein Volksheld und Medienstar feiern lässt.

Henrik Wager in der Titel­rolle und Serkan Kaya als gleich­wer­tiger Judas gestalten und singen ihre Partien mit bestri­ckender Inten­sität. Nicht weniger der Rest des vielköp­figen Ensembles, aus dem Edward Lee als Pilatus und Theresa Weber als Maria Magdalena hervor­stechen. Desgleichen Chor und Tanz-Ensemble.

Insgesamt eine der besten Musical-Produk­tionen der letzten Jahre, die das Publikum mit recht begeistert feiert.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: