O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Hier tanzt sogar das Croissant

PARISER LEBEN
(Jacques Offenbach)

Besuch am
2. November 2018
(Premiere am 27. Oktober 2018)

 

Theater Hagen

Im kommenden Jahr steht der 200. Geburtstag von Jacques Offenbach an. Eine gute Gelegenheit, die nicht unbedingt anregende Rezep­ti­ons­ge­schichte der letzten Jahrzehnte im Umgang mit Offen­bachs „Operetten“ auf höherem Niveau beleben und dabei manches korri­gieren zu können. Auch wenn sich Johann Strauss jr. von Offenbach inspi­rieren ließ, auch wenn Offenbach als gebür­tiger Kölner mit deutschen Musik­tra­di­tionen aufge­wachsen ist, versprühen seine unter­halt­samen Bühnen­werke ein derart spezi­fi­sches, den Zeitgeist der Belle Époque aufgrei­fendes und zugleich in Frage stellendes Kolorit, dass die Mischung aus Pariser Kabarett, Revue und Gesell­schafts­satire durch geläufige Begriffe wie „Operette“ nur unzurei­chend gekenn­zeichnet werden kann. Ebenso wenig wird man Offen­bachs „Opéra bouffe“ durch die Übersetzung als „Komische Oper“ gerecht.

Das Theater Hagen läutete jetzt das Offenbach-Jahr mit einer rundum gelun­genen Neuin­sze­nierung von Offen­bachs Pariser Leben ein und beschreitet dabei einen geschickten und im Ergebnis erfolg­reichen Weg. Regisseur Holger Potocki versucht erst gar nicht, idioma­ti­sches Pariser Flair zu kopieren, sondern spielt mit dem franzö­si­schen Kolorit, ohne die Handlung zu einer flachen Gag-Parade zu verbiegen. Es tummelt sich alles auf der Bühne, was mit Paris assoziiert werden kann: Die Mona Lisa, der Glöckner von Notre Dame, Karl Lagerfeld und sogar ein rauchendes Croissant auf zwei Beinen. Potocki flechtet solche Anspie­lungen mit leichter Hand unauf­dringlich in die Handlung ein. Dabei lässt er ein aufmerk­sames Gespür für den aktuellen Gehalt des Stücks erkennen, mit dem Offenbach 1867 auf den Besucher-Hype im Umfeld der Weltaus­stellung Bezug nimmt.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Es sind die Schoko­la­den­seiten der Stadt, die schon zu Offen­bachs Zeiten Heerscharen von Touristen anlockten, auch wenn sie eine Scheinwelt erwarten, die der Realität nicht entspricht. Insofern überzeugt Potockis Ansatz, nicht die Glitzer­folie der Belle Époque in den Mittel­punkt zu stellen, sondern einen sozial herun­ter­ge­kom­menen Vorort, in den es zu nächt­licher Stunde ein reiches dänisches Touris­tenpaar verschlägt. Der Baron erwartet amouröse Abenteuer, seine Gattin möchte das turbu­lente gesell­schaft­liche Leben genießen. Die ersten Erfah­rungen sind dagegen ernüch­ternd. Einer­seits die verwahr­loste Umgebung, anderer­seits die Begegnung mit einem netten Knaben, der die beiden kurzerhand ausraubt. Während die Baronin erschöpft einschläft und vom Glamour der Weltstadt wenigstens träumen kann, bereitet der Gelegen­heits­gauner Raoul dem Baron ein Fest mit verspro­chenen Amouren, das freilich mehr Illusionen erweckt als Wunsch­träume erfüllt. Die witzigen Kompli­ka­tionen, die sich aus der Ausgangs­si­tuation ergeben, insze­niert Potocki mit flotter Hand.

Foto © Klaus Lefebvre

Ausstat­terin Lena Brexen­dorff gelingt es, mit beschei­denen Mitteln sowohl die Underdog-Atmosphäre der Vorstadt, den vorge­täuschten Luxus im Edel-Penthouse und im Traum der Baronin sogar den Flitter der Belle Époque einzu­fangen. Eine gute Basis für das spiel­freudige Ensemble, zu dem das Theater Hagen den Chor und Extrachor, das Ballett und die Statis­terie gesellt und damit nahezu den gesamten Apparat des Haues einsetzt. Schade, dass bereits in der ersten Reprise das Parkett bei weitem nicht voll besetzt war. Der Führungs­wechsel am Theater bedarf wohl noch einiger Zeit, um vom Publikum voll akzep­tiert zu werden.

Musika­lisch entzündet Maestro Rodrigo Tomillo ein perfektes Feuerwerk an Schwung und Pep, mit dem die Solisten, aber auch der gut geführte Chor und das Ballett über die Bühne wirbeln. Dabei werden zum Can Can nicht nur Röcke hochge­wirbelt und lange Damen­beine geschwungen, sondern die Damen dürfen sich auch an männlichen „Lustsklaven“ erfreuen.

Nach wie vor gehört der Ensem­ble­geist zu den Stärken des Theaters Hagen. Das schlägt sich in der vorzüg­lichen Besetzung nieder, in der es bis in die kleinste Rolle keinen nennens­werten Ausfall zu beklagen gibt. Veronika Haller als Baronin wird ihrem glänzenden Ruf gerecht, Kenneth Mattice als Baron und Richard van Gemert Raoul geben ihren Rollen Zucker. Eine Augen- und Ohren­weide bietet Marilyn Bennett als laszive Mme Quimper-Karadec.

Eine Produktion, die das Publikum begeis­terte und Hoffnung auf ein innova­tives Offenbach-Jahr macht. Das an sich treue Hagener Publikum sollte dabei das neue Leitungsteam unterstützen.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: