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Foto © Florian Schmuck

Wie sich Klang fortentwickelt

DIDO AND AENEAS
(Henry Purcell)

Besuch am
4. November 2017
(Einmalige Aufführung)

 

Laeisz-Halle, Hamburg

Zum Ende des Jahres sind die Aktivi­täten und Auftritte des Schubert-Chores Hamburg besonders dicht: Zum einen gibt es die tradi­tio­nellen Passionen oder weiteren wichtigen Beiträge zum Kirchenjahr, zum anderen tritt der Chor im November immer auch mit einer großen Neuein­stu­dierung als Höhepunkt des Jahres an die Öffentlichkeit.

Während man sich im letzten Jahr die eigens in Auftrag gegebene Choroper zum Leben Schuberts in der Laeiszhalle zur Urauf­führung gebracht hat, fiel die Wahl in diesem Jahr auf Henry Purcell. Zur Aufführung kamen die Ode Come Ye Sons of Art und die Oper Dido and Aeneas.

Während man dankbar ist, auch einmal die so gut wie gar nicht aufge­führte Ode zum Geburtstag von Queen Mary II. von England aus dem Jahre 1694 so klang­schön vorge­tragen zu hören, überrascht zunächst, dass die Wahl auch auf eine Oper fällt, denn der Chor versteht sich nicht als Opernchor, oder überhaupt Klang­körper, der sich auf einer Schau­spiel­bühne präsen­tiert. Auch die Choroper des letzten Jahres hat ganz ausdrücklich die Mittel der Erzählung durch Gesang, nicht Spiel, in den Mittel­punkt gestellt.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Publikum
Chat-Faktor

Noch wider­sprüch­licher erscheint dann zunächst, dass bestimmte, wenige choreo­gra­fische Elemente wie der gestische Umgang mit einem roten Tuch, den Noten­bü­chern und allgemein, gewisse sparsame Bewegungen zur szeni­schen Umsetzung der Handlung von der Choreo­grafin Antje König einge­setzt werden.

Die Auflösung ist einfach: das ursprünglich für ein Mädchen­in­ternat geschaffene Werk hatte wohl auch nur wenige szenische Mittel zur Verfügung und musste sich weitest­gehend auf die stimm­liche Darstellung konzen­trieren. Die ganz auf sich selbst gestellte Konzen­tration des musika­li­schen Ausdrucks wirkt in den Solisten- und Chorpartien auch und gerade in einer Umgebung, die nicht etwa den klaren Ausdruck der Musik mit äußer­lichen Dekora­ti­ons­merk­malen einer Bühnen­um­gebung relativiert.

Wenn trotzdem gestische Elemente sehr bewusst und sparsam einge­setzt werden, erklärt sich das aus dem Ziel, den Gesang und die klang­liche Gesamt­wirkung des Chorkol­lektivs weiter auszu­prägen. Darstel­le­rische Gestik also zur Rückwirkung auf und Fortent­wicklung des stimm­lichen Klang­spek­trums und des gesang­lichen Ausdrucks. Das gelingt hervor­ragend, auch und obwohl die Chorpartien des Werkes mit sehr unter­schied­lichen Inhalten und rasch wechselnden Atmosphären umzugehen haben. In ihrer Wandel­barkeit sind an die Chorpartien damit sogar höhere Ansprüche als an die Solisten gestellt.

Foto © Florian Schmuck

Wie anspruchsvoll und zerbrechlich das Konzept ist, zeigte der Einsatz der Texte von Vergil durch einen Sprecher. Die sehr langen Passagen werden von Stefan Schad nicht mit dem notwen­digen Gefühl für die musika­lische Textur und auch sprachlich in sehr einsei­tiger Form vorge­tragen. Der Beitrag ermüdet zeitweise wenn er nicht gar den gesanglich so sensiblen Struk­tur­aufbau der Solisten und des Chores konterkariert.

Nicole Dellabona gibt eine eindrucksvoll-intensive Dido. Die klagenden Passagen ihrer Partie erfüllen mit großer emotio­naler Wirkung den Raum. Ihr zur Seite hören wir den jungen und noch jugend­licher wirkenden Sebastian Seitz in der Rolle des Aeneas. Wenngleich der Sänger auch in den zweifelnden und verin­ner­lichten Passagen überzeugt, so nimmt man seinem stimm­lichen Ausdruck und seinem unbeküm­merten Gestus unein­ge­schränkt ab, dass er sich von Dido trennen und dem Abenteuer bei vollen Segeln in andere Gefilde folgen muss.

Hanna Zumsande und Kerstin Dietl geben als Barock­spe­zia­lis­tinnen stimmlich rundum überzeu­gende Darstel­lungen als Belinsda und Second Witch sowie First Witch und Second Woman. Mirko Ludwig fügt sich mit überle­genem stimm­lichen Einsatz und markant-komischem Ausdruck als Sorcerer, Sailor und Spirit in die perfekte Barock­sänger-Riege ein.

Das unter anderem auf Barock­musik spezia­li­sierte Orchester der Hanno­ver­schen Hofka­pelle wird zusammen mit dem Chor von der Leiterin des Franz-Schubert-Chores, Chris­tiane Hrasky, geleitet. Nachdem es zunächst so scheint, als ob es der Dirigentin und Konzert­meis­terin Anne Röhrig etwas Mühe macht, alle Stimmen des Ensembles in den gleichen engagierten Aggre­gat­zu­stand zu bringen, singt und musiziert das musika­lische Ensemble schon bald mit großer und geschlos­sener Gemein­samkeit und Intensität.

Das auch aus den Verwandten und Naheste­henden der Chormit­glieder bestehende Publikum des gut besuchten Hauses mit vielen Jugend­lichen und Kindern darunter schätzt die Veran­staltung sichtlich und applau­diert lange und herzlich.

Es ist erstaunlich, zu welcher Leistung einer der größten Laien­chöre Hamburgs mit rund 100 Mitgliedern immer wieder fähig ist, und wie er sich auch über die Jahre weiter­ent­wi­ckelt. Dabei erhält er keinerlei Förderung, sondern finan­ziert sich ganz und gar aus eigenen Mitglied­bei­trägen und Hilfe­leis­tungen naheste­hender Freunde, wenn besondere Erfor­der­nisse anstehen. Gewiss, in Hamburg spricht man nicht über Geld – aber will man an dieser Stelle gar nichts zur Entwicklung der Musik­stadt Hamburg beitragen?

Achim Dombrowski

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