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Klaustrophobischer Seelenkerker

DON CARLO
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
3. Oktober 2019
(Premiere am 28. September 2019)

 

Opernhaus Graz

Immer schmaler und beengter wird der Raum, wenn sich zum Finale die seitlichen Wände auf die beiden, sich unglücklich Liebenden, auf Elisa­betta und den Infanten, langsam zubewegen. Und diese nehmen mit bereits aufge­schnit­tenen Pulsadern bewegend vonein­ander Abschied: Es ist ein klaus­tro­pho­bi­scher Seelen­kerker der Gefühle, bei dem auch fast jeder andere Mitspieler unent­rinnbar selbst Gefan­gener ist, der hier sichtbar wird. Denn bei der Eröff­nungs­pre­miere von Giuseppe Verdis Don Carlo am Grazer Opernhaus hat Gideon Davey eine hölzerne Guckkas­ten­bühne bauen lassen, die je nach Gemütslage der Protago­nisten breiter oder enger wird und die mit ihren kasset­ten­ar­tigen Zwischen­wänden auch mehrere Räume erzeugen kann. Nach hinten geschlossen zeigt die Holzschachtel verschiedene Porträts von gekrönten Häuptern der damaligen Zeit.

Darin lässt die Regis­seurin Jetske Mijnssen, sie hat hier am Haus schon Peter Iljitsch Tschai­kowskis Eugen Onegin 2017 erfolg­reich insze­niert, Verdis Meisterwerk in der vierak­tigen, italie­ni­schen Fassung als intimes Kammer­spiel zeitlos ablaufen. Wenn sie es auch nicht immer genau mit dem Libretto hält, so sind ihre Ideen reich und intel­ligent durch­dacht, mit feiner psycho­lo­gi­scher Deutung und klarer Zeichnung der tragi­schen Bezie­hungen und der Probleme der Figuren. So sind die Protago­nisten in stili­sierten, histo­ri­schen Kostümen, die von Dieuweke van Reij kreiert wurden, vielfach auch durch Wände getrennt oder belau­schen sich an diesen gegen­seitig. So ist bei der großen Arie des Königs klar erkennbar seine Geliebte Eboli im gleichen Raum und sitzt sogar anfänglich auf seinem Schoß. So werden beim Autodafé, bei dem sich die Hinterwand des Zimmers öffnet und einen größeren Raum freigibt, die Deputierten aus Flandern blutver­schmiert auf Tischen liegend hereingeschoben.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Nicht nur größen­mäßig überragt der Hüne Timo Riihonen als Philipp II. das gut besetzte Ensemble. Er singt den König mit volumi­nösem, kulti­viertem Bass und faszi­niert vor allem in seiner großen Arie Ella giammai m’amò. Da kann sein Widerpart Dmitrii Lebamba als Großin­qui­sitor nicht mithalten, denn es fehlt ihm an Durch­set­zungs­kraft und Basstiefe. Neven Crnic zeichnet den Posa mit kernigem, kraft­vollem, später auch edlem Bariton. Der Titelheld Mykhailo Malafii verfügt über ein schönes, fast immer durch­schlags­kräf­tiges Tenor­ma­terial, teilweise klingt er etwas angestrengt. Aurelia Florian betört als Elisa­betta mit wunderbar lyrischen und innigen Phrasen, aber auch gewal­tiger Dramatik. Oksana Volkova singt eine impulsive, expressive Eboli. Auch über die kleineren Partien lässt sich nur Gutes sagen. Den Chor des Hauses, dessen Einstu­dierung Bernhard Schneider besorgte, hört man prachtvoll und ausgewogen.

Spannungs­ge­laden, klang­schön, nuancen­reich, mit einer reichen, dynami­schen Palette, die nur ganz selten in allzu großen Phonstärken abdriftet, erlebt man das Grazer Philhar­mo­nische Orchester unter der ganz exakt agierenden Chefdi­ri­gentin Oksana Lyniv.

Das Publikum reagiert auf diese gelungene Saison­er­öffnung mit großem Jubel.

Helmut Christian Mayer

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