O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Janáček im Märchenwald

DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN
(Leoš Janáček)

Besuch am
16. Dezember 2022
(Premiere)

 

Musik­theater im Revier, Gelsenkirchen

Es ist gewiss eine der schönsten, tiefgrün­digsten und zugleich filigransten musika­li­schen Refle­xionen über die Licht- und Schat­ten­seiten des Lebens, die Wunder und Gefahren der Natur, die Wandlungen der Liebe und nicht zuletzt den Tod. Auf knappe 90 Minuten kompri­miert Leoš Janáček in seiner Oper Das Schlaue Füchslein seine Sicht auf das Werden und Sterben der irdischen Geschöpfe. Auch wenn er, im Gegensatz zur litera­ri­schen Vorlage von Rudolf Těsnohlídek, in seiner Oper das Füchslein Schlaukopf am Ende sterben lässt, wird der Kreislauf des Lebens nicht unter­brochen, sondern durch die Kinder fortge­setzt. Ebenso wenig erstarren die Gefühle des gealterten Försters für seine unerwi­derte Jugend­liebe Terynka, die er in dem Füchslein aufleben lässt.

Es ist ein abgeklärter, gelas­sener und niemals pathe­ti­scher oder drama­tisch überhöhter Ton, der das Werk durch­zieht, in dem der 70-jährige Komponist eigene Erfah­rungen und Befind­lich­keiten ohne Gram einfließen lässt und in magische Klänge von unver­kenn­barer Identität taucht. Dafür lässt er schöne Erinne­rungen an die Fauna und Flora des Waldes mit ihren märchen­haften Licht­spielen erstehen. Gleichwohl ist kein Idyll zu erleben, denn der Überle­bens­kampf beherrscht alle mensch­lichen und tieri­schen Wesen. Und die meisten sind gefangen in realen Ketten wie der Hofhund oder unsicht­baren wie der Förster in seiner verbrauchten Ehe.

Foto © Bettina Stöß

Die Themen und Aspekte sind so vielfältig, dass Intendant Michael Schulz in seiner Insze­nierung am Gelsen­kir­chener Musik­theater im Revier aus dem Vollen schöpfen kann, ohne zu eigenen verkrampften Überin­ter­pre­ta­tionen greifen zu müssen. Er vertraut dem Werk und entfaltet mit viel Fantasie, Bühnen­in­stinkt und handwerk­licher Präzision ein diffe­ren­ziertes Psycho­gramm in der Kulisse eines pitto­resken Märchen­waldes. Dafür verdienen Bühnen­bild­nerin Heike Scheele und Kostüm­bild­nerin Martina Feldmann ein Sonderlob. Es wimmelt von zauber­haftem Getier in origi­nellen Outfits, und die Szenarien verbreiten in ihren halb realis­ti­schen, halb bilder­buch­ar­tigen Bildern eine reizvolle Zwischenwelt zwischen Märchen und Wirklichkeit.

Schulz lässt die Tierparade voller Insekten, Hühner, Dachse und Krähen vital und mit hinter­grün­digem Humor aufspielen und arbeitet die komplexen Bezie­hungen zwischen den Figuren sorgfältig aus. Das betrifft die Liebes­ro­manze zwischen der Titel­heldin und ihrem gleich­ar­tigen Geliebten, mehr noch die proble­ma­tische Beziehung zwischen dem Füchslein und dem Förster. Beide Haupt­rollen sind mit Bele Kumberger und Johannes Martin Kränzle geradezu ideal besetzt.

Kränzle, der inter­na­tional renom­mierte Bariton als Gast, der sich von seiner schweren Krankheit vor acht Jahren so weit erholt hat, dass er mittler­weile in Bayreuth einen der besten Beckmesser der letzten Jahrzehnte verkörpern konnte, bietet eine stimmlich und gestal­te­risch ergrei­fende Darstellung der komplexen Figur. Mit einer feinen Dosis Melan­cholie und einer Menge Alters­weisheit, quasi ein Hans Sachs im Märchenwald. Und Bele Kumberger spielt das lebens­lustige Füchslein mit sprühender Energie und einer Prise Koket­terie souverän aus, stimmlich bewältigt sie die Klippen der Partie mühelos und mit makel­losem Glanz. Die gute Ensem­ble­arbeit am Musik­theater im Revier spiegelt sich in der vorzüg­lichen Besetzung der vielen weiteren Rollen. Und auch der Chor inklusive des Opern­kin­der­chors der Choraka­demie Dortmund trägt wesentlich zum exzel­lenten vokalen Niveau der Aufführung bei.

Nicht minder die Neue Philhar­monie Westfalen, die General­mu­sik­di­rektor Rasmus Baumann zu einem ebenso leucht­kräf­tigen wie sensiblen Spiel animiert, so dass die gesamte Produktion einen Höhepunkt der Saison markiert. Entspre­chend begeistert fällt der Beifall des Premie­ren­pu­blikums aus.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: