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Wunderbares, Fantastisches oder Märchenhaftes gehört zu dem Stoff, aus dem Musicals gestrickt sind – oder eben ein wenig Außerirdisches. In dem Musical Lazarus von David Bowie und Enda Walsh, das das Deutsche Theater Göttingen zum Ende dieser Saison auf die Bühne bringt, ist der Protagonist auf der Suche zwischen dem Universum und der Erde. Ob sich Bowie dabei tatsächlich als Jenseitiger gefühlt hat, ist biografisch nicht sicher geklärt.
Kurz nach seinem letzten Studio-Album Blackstar aus dem Jahr 2016 und wenige Tage vor seinem Tod veröffentlicht David Bowie seinen Song Lazarus als Single-Auskopplung. Es ist unklar, ob er dabei eine reale Person im Blick hatte. Allerdings legt die Titelliste seiner Songs nahe, dass Bowie sich bereits in einer schwierigen persönlichen Situation befand: This is not America, The Man who sold the World, Love is lost, Where are we now, All the young Dudes: alles keine Titel, die Optimismus und Lebensfreude ausstrahlen.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Und so verlegen Moritz Beichl, Regie, Valentin Baumeister, Bühne, und Astrid Klein, Kostüme, die dünne Story um den Gesangsstar Thomas Newton in eine bunte, schillernde Glitzerwelt, in der die Optik eine schlüssige Handlung ersetzt. Newton reichen Gin und der TV-Set für seine Alltagsbedürfnisse, seine Assistentin Elly sorgt für das Übrige. Zwei Besucher und ein Mädchen ohne Namen bringen ein wenig Bewegung in das auf der Erde festgefahrene Leben des Newton, der eigentlich gern ins Universum zurück möchte, aber den Weg nicht findet … Bowies Hauptmotiv, für den verdurstenden Planeten Erde Wasser zu finden, tritt bald hinter die Präsentation von insgesamt 17 Songs zurück, die den eigentlichen Kern des Musicals bilden. Die bunten Fantasien und Träumereien von Newton spiegeln sich in den wilden Scratches wider, die Moritz Hils als Videoclips auf den Hintergrund projiziert. Bestens gelungen und in ihren Effekten immer wieder überraschend wirkt die Bühne, auf der hunderte von bunten Glitzerfäden ein ständig sich veränderndes Blitzfeuerwerk präsentieren, das sich zudem in der die Bühne bedeckende Wasserfläche einer großen „Pfütze“ bricht. Auch wenn der Sinn dieser Wasserlache außer dem Hinweis auf die „verdurstende Erde“ verborgen bleibt und wenig Sinn macht, schafft die ständig lichtreflektorisch sich bewegende Bühne tatsächlich so etwas wie eine jenseitige Atmosphäre, rätselhaft, schillernd bunt und abwechslungsreich. Die ebenfalls bunt leuchtenden und schillernden Kostüme lassen die Antwort offen, ob sich hier Wesen eines anderen Sterns versammeln.

Volker Muthmann spielt einen wirren Typen, dessen futuristische Träume und Fantastereien ihm das Leben auf der Erde fast unmöglich machen. Der schwarzflügelige Michael, vielleicht ein Abgesandter des Erzengels von einem anderen Stern, kann Newton da noch weniger helfen als ein glitzerndes Mädchen mit strohblonder Perücke.
Dem jenseitigen Anspruch der Geschichte entsprechend, tritt die achtköpfige Band als Minor Tom and all the Young Dudes auf und liefert einen mal fetzigen, mal verträumt-melancholischen Sound, in dem sich viele David-Bowie-Fans wohl fühlen. Stimmlich sind alle Hauptfiguren bestens auf den Sound eines Bowie- Musicals eingestellt. Dass dabei einige der Premieren-Abonnenten das elektronisch lautstark erweiterte kleine Göttinger Theater vorzeitig verlassen, ist nachzuvollziehen.
Die Göttinger Aufführung bringt den Besuchern ein David-Bowie-Revival, in dessen Mittelpunkt 17 der populärsten Songs eines der einflussreichsten Musiker der Rock- und Popmusik stehen, der mit seinen musikalischen Ideen insgesamt 26 Studioalben schuf. Vor allem das jüngere Publikum, deutlich stärker vertreten als bei „klassischen“ Premieren, fühlt sich bei dieser flott und stilsicher gespielten Musik wohl. Den Schauspielern gebührt hohe Anerkennung für ihren Einsatz, mit dem sie ihre Figuren trotz des merkwürdigen Wasserbades auf der Bühne zum Leben bringen und die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits dennoch unscharf lassen. Bowie komponiert auch die Weltraumballade Space Oddity, angeregt durch Kubricks Film 2001: Odyssee im Weltraum. Das Spiel und die Musik sind noch nicht zu Ende – „… lass uns reisen“.
Horst Dichanz