O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Sascha Kreklau

Im Irrgarten von realen und Cyber-Welten

NOPERAS!
(Freedom Collective)

Besuch am
10. Februar 2024
(Urauf­führung)

 

Musik­theater im Revier, Gelsenkirchen

An Ehrgeiz, Fantasie und Engagement mangelt es dem Freedom Collective beileibe nicht, das jetzt im Gelsen­kir­chener Musik­theater seine fünfte Produktion vorstellt und damit vielver­spre­chende Impulse für neue Formate des Musik­theaters aufzeigt. NOperas! nennt sich die 75-minütige Perfor­mance des fünfköp­figen Kollektivs, das mit immensem techni­schem Aufwand eine Szenerie entwirft, in der sich Realität und Cyber-Reality vermischen.

Obwohl man sich mit vier Solo-Partien begnügt, nehmen das Bühnenbild, das Orchester sowie Heerscharen von Statisten und Avatare so viel Raum ein, dass für das Publikum fast nur noch die Tribüne des Kleinen Hauses zur Verfügung steht. Die Handlung kreist um eine Liebes­ge­schichte in einer zukünf­tigen, von Elektronik und Cyber­wesen beherrschten Welt. Libret­tistin Aleksandar Hut Kono verpackt den Kern aller­dings in ein ganzes Paket aktueller Probleme, was die Orien­tierung ein wenig erschwert. Sexuelle Identität, Organ­trans­plan­tation, Drogen­miss­brauch, Fitness-Hysterie, Doping, anonyme Bürokratie und mit Liebes-Storys verwachsene Eifer­süch­te­leien und Rache­pläne bieten viel Stoff für ein relativ knapp dimen­sio­niertes Theater­stück. Fan sucht für ihren Freund Karl, der sich durch Drogen­miss­brauch das Herz zerstört hat, einen Spender, den sie in Andrei zu finden glaubt. Die Ärztin Zsuzsi erklärt sich für die OP bereit, möchte aber zugleich ein neu entwi­ckeltes Präparat erproben, das Karl bei einem Boxkampf mit Andrei zum Sieg verhelfen soll, um damit Förder­gelder des Minis­te­riums zu sichern. Es kommt zu diversen überkreuzten Liaisons, in deren Fahrwasser Fan aus Rache beiden Kämpfern die Droge zukommen lässt. Das Experiment ist damit wertlos und als Andrei dann noch dem „weiblichen Geschlecht“ zugewiesen wird, steigt auch das Minis­terium aus und das Ende bleibt offen.

Foto © Sascha Kreklau

Um die Verwirrung in Grenzen zu halten, haben sich Regisseur Heinrich Horwitz und Ausstat­terin Magdalena Emmerig eine Menge einfallen lassen. Die vier Protago­nisten verharren zunächst auf räumlich weit getrennten Podesten, sind dort wie wilde Tiere angekettet. Hinter drei Podien flimmern bizarre Video-Projek­tionen von Rosa Wernecke über die Leinwände. Dazwi­schen wandeln meist in somnam­buler Trance die Statisten und Avatare. Im Hinter­grund sind etwa zwölf Musiker der Neuen Philhar­monie Westfalen angesiedelt, die unter Leitung von Premil Petrović die „analogen“ Klänge der Partitur von Davor Vincze ausführen.

Schroffe, geräusch­hafte Töne, die durch ausge­dehnte elektro­nische Klang­ku­lissen gemildert und gleich­zeitig ein wenig psyche­de­lisch umsäumt werden. Außerdem sorgen ein paar fetzige Rave-Einlagen für Entspannung. Das alles ist verbunden mit sehr anspruchs­vollen Partien für das Solisten-Quartett. Und das bewältigt die Heraus­for­de­rungen mit bewun­derns­werter Souve­rä­nität. Allesamt sehr jung, gestal­te­risch agil, stimmlich taufrisch und bestens für die geradezu artis­ti­schen vokalen Draht­seilakte vorbe­reitet, wobei Soyoon Lee als Zsuzsi und Yancheng Chen sogar noch dem Opern­studio NRW angehören. Große Talente wie auch die bewährten Ensem­ble­mit­glieder Bele Kumberger als Andrei und Nayun Lea Kim als Fan.

Obwohl die Produktion thema­tisch ein wenig überladen wirkt, ist das innovative Engagement des Freedom Collective ohne Einschränkung zu begrüßen. Und die Förderung durch das NRW-Kultur­se­kre­tariat und der Kunst­stiftung NRW ist ebenso berechtigt wie der Beifall des Publikums.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: