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Holland in Not

ZAR UND ZIMMERMANN
(Albert Lortzing)

Besuch am
1. Februar 2020
(Premiere)

 

Theater Hagen

Es ist still geworden um Albert Lortzing. Selbst Wildschütz und Zar und Zimmermann, einst noch vor wenigen Jahrzehnten feste Bestand­teile des Standard-Reper­toires, begegnet man mittler­weile so selten, dass Lortzing in der revidierten Neuauflage des an sich vorzüg­lichen Handbuchs der Oper von Rudolf Kloiber nur noch beiläufig erwähnt wird, während die an Interesse gewon­nenen Opern Giacomo Meyer­beers wesentlich größere Beachtung finden als noch in den älteren Auflagen.

Angesichts der nicht gerade überwäl­ti­genden Fülle an guten musika­li­schen Komödien ist das Desin­teresse an den besten Opern Lortzings nur aus dem fragwür­digen Umstand zu erklären, dass man nie ernsthaft die verzerrte Rezeption seiner Stücke hinter­fragt und korri­giert hat. Lortzing als biederer Vertreter des Bieder­meiers, als Lieferant für Klamotten mit angenehmer Musik: Ein Bild, das der gedank­lichen Brillanz seiner scharf gezeich­neten Gesell­schafts- und Zeit-Satiren nie gerecht wurde und einer dringenden Richtig­stellung bedarf. Immerhin verdanken wir Lortzing mit Regina die einzige deutsch­spra­chige Revolu­ti­onsoper des 19. Jahrhun­derts, die musika­lisch aller­dings nicht mit der Origi­na­lität der Zar-und-Zimmermann-Satire konkur­rieren kann.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Dass das Hagener Theater überhaupt einen Lortzing aufs Programm setzt, allein dieser Schritt verdient Anerkennung. Auch wenn die Neupro­duktion von Zar und Zimmermann dem ironi­schen Feinschliff des Stücks nicht rundum gerecht wird, und die pointierte Kritik an der restrik­tiven, freiheits­feind­lichen Politik der Metternich-Ära nur recht harmlos angebracht wird: Regisseur Holger Potocki verzichtet auf vorder­grün­digen Klamauk und unter­streicht die politische Dimension des Stücks. Das kleine nieder­län­dische Fischer­dörfchen Saardam wird urplötzlich zum Schau­platz der Weltge­schichte, auf dem der Zar und Gesandte aus Frank­reich, England und Preußen Ränke schmieden und aufein­an­der­treffen. Natürlich heimlich und misstrauisch. Der vor Selbst­über­schätzung triefende Bürger­meister des Dorfes führt die kritische Situation vollends ins Chaos. Potocki verlagert die Handlung in ein aufstre­bendes, modernes Dorf, das durch ein erfolg­reiches Rüstungs­un­ter­nehmen zu einigem Wohlstand gekommen ist und damit das Interesse der Fremd­mächte auf sich gezogen hat. Bürger­meister van Bett agiert denn auch nicht als polternder Dummkopf, sondern sein geistiger Horizont wird durch den einsei­tigen Blick auf die wirtschaft­liche Entwicklung einge­schränkt, so dass er weder die Pläne der fremden Mächte noch die Sorgen umwelt­be­wusster Bürger wahr- und ernst nimmt.

Foto © Klaus Lefebvre

Eine ökolo­gische Wider­stands­gruppe, die mit Fuchs­masken immer wieder in seine Komman­do­zen­trale eindringt, nervt ihn zwar, irritiert ihn aber nicht. Pfiffig, dass Potocki den in diesem Kontext anachro­nis­ti­schen Holzschuhtanz von den verklei­deten und kräftig aufstamp­fenden Öko-Füchsen ausführen lässt, die sich am Ende zu erkennen geben und das Fest empfindlich aufmi­schen. Ein Ansatz, der die Gefähr­lichkeit der politi­schen Einäu­gigkeit des Bürger­meisters andeutet, der aber nicht konse­quent zu Ende geführt wird. Potocki musste für sein Konzept die gespro­chenen Dialoge neu fassen und teilweise erweitern. Die Aktua­li­sierung des Stoffs geht nicht immer nahtlos mit der Handlung und der Musik d‘accord, entfernt sich aber nicht allzu weit von der Essenz des Stücks.

Entspre­chend zeigt das Bühnenbild von Lena Bresen­dorff eine Indus­trie­land­schaft und van Bett regiert in einem nüchternen Office. Die Kostüme sind der heutigen Zeit angepasst.

Vom Esprit der Musik, die Lortzings Idol Mozart näher­steht als volks­tü­melndem Volks­theater, lässt Rodrigo Tomillo am Pult des Philhar­mo­ni­schen Orchesters Hagen eine Menge hören. Eine gute Grundlage für eine mehr als solide vokale Ausführung der nicht einfachen Partien. Der van Bett von Markus Jausch könnte zwar etwas mehr Schwärze in den Bassre­gistern vertragen, doch bietet der Sänger eine äußerst agile und stimmlich überzeu­gende Darstellung der zentralen Figur. Selbst wenn er sich in der Unterhose blamiert. Da kann Kenneth Mattice als Peter Michailow alias Zar Peter nicht mithalten. Über den ganzen Premie­ren­abend kann sich der Bariton nicht richtig freisingen. Was man von dem jungen Liebespaar nicht sagen kann. Richard van Gemert als Peter Iwanow präsen­tiert sich stimmlich und darstel­le­risch ebenso frisch wie Marie-Pierre Roy als Marie. Den feinen Marquis de Chateauneuf mit dem urvitalen, vorzüglich singenden Tenor Musa Nkuna als Rapper auftreten zu lassen, gehört zu den mehr oder weniger origi­nellen Gags der Inszenierung.

Dem Chor kommt eine große Rolle zu, die die Hagener Sänger sehr verlässlich ausführen. Das Hagener Premieren-Publikum im nahezu ausver­kauften Theater reagiert sichtlich vergnügt auf den unter­halt­samen Abend.

Pedro Obiera

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