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Vor und in den Pausen der Walküre, hat man Gelegenheit, dass frisch renovierte Grand Théâtre de Genève auf sich wirken zu lassen. Schon von außen strahlt das Gebäude von 1879 eine wunderbare Frische aus. Kein Wunder: Die Fassade wurde gesäubert, die an den Eingangstüren platzierten Musen haben Putz erhalten und die weiteren Skulpturen sind restauriert worden. Das komplett renovierte Dach der Oper – eine bessere Energieleistung war das Ziel – ist sogar von dem 1100 Meter hohen Hausberg Mont Salève gut im Häusergewirr der Stadt zu erkennen. Beim Betreten des Hauses ergibt sich durch die kühl und schlicht-elegante Eingangshalle mit dem folgenden Atrium ein schöner Kontrast. Hier wurde mit einer warmen Holzvertäfelung und schönen Strukturmustern gearbeitet. Von der Originaldecke war ein einziges Quadrat übriggeblieben, aus dem das Team um die Architekten Dulon und Ceccarini die ornamentreiche Kassettendecke rekonstruieren konnten. Betritt man vom Atrium den Zuschauerraum, so wird man mit dem nächsten Kontrast überrascht. Denn das Auditorium, das eine leichte Steigung im Parkett, im Rang aber ein richtig starkes Gefälle zur Bühne vorzuweisen hat, präsentiert sich im Stil der 1960-er Jahre. Im Jahr 1951 zerstörte ein Brand Bühne und Zuschauerraum – und zwar ausgerechnet, als der Feuerzauber am Ende der Walküre geprobt wurde.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Vielleicht zeigen deshalb Regisseur Dieter Dorn und sein Bühnenbildner Jürgen Rose die wachsenden Flammen nur auf einem Vorhang, der ironischerweise am rechten Bühnenrand gar nicht mitspielen möchte. Die Furcht vor dem Feuer ist hier in Genf größer als Wotans Macht, der mit dem Feuer seine verbannte Tochter Brünnhilde schützen möchte. Neben dem nicht ganz umspannenden Feuerring überlebt auch das Schwert Nothung den Schlag auf Wotans Speer. Auch wenn der Abend insgesamt sicherer abläuft als noch das Rheingold, bleibt immer ein gewisser Nervenkitzel bestehen. Trotzdem nimmt der Ring nun mit dem ersten Tag richtig Fahrt auf. Dieter Dorn vermeidet weiterhin jeden Überaktionismus, findet aber nun Wege, die Chemie zwischen den Figuren auf der Bühne zu entwickeln. Ganz im Sinne von Wagners Musik lernen sich Siegmund und Sieglinde kennen. Noch besser gelingt der sonst so problematische zweite Akt. Immer wieder diese Zwiegespräche, Wotan – Fricka, Wotan – Brünnhilde, Siegmund – Sieglinde, Brünnhilde – Siegmund. Bei Dorn sind das spannende Begegnungen, an denen jede Figur wachsen kann. Das bekommt man als Zuschauer mit, da Bühnenbildner Rose mit seinen Ideen den Blick fokussiert. Dorn wählt eine Art suggestiven Monumentalismus. Da genügt für den ersten Akt ein großer Baum, ein paar Wände und schon entsteht vor dem Auge des Zuschauers die große Hütte Hundings.
Etwas problematisch ist der an den Seiten offene Bühnenraum, da jede Stimme ab Bühnenmitte so langsam aber sicher verloren geht. Aber, oh Wunder, da gibt es einen Dirigenten, der Wagner aus den Instrumenten herauskitzeln kann, ohne dass die Sänger darunter leiden müssen. Es ist schlicht und ergreifend bewundernswert, wie Georg Fritzsch auf die Sänger achtet. Dass die Instrumente lauter sind als die Stimmen, kann man an einer Hand abzählen. Das Orchestre de la Suisse Romande findet sich so langsam in die Welt Wagners hinein. Noch immer mischen sich einige Fehltritte in die Musik, aber überwiegend tritt nun ein richtig schöner dramatischer Fluss zu Tage, in dem man – dank Fritzsch – auch viele schöne Feinheiten vernimmt. Besonders gut hörbar ist die Weiterentwicklung vom überwiegend naturalistischen Rheingold zur Walküre, wo sich die harte Ebene des Krieges in die Musik mischt.
Auch bei einigen Sängern fühlt man eine gewisse Weiterentwicklung des Charakters. Tómas Tómasson hat sich seine forsche, aktive Seite erhalten. Dazu kommt – passend zum musikalischen Motiv von Wotans Unmut – eine Ebene der Resignation zum Vorschein, die bei dem Bass-Bariton aber nie weinerlich wirkt. Tómasson wirft sich und seine wohltönende Stimme mit praller Lust in das Geschehen, übertreibt es dabei ein bisschen mit dem Text, wenn er die Umlaute dehnt und schleift. So wundert es nicht, dass er zum Ende der Akte zwei und drei ein bisschen mit der Kondition zu kämpfen hat. Den einzigen Kampf, den er aber verliert, ist der gegen seine Frau Fricka. In dieser Beziehung zeigt er auch unsympathische Züge. Ruxandra Donose wehrt sich mit Bravour und Argumenten. Wie sie im verletzten Stolz Wotan dazu zwingt, seinen Sohn zu töten, dass ist großes musikalisches Kino.

Alexey Tikhomirov war schon als Fasolt großartig, der Hunding gelingt ihm mit schwarzer Tiefe und bedrohlicher Attitüde ebenso gut. Die anderen Hauptrollen sind schon aus dem ersten Ring-Zyklus von 2013 bekannt. Petra Lang ist seitdem nicht nur in die Rolle der Walküre hineingewachsen, sondern sogar sehr stark gereift. Manche Töne schleift sie sehr stark an, ihre Konsonanten gehen im dramatischen Aufschwung etwas unter. Diese Attacke schafft sie aber immer noch mühelos und ohne jeglichen Schaden. Zudem haben nicht nur ihre Walküren-Rufe einen jugendlichen Charme, sondern auch die Darstellung. Bei der kleinen Frage „Was hast du gedacht, dass ich erdulde?“ trifft Lang genau den Ton einer ängstlichen Tochter, die die Strafe des Vaters fürchtet. Der Abschied dann von Wotan ist einfach emotional, wenn sich die beiden weinend in den Armen liegen. Mehr braucht es gar nicht, um das deutlich zu machen.
Das Wälsungen-Paar ist seit dem ersten Zyklus ebenfalls deutlich gereift. Michaela Kaune hat etwas das Jugendlich-attraktive in ihrem Sopran verloren. Dafür aber ist ihre Sieglinde ausgesprochen intelligent und sicher gesungen. Man kann mitfühlen, was sie in ihren Tönen mitteilen möchte. Bei Will Hartmann wäre vermutlich eine Ansage als indisponiert fällig gewesen. Sein Tenor klingt nur in der Mittellage souverän. Darüber hinaus wirkt er unsicher, auch wenn er sich manch hohen Spitzenton abtrotzen kann.
Trotz dieser kleinen Einschränkungen gelingt der erste Tag des Rings des Nibelungen sehr gut und macht neugierig, wie sich die Interpretation musikalisch wie szenisch weiterentwickelt. Auch das Publikum hat das bemerkt und steigert seinen Applaus merklich.
Christoph Broermann