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Rusalka auf dem Catwalk

RUSALKA
(Antonín Dvořák)

Besuch am
1. Dezember 2018
(Premiere)

 

Theater Hagen

Es ist nicht zuletzt dem engagierten Einsatz und dem unver­brauchten Charisma der jungen Kräfte im Ensemble und dem szeni­schen Team zu verdanken, dass das Theater Hagen immer wieder mit gelun­genen Produk­tionen punkten und überzeugen kann, auch wenn es seit Jahrzehnten finan­ziell am Rande des Abgrunds schlingert. An beiden Aspekten, dem durchweg guten bis hohen Quali­täts­standard und der materi­ellen Misere hat sich auch unter der neuen Intendanz von Francis Hüsers nichts geändert. Die besondere Treue des Hagener Publikums zu seinem Theater, die Georg Quander der westfä­li­schen Stadt in seinem neuen Buch Opernland NRW bescheinigt, bezieht sich freilich auf die Ära von Norbert Hilchenbach. Dass selbst so beliebte Stücke wie Offen­bachs Operette Pariser Leben oder, wie jetzt, die Premiere von Antonín Dvořáks Märchenoper Rusalka deutliche Lücken im Parkett aufweisen, ist nur schwer nachzuvollziehen.

Dabei ist gerade die Rusalka-Produktion ein schla­gender Beweis für die Attrak­ti­vität, die von den jugend­lichen Akteuren ausgeht. Auch wenn man nicht jedem szeni­schen Detail zustimmen mag, auch wenn die ein oder andere Stimme noch in die Rolle hinein­wachsen muss: Die Hinter­grün­digkeit der Aussage kommt in Hagen ebenso zu ihrem Recht wie die entwaff­nende Schönheit der Musik.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Regis­seurin Nina Kupczyk deutet die Sehnsucht Rusalkas nach der Welt der Menschen als Ausbruchs­versuch eines jungen Mädchens aus der familiären Enge, um in der scheinbar glanz­vollen Welt der Super-Modells sein Glück zu finden. Der Catwalk gehört zu den wichtigsten Requi­siten der Produktion, und dass die Hexe Ježibaba eine unver­kennbare Ähnlichkeit mit Heidi Klum aufweist und die Waldelfen wie fein heraus­ge­putzte Püppchen aus Germanys next Topmodel wirken, überrascht in diesem Umfeld nicht. Und dass der Prinz die Frauen wie Gebrauchs­ge­gen­stände benutzt und ablegt, ebenso wenig. Die Regis­seurin verliert sich aller­dings nicht in oberfläch­lichen Anspie­lungen, sondern entwi­ckelt sehr einfühlsam, wie sich das Glück in dieser Traum­fabrik als faden­scheinige Illusion einer Fanta­siewelt entpuppt, in der es noch kälter zugeht als in den Tiefen des Sees. Rusalka ersehnt sich Wärme und Zuneigung von ihrer Wandlung zur Menschenfrau und erfährt eine Welt ohne Mensch­lichkeit. Dabei hört Kupczyk sehr genau auf die Musik, die präzise nachvoll­zieht, wie die unglück­liche Meerjungfrau diese Mecha­nismen allmählich erkennt und sich am Ende in trister Einsamkeit zurück­ge­lassen sieht. Ein Bewusst­seins­prozess, den auch der Prinz durchlebt. Doch ebenso zu spät und ohne Happy End.

Den Wassermann deutet die Regis­seurin als leiblichen Vater Rusalkas, der, dem Alkohol zugetan, seine Tochter unter starker Kontrolle hält. Auch er erfährt eine Wandlung mit ebenso unglück­lichem Ausgang. Roman­tische Märchen­stimmung kommt in diesem Szenario zwar nicht auf, doch taugt die Rusalka ohnehin noch weniger zum Kinder­stück als die Opern von Humper­dinck, Hänsel und Gretel eingeschlossen.

Foto © Klaus Lefebvre

Wenn man sich trotzdem in die Romantik versetzt fühlt, ist das der Musik zu verdanken, deren üppig leuch­tende orches­trale Grundierung Chefdi­rigent Joseph Trafton und das voluminös aufspie­lende Philhar­mo­nische Orchester Hagen mit satten Farben ausstattet. Das erweist sich angesichts der druck­vollen Dynamik nicht immer als besonders sänger­freundlich. Jedoch trifft Trafton für die diffe­ren­zierten Stimmungs­lagen des Werks stets den richtigen Ton, so dass sich die Sänger weitgehend gut aufge­hoben fühlen können.

Eine besonders erfreu­liche Überra­schung bietet die aus dem benach­barten Unna stammende Sopra­nistin Angela Davis in der Titel­rolle, die mit ihrer sauber geführten, völlig tremo­lo­freien und in den Höhen mühelos anspre­chenden Stimme die schwierige und kräfte­zeh­rende Partie grandios gestaltet. Ihr ebenfalls sehr junger Kollege Milen Bozhkov in der nicht minder strapa­ziösen Rolle des Prinzen tut sich etwas schwerer, was freilich noch an Defiziten in der Aussprache der deutschen Fassung liegt. Die störenden Vokal­ver­fär­bungen lassen sich freilich mit entspre­chender Schulung vermeiden. Stimmlich verfügt der junge Tenor über ausrei­chendes Potenzial für die Partie.

Die Ensem­b­le­pflege des Hagener Theaters sorgt auch für rundum überzeu­gende Beset­zungen der kleineren Partien. Hier können vor allem Dong-Won Seo als Wassermann und Kristine Larissa Funkhauser als Hexe Ježibaba sowie die immer präsente Veronika Haller als Fremde Fürstin punkten.

Der Rest des Ensemble und der Chor runden das vorbild­liche musika­lische Resultat adäquat ab.

Viel Beifall für eine sehr geschlossene und hochwertige Produktion der schönen Oper.

Pedro Obiera

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