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Liebhabertheater Schloss Kochberg - Foto © Maik Schuck

Mit Witz und Theatergeste

SCHERZ, LIST UND RACHE
(Philipp Cristoph Kayser)

Besuch am
17. Mai 2025
(Premiere)

 

Liebha­ber­theater Großkochberg

Wenn sich der luftige, weiße Vorhang im kleinen, mit viel Sorgfalt restau­rierten Liebha­ber­theater Großkochberg aus dem Jahr 1800 hebt, umweht das Publikum jene Aura des Geistigen und Heiteren, die das klassische Weimar einst prägte. Philipp Christoph Kaysers Scherz, List und Rache ist ein leises Meister­stück aus dem Jahr 1787 – musika­lisch elegant, textlich brillant und drama­tisch erstaunlich zeitlos. Wer sich auf die fein ziselierte Ironie des illustren Libret­tisten Johann Wolfgang von Goethes und den musika­li­schen Charme Kaysers einlässt, entdeckt ein Werk, das nicht laut sein muss, um Wirkung zu entfalten.

Die vieraktige Oper mit nur drei Personen kann als deutscher Beitrag nach dem italie­ni­schen Vorbild der Opera buffa betrachtet werden. Goethe bat seinen Freund Kayser, eine musika­lische Pantomime zu seiner „munteren Oper“ als Experiment zu kompo­nieren. Die jetzige Fassung strafft die Oper auf ein kurzwei­liges, etwa 90-minütiges Format und verzichtet dabei auf viele Redun­danzen in Text und Musik. Gerade richtig für das moderne, ungeduldige Publikum. Zumal die Belüftung des kleinen Theaters subop­timal ist.

Die Handlung ist schnell erzählt: Scapine und Scapin, ein junges Paar, werden vom geldgie­rigen alten Dottore um ihr Erbe betrogen, führen ihn aber in einem geschickten Intri­gen­spiel an der Nase herum und gewinnen am Ende ihr Erbe zurück.

Goethe, selbst oft zu Gast bei seiner Freundin Charlotte von Stein, die auf Großkochberg lebte, liefert mit dem Libretto ein Kleinod komischer Drama­turgie. Es ist kein bloßes Lustspiel, sondern eine ironische Abrechnung mit Autori­täts­gläu­bigkeit und Geiz – verpackt in gewandten Dialogen, leben­digen Szenen und feinsin­nigen psycho­lo­gi­schen Minia­turen. Die Bühne des Liebha­ber­theaters, mit ihrer Nähe zum Publikum, verstärkt die Wirkung ungemein: Man erlebt die Täuschungen und Listen „hautnah“ – ein barockes Vergnügen mit klassi­schem Tiefgang.

Foto © Maik Schuck

Regisseur Nils Niemann, Spezialist für klassische Rhetorik und Theater­praxis des 18. Jahrhun­derts, entfaltet das höfische Kammer­stück ohne große Effekte, sondern mit der ausge­prägten Theater­gestik der Zeit, die den Witz und Intellekt des Stückes unter­streichen. Niemann ist zugleich auch Ausstatter für die mit nur einigen wenigen Elementen gestaltete Bühne. André Markov liefert die histo­risch-gerechten Kostüme, so dass alles eine Einheit bildet.

Birita Poulsen ist die listige Scapine. Mit schönem, klarem Sopran, großen Augen und Theater­gestik der Zeit ist sie Gegenpol zu ihrem Mann, Scapin. Das ist Christoph Pfaller, dem es zwar an der Eleganz seiner Partnerin fehlt, der aber dafür seinen kernigen Tenor gut einsetzt. Beide umschwirren den alten Doktor, der von Cornelius Uhle treffend darge­stellt wird. Mit seinem dunkel-timbrierten Bass-Bariton und der einstu­dierten Tolpat­schigkeit überzeugt er in der Rolle des habgie­rigen und eitlen Schuftes. Dank der exzel­lenten Diktion aller drei Darsteller ist jedes Wort zu verstehen und es braucht keine elektro­ni­schen Übertitel – eine Einrichtung, die gänzlich die authen­tische Atmosphäre des Saales stören würde.

Das Theater verfügt nicht über einen Orches­ter­graben oder gar Platz auf der Bühne.  Die Musiker der Lautten Compagney Berlin sind auf einer hinteren Empore platziert. Von hier aus, ohne Monitor oder Augen­kontakt zu den Sängern, dirigiert Wolfgang Katschner sein weltbe­kanntes Ensemble für Alte Musik. Zusammen bringen sie die musika­lische Eleganz und Feinfüh­ligkeit der Kayser­schen Partitur zur Geltung.

In diesem Raum – so nah am Ideal des höfischen Kammer­theaters – entfaltet sich Scherz, List und Rache mit seltener Stimmigkeit: ein Kabinett­stück, welches keinen elektro­ni­schen Schnick-Schnack braucht, sondern Witz, Intellekt und musika­lische Eleganz in die Waagschale wirft. Das Publikum weiß das enthu­si­as­tisch zu würdigen.

Zenaida des Aubris

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