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In Schönheit sterben

DANCING SOULS
(Marguerite Donlon, Alejandro Cerrudo, Alfonso Palencia)

Besuch am
21. Januar 2018
(Premiere am 13. Januar 2018)

 

Theater Hagen

Mit großem Ehrgeiz setzt Alfonso Palencia im personell neu aufge­stellten Theater Hagen die Arbeit fort, mit der sein Vorgänger Ricardo Fernando vierzehn Jahre lang trotz stran­gu­lie­render Sparmaß­nahmen dem Ballett des Theaters Hagens zu großem Ansehen verhelfen konnte. Alfonso Palencia assis­tierte ihm in den letzten vier Jahren, so dass der neue Ballettchef mit den schwie­rigen Arbeits­be­din­gungen vor Ort vertraut ist. Mit seinem ersten dreitei­ligen Ballett­abend setzt Palencia deutlich andere Akzente als sein brasi­lia­ni­scher Vorgänger. Bevor­zugte der möglichst kontrast­reiche, bunte, meist in einem vitalen Finale kulmi­nie­rende Programme, sucht Palencia nach einer möglichst großen thema­ti­schen und stilis­ti­schen Einheit­lichkeit der Zusam­men­stel­lungen. Zumindest trifft das auf sein mit großem Beifall bedachtes Debüt-Programm Dancing Souls zu.

Alle drei Stücke, Soma in der Choreo­grafie von Marguerite Donlon, Extremely Close von Alejandro Cerrudo und schließlich Luminous Heart als Urauf­führung einer neuen Arbeit des Ballett­chefs, bestechen durch ihre überwiegend weichen, lyrischen Bewegungs­for­ma­tionen, mit denen mensch­liche Bezie­hungen aus verschie­denen Perspek­tiven reflek­tiert werden. Das beginnt mit Marguerite Donlons Soma, einer Studie, in der sich isolierte Menschen und Paare allmählich zu größeren sozialen Gemein­schaften zusam­men­finden und durch die soziale Verbun­denheit an Stärke und zugleich an Zärtlichkeit gewinnen. Es sind ästhe­tisch zerbrech­liche Tänze und Pas de deux‘ von bisweilen hochar­ti­fi­zi­eller Schönheit, auf der von Tanja Rühle mit irisie­renden Effekten ausge­leuch­teten Bühne in einer von Röhren bestückten Landschaft angesiedelt, die entfernt an Orgel­pfeifen einer imagi­nären Kathe­drale erinnern. Wie zu allen drei Stücken des Abends hat Saskia Rettig auch zu Soma ein zurück­hal­tendes, den feinfüh­ligen Charakter der Werke unter­strei­chendes Bühnenbild entworfen.

POINTS OF HONOR

Musik
Tanz
Choreo­grafie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Die Tänze, die hohe Anfor­de­rungen an die aus vier übernom­menen und acht neuen Kräften bestehende Compagnie stellen, erfordern große Flexi­bi­lität und eine sich steigernde Virtuo­sität. Auch wenn es in den besonders heiklen Passagen noch ein wenig an perfekter Synchro­nität mangelt, bewegt sich das Ensemble auf dem richtigen Weg, bevor es sich im April an Sergej Proko­fieffs abend­fül­lenden Klassiker Cinde­rella wagen wird.

Während sich Soma mit äußerst subtilen, oft nur durch unter­schied­liche Tempi und diverse Forma­ti­ons­wechsel wahrnehm­baren Kontrasten begnügt, scheut Alejendro Cerrudo in Extremely Close auch kräftigere Akzente nicht. Hier wird Amber Neumann, die in den Dancing Souls ein riesiges Pensum zu absol­vieren hat, zu Beginn auch schon einmal derb an eine der beweg­lichen Wände geschleudert, die die Freiheit der Tänzer immer wieder erschweren oder gar verhindern. Aller­dings mildert der Choreograf die Vorgänge rasch ab, und bald kommt es zu ähnlich harmo­ni­schen, konflikt­losen Hymnen tänze­ri­scher Schönheit wie in Soma, die sich freilich als Illusionen erweisen, wenn der Tanz zu einer Art Totentanz mutiert und Gustavo Barros am Ende ein riesiges schwarzes Bodentuch wie einen Sargdeckel über seine Partnerin Da Ae Kim zieht.

Foto © Klaus Lefebvre

Beson­deren Ehrgeiz inves­tiert Alfonso Palencia natürlich in sein eigenes neues Stück Luminous Heart, das thema­tisch den konkre­testen Bezug zu realen Problemen aufweist, in seiner hyper­sen­siblen Ästhetik jedoch noch zerbrech­licher wirkt als der Rest des Programms. Palencia nimmt eine Erfahrung aus dem Bekann­ten­kreis um eine lebens­not­wendige Organ­trans­plan­tation zum Anlass für sein Tanzstück. Die junge Delphin ist auf eine Trans­plan­tation angewiesen und sieht bereits dem Tod ins Auge, als ihr Geliebter bei einer Schlä­gerei ums Leben kommt. Die Frage, ob sie das Organ ihres Geliebten guten Gewissens verwenden darf, stürzt sie in einen inneren Konflikt, der von Amber Neumann und Gustavo Barros mit einem wunder­schönen Pas de Deux von extremer Zartheit gelöst wird. Das Mädchen akzep­tiert das Opfer, um damit weiter­leben zu können.

Die ästhe­tische Weichheit treibt Palencia auf die Spitze, indem er der Todge­weihten auch noch ein Engels-Ensemble zur Seite stellt. Das Weiß der Dekora­tionen von Saskia Rettig erinnert weniger an das kühle Weiß moderner Kliniken als an die alabas­terne Reinheit antiker Denkmäler. Palencia beschreitet in dem Stück einen riskanten Weg, der ihn nicht weit von senti­men­talen Abgründen fernhält. Auch nicht die gewählte Musik Philip Glass mit ihren wachs­weichen Pudding-Klängen.

Werke von Glass, dem Meister unver­bind­licher Minima­lismus-Motorik, bestimmen auch die Stücke der anderen Choreo­grafen, so dass die Musik den Mangel an schär­feren Gegen­sätzen unter­streicht. Dass Glass‘ Tongir­landen bei Choreo­grafen beliebt sind, ist verständlich. Sie strahlen eine vitale Melan­cholie und zugleich eine gewisse Neutra­lität aus, die reiche Verwen­dungs­mög­lich­keiten bietet. In der Häufung wie in Hagens Dancing Souls verhindern sie freilich jene Kontraste, die jeder Ballett-Abend braucht.

Insgesamt ein erfreu­licher Auftakt einer neuen Ära, den das Publikum in der ausver­kauften Premiere und den ebenfalls sehr gut besuchten Folge­auf­füh­rungen mit begeis­tertem Beifall feiert. Warten wir auf Palencias Choreo­grafie von Proko­fieffs Cinde­rella ab dem 14. April.

Pedro Obiera

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