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TRISTAN UND ISOLDE
(Richard Wagner)
Besuch am
21. April 2019
(Premiere am 7. April 2019)
Dass Richard Wagner ein so aktionsarmes Werk wie Tristan und Isolde gattungsbegrifflich als „Handlung“ bezeichnet, macht nur Sinn, wenn man die Vorgänge als „innere Handlungen“ versteht. Es sind die seelischen Konflikte der Figuren, die Spannung und Reiz des Werks steuern, womit der Erfolg einer Aufführung so entscheidend vom überzeugenden Einsatz der Akteure und natürlich des Dirigenten abhängig ist wie in kaum einem anderen Werk. Dass der Regisseur Jochen Biganzoli ausgerechnet in einem nicht gerade üppig subventionierten Haus wie dem Theater Hagen noch einen Schritt weiter geht und den Aktionsradius zusätzlich verkleinert, zeugt nicht nur von der beachtlichen Risikobereitschaft des Regisseurs, sondern auch des seit einem Jahr erfolgreich tätigen Intendanten Francis Hüsers, der auch in gewagte Produktionen sein volles Vertrauen setzt. Im Fall des neuen Tristan geht die Rechnung auch weitgehend auf. Das betrifft nicht nur die erstaunlich hochwertige musikalische Ausführung, sondern auch das auf den ersten Blick irritierende Konzept des Regie-Teams.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Die Bühne beherrscht ein von Wolf Gutjahr konzipierter Setzkasten mit sechs abgeschlossenen Kammern, in denen die Handlungsträger nahezu über den gesamten Verlauf des Abends in isolierter Einzelhaft gehalten werden. Links oben trägt Tristan in strahlend weißer Kleidung seine Seelenqualen aus, rechts unten weit entfernt von ihm Isolde in kontrastierendem Schwarz die ihrigen. Brangäne haust links unten, Kurwenal im Militärlook am äußersten rechten Rand und König Marke leidet im Zimmer oben rechts wie ein zwischen Verzweiflung und Hoffnung schwankender Liebhaber. Unten in der Mitte bleibt Platz für die kleineren Rollen.
Dass Tristan und Isolde in diesem Umfeld nicht zueinanderfinden können, versteht sich von selbst. Neu ist der Gedanke nicht, aber so konsequent hielt wohl noch kein Regisseur die beiden Protagonisten auf Distanz. Angesichts der eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten stellen sich trotz der filigran ausgeführten Personenführung immer wieder Phasen eines ungewollten Stillstands ein, die teilweise durch geschickte Lichteffekte aufgefangen werden. Dazu gehört auch der Einfall, während des Liebesduetts im zweiten Akt nur die Zellen der Titelfiguren auszuleuchten. Eindrucksvoll das Schlussbild zu Isoldes so genanntem „Liebestod“, wenn sie im Nichts verschwindet, während die sich stattlich angehäuften Leichen langsam erheben. Damit entscheidet sich Biganzoli eindeutig gegen die verklärende Vision einer Vereinigung der beiden im Jenseits. Biganzoli hält die Distanz bis zum bitteren Ende durch.
Generalmusikdirektor Joseph Trafton gelingt es, auch mit dem recht klein besetzten Philharmonischen Orchester Hagen die emotionalen Fieberkurven der Partitur eindrucksvoll nachzuzeichnen. Ein klangliches Übergewicht der Bläser muss man dabei in Kauf nehmen, lässt sich aber auch verschmerzen. Um etliche Ungenauigkeiten im Zusammenspiel und in den Einsätzen restlos ausmerzen zu können, dafür reicht die auf nur fünf Vorstellungen begrenzte Aufführungs-Serie wohl nicht aus.

Dass man den für Hagen beachtlichen Kraftakt nicht öfter stemmt, hängt natürlich mit der Gegebenheit zusammen, dass man bei einem solchen Werk nicht auf Gäste verzichten kann, die den mit 15 Millionen Euro ohnehin schmal bezuschussten Etat stark belasten. Zum Vergleich: Die Bayerische Staatsoper München erhält öffentliche Zuschüsse in Höhe von fast 70 Millionen Euro und verfügt über einen Gesamtetat von etwa 110 Millionen Euro.
Allerdings ist das Geld gut angelegt, wenn man selbst für so extreme Partien wie die Titelhelden so exzellente Sänger findet wie Zoltán Nyári und Magdalena Anna Hofmann. Beide erweisen sich als konditionsstarke und ausdrucksintensive Sängerdarsteller, die die Partien ohne nennenswerte Ermüdungserscheinungen und auch ohne unangemessenes Forcieren durchstehen und bis zum letzten Takt kontrolliert gestalten. Das gilt in gleichem Maß für die nicht ganz so exponierten Rollen wie den König Marke, dem Dong-Won Soo mit seinem voluminösen Bass trotz leichter Indisposition starkes Profil verleiht. Nicht minder überzeugend agiert Khamma Mikabendze als Brangäne, auch wenn die die Grenzen des Mezzo-Fachs überschreitenden Spitzentöne bisweilen etwas schrill geraten. Wieland Satter als robuster Kurwenal sowie Daniel Jenz als junger Seemann, Richard van Gemert als Melot und Egidijus Urbonas als Steuermann runden das Ensemble adäquat ab.
Viel Beifall für eine eigenwillige, aber konsequent ausgeführte Konzeption des Ausnahmewerks auf beachtlichem musikalischem Niveau.
Pedro Obiera