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Foto © Kerstin Mauersberger

Reise zwischen Leben und Tod

FÄHRMANN
(Gundula Peuthert)

Besuch am
30. Oktober 2021
(Urauf­führung)

 

Theater Hagen

Fährmann nennt sich das neue Tanzstück von Gundula Peuthert, das jetzt im Hagener Theater mit überwäl­ti­gendem Erfolg aus der Taufe gehoben wurde. Einen beson­deren Reiz bezieht das 70-minütige Stück aus der engen Zusam­men­arbeit der erfah­renen Choreo­grafin und Regis­seurin mit den zwölf Tänzern der Hagener Compagnie, denen sie große Freiräume beim Entste­hungs­prozess inklusive indivi­du­eller Impro­vi­sa­tionen überlässt. Nach der lähmenden Pandemie eine geschickte Entscheidung, die auf das Ensemble wie eine Befreiung zu wirken scheint.

Und die schlägt sich trotz des todes­um­rankten Themas in einer von Fantasie, Vitalität und berstender Energie erfüllten Produktion voller Lebens­freude nieder. Auch wenn der „Fährmann“ in allen Zeiten und Kulturen als Mahner an die Endlichkeit des Lebens erinnert, versprühen hier die Todge­weihten im Übergang vom Dies- und Jenseits eine Leben­digkeit und Hoffnung, als wirkten die Toten leben­diger als die Lebenden.

Trotz der meist dunkel und dezent ausge­leuch­teten Bühne strahlt die Produktion nichts Bedroh­liches aus. Auch Andrea Schuler als Fährmann tritt charis­ma­tisch in Erscheinung, aber nicht einschüch­ternd. Auf alte und kulturell weitver­zweigte Mythen und Sagen anspielend, verlangt er einen Obolus für seine Dienste wie von einem normalen Fahrgast. Und die Gäste benehmen sich auf der Überfahrt nicht immer so, wie man es von braven Toten erwartet, rotten sich sogar zum Protest zusammen, so dass der Fährmann als ebenso verletzlich und besiegbar erscheint wie jeder Mensch.

Foto © Kerstin Mauersberger

Nicht jede der Szenen, in denen unter anderem an Toten­ri­tuale verschie­dener Kulturen erinnert wird, lässt sich so leicht entschlüsseln wie etwa ein virtuos rotie­render Derwischtanz oder die andächtige Verehrung einer christ­lichen Grabes­säule. Manches bleibt rätselhaft, was kein Nachteil sein muss.

Auf keinen Fall ein Nachteil ist jeden­falls der glänzende Einfall von Ausstat­terin Heike Mirbach, zwölf einfache schwarze, flexibel verschiebbare Quader auf die Bühne zu stellen, mit denen sich problemlos Bühnen­räume schaffen oder verändern lassen und die zugleich vielfach als Stelen, Toten­bahren oder Fährschiff genutzt werden können. Skurril, wenn die „leblosen“ Tänzer auf der Überfahrt reglos auf den sargähn­lichen Quadern liegen und nur eine „Leiche“ zum Unmut des Fährmanns keine Ruhe geben will. Eine gelungene Gratwan­derung zwischen Trauer und dezenter Komik.

Unter­strichen wird das Ganze durch eine sorgfältig zusam­men­ge­stellte Musik­ku­lisse, die die kultu­relle und atomsphä­rische Vielfalt des Stücks pointiert trifft. Psyche­de­lisch irisie­rende Töne klingen ebenso an wie vitalere Rock-Sounds oder christ­liche Klänge aus Bachs Matthäus-Passion oder Gabriel Faurés sanftem Requiem. Nur auf eins verzichten Gundula Peuthert und das hoch motivierte Ensemble völlig: auf eine depressive Grabesstimmung.

Insgesamt kann sich das Publikum damit an einer kurzwei­ligen Tanzkreation erfreuen, die das Verhältnis von Leben und Tod respektvoll und gleich­zeitig lebens­be­jahend mit viel Fantasie auf hohem tänze­ri­schem Niveau reflek­tiert. Und dafür bedankt sich das Premieren-Publikum mit langan­hal­tendem, begeis­tertem Beifall.

Pedro Obiera

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