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Vergessen hilft

RITTER ROLAND
(Joseph Haydn)

Besuch am
3. Februar 2018
(Premiere)

 

Theater Hagen

Die Geschichte ist Freunden klassi­scher Musik längst bekannt: Joseph Haydn verbrachte die glück­lichste Zeit seines Lebens auf dem ungari­schen Schloss Eszterháza, obwohl oder gerade, weil er ein exorbi­tantes Arbeits­pensum zu bewäl­tigen hatte. Man darf sich das mal gerade so vorstellen: Als Erster Kapell­meister, livriert, im Range eines Hausof­fi­ziers der Magna­ten­fa­milie Eszterházy, macht der 30-jährige Haydn einen Job, für den man heutzutage drei bis vier Menschen bräuchte. Er war unter anderem zuständig für ständig neue Kompo­si­tionen von Kirchen- und Kammer­musik, die Leitung des Orchesters mit mindestens 100 Auffüh­rungen in der Saison und das Arran­gement von Opern­pro­duk­tionen. Von den adminis­tra­tiven Aufgaben gar nicht zu reden. Wahnsinn.

Die Produktion einer solchen Oper 1783 kann man sich vermutlich in etwa so wie die Produktion einer Unter­hal­tungsshow für das heutige Fernsehen vorstellen, nur, dass die Kameras fehlten. Viel Theater­zauber für eine abend­fül­lende Veran­staltung, für die eine Wieder­holung ohnehin nicht vorge­sehen ist. Das bedeutet zweierlei: Die Unter­haltung muss mit vergleichs­weise wenig Aufwand funktio­nieren, und man kann nicht auf alle Feinheiten achten.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Um das zu reali­sieren, hat das Theater Hagen den Regisseur Dominik Wilgenbus einge­laden, der dafür bekannt ist, humor­volle Insze­nie­rungen jenseits des Slapsticks abzuliefern. Ritter Roland oder im Original Orlando Paladino ist die haarsträu­bende Geschichte von einem, der Angelica, die Königin der Insel Katai, unglaublich liebt. Die aber liebt Medoro. Irgendwie hängt sich da noch der Barba­ren­herr­scher Rodomonte mit rein. Alcina, die Zauberin, bestens bekannt aus diversen anderen Opern, zieht mehr oder minder glücklich die Strippen in der Geschichte, und ein Haufen Personal kommen­tiert das Ganze. Gut, dass die Geschichte nach allerlei Verwir­rungen bis hinein in die Götter- und Unterwelt mit einem zufrie­den­stel­lenden Ende ausgeht.

Wilgenbus lässt seiner Fantasie freien Lauf und findet in Bühnen­bildner Peter Engel einen konge­nialen Partner. Die beiden vollbringen die Meister­leistung sich vorzu­stellen, wie Haydn das in Eszterháza insze­niert hat, also mit aller­ein­fachsten Mitteln, und wie das heute aussehen könnte. Das Einheitsbild einer umlau­fenden Wand, die auf der Hälfte der Bühnenhöhe endet bildet die Arena für den Einsatz möglichst vieler Bühnen­ele­mente. Und während sich in der zweiten Hälfte der Aufführung die Handlung erschöpft, öffnet sich die Wand nach hinten und bietet einen Ausblick auf eine ganz ungewöhn­liche Perspektive. Das muss man selbst gesehen haben. Chris­tiane Luz hat dazu Kostüme gefunden, die im Sinne des Konzepts arbeiten, aber der Erotik zuwider­laufen. Auch wenn das nicht ganz nachzu­voll­ziehen ist, schadet es der Insze­nierung nicht. Hans-Joachim Köster setzt die Handlung in ein ganz wunder­bares Licht. Große Blenden setzen das Geschehen vielfarbig in immer neue drama­tur­gische Spannung, in der auch immer Platz für einen Verfolger ist. Da werden wirklich Höhepunkte ins rechte Licht gesetzt. Großartig.

Foto © Klaus Lefebvre

Die Anfor­de­rungen einer Unter­hal­tungsshow an die Stimmen von Sängern sind – von wenigen Affekten abgesehen – denkbar einfach. Und so werden sie von Ensemble und Gästen leich­ter­dings gemeistert, ohne dass das die Sanges­kunst über Gebühr ins Seichte abgleitet. Angelica wird von Cristina Piccardi mit einigen schönen Kolora­turen bestens inter­pre­tiert, auch wenn zum Ende der annähernd drei Stunden leichte Ermüdungs­er­schei­nungen bemerkbar sind. Kristina Larissa Funkhauser darf als Alcina verstärkt ins Schau­spielfach, was sie mit einem perma­nenten Perücken­wechsel auch wunderbar im Griff hat. Gesanglich bietet die Rolle für Funkhauser keine beson­deren Heraus­for­de­rungen. Da hat Dorothea Brandt als Schäferin Eurilla schon mehr zu leisten, überzeugt aber sowohl schau­spie­le­risch als auch stimmlich in jeder Hinsicht. Auch bei den Herren sind keinerlei Ausfälle zu bemerken. Eric Laporte ist zu Gast in Hagen und gibt einen wunder­baren Ritter Roland, der sich in einigen wenigen Situa­tionen heldenhaft präsen­tieren kann. Mit Pasquale, dem Knappen von Roland, hat Giulio Alvise Caselli eine Traum­rolle ergattert, die er dann auch noch in einem großartig angelegten Geschlechts-Orchester-Akt vertiefen darf. Kenneth Mattice stellt einen durchweg, vor allem stimmlich überzeu­genden Rodomonte dar. Als Medoro wünscht man sich bei Musa Nkuna durchaus noch ein wenig Feinschliff an der deutschen Sprache. Dass er schau­spie­le­risch noch Entwick­lungs­mög­lich­keiten hat, liegt wohl eher am Regisseur. In der „Felsen­szene“ aller­dings kann er sich entfalten und sein ganzes Können zeigen. Auch die übrigen Rollen sind adäquat besetzt.

Beson­deres Lob verdienen die Kinder Keyan Esen und Adea Velijai als kleiner Ritter und kleine Prinzessin sowie die Statisten Anna Knipps, Maike Potthoff, David Pamin und Jonas Witzel, die zum Gelingen eines eindrucks­vollen Abends beitragen.

Joseph Trafton hat das kleine Orchester des Philhar­mo­ni­schen Orchesters Hagen voll und ganz im Griff, bietet brillanten Klang und einen wirklich flotten Haydn.

Nach vielen Arien­ap­plausen zeigt sich das Publikum im Endergebnis voll und ganz begeistert. Bravo-Rufe und stehende Ovationen für Sänger, Statisten und Leitungsteam nach dem dritten Vorhang zeigen, dass das Theater Hagen hier eine glanz­volle Leistung vollbracht hat, die man sich auch gerne noch ein zweites Mal anschaut; so viel Spaß macht dieser Theater­zauber. Und dass Alcina Ritter Roland die Erinnerung an seine ganz große Liebe Angelica raubt, ist ja auch eine Option, mit der mancher mit Liebes­kummer Behaftete ganz gut leben könnte. Manchmal ist Vergessen nicht das Schlechteste.

Michael S. Zerban

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