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Blendwerk

DON GIOVANNI
(Wolfgang Amadeus Mozart)

Besuch am
20. Oktober 2019
(Premiere)

 

Staatsoper Hamburg

Was hätte das für ein bitteres Déjà-vu für die Staatsoper Hamburg werden können. Als vor acht Jahren Mozarts Don Giovanni in der Insze­nierung von Doris Dörrie Premiere feiert, kochen schon zur Pause die Emotionen hoch. Auch Dirigentin Simone Young bekommt – etwas zu Unrecht – die Entrüstung des Publikums zu spüren. Während 2019 draußen das Hamburger „Shiet­wetter“ den Tag beherrscht, kommen drinnen die Zuschauer vom Regen in die Traufe. Vielleicht sollte man zukünftig an der Staatsoper darauf achten, dass kein Schau­spiel-Regisseur die Oper insze­niert und dass zweitens keine stumme Figur dazu erfunden wird. Bei Dörrie war es „La Morte“ und nun bringt Jan Bosse Amor respektive Tod ins Spiel – brillant verkörpert durch die Schau­spie­lerin Anne Müller. Sie verfügt über eine fantas­tische Körper­sprache und eine Mimik, die weit in die Zuschau­er­reihen hinein reicht.  Aber warum sie an diesem Abend um die Protago­nisten herum­wirbelt und sie beobachtet, warum sie am Ende aktiv an der Höllen­fahrt Giovannis mitwirkt, das kann auch sie nicht auflösen.

Aber noch weniger kann es der Regisseur. Warum genau Jan Bosse diese Oper insze­niert und was er über diese Oper, über ihre Figuren erzählen möchte, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Dabei ist es gar nicht so, als hätte der Regisseur keine Ideen. Er setzt die Videos von Jan Speckenbach ein, die abseits des Bühnen­ge­schehens die Figuren in ansonsten emotional verborgen geblie­benen Zuständen zu zeigen. Während sich das noch von selbst erklärt, bleibt die Perso­nen­führung relativ unscharf. Dazu werden halt die typischen Einfälle einer Don-Giovanni-Insze­nierung abgespult. Das, was man schon oft in den letzten Jahren gesehen hat.  Wenn etwas auf der Bühne die Augen reizt, dann sind es die Kostüme von Kathrin Plath, die auf moderne Art und Weise Charak­ter­ei­gen­schaften beschreiben. Nadel­streifen treffen auf Hosen­träger. Da werden gerne auch mal feminine und maskuline Kleidungs­typen gemischt. Zum Finale des ersten Aktes werden alle von Don Giovanni in silbernes Glitzer gepackt. Durch das Licht von Kevin Sock verwandelt sich die Bühne in ein chaoti­sches Spiel aus Licht und Schatten. Giovannis Verfolger maskieren sich, indem sie den gleichen Glitzer wie Alberich seinen Tarnhelm auf dem Kopf tragen. Überhaupt greift das Regieteam gerne auf Blend­ef­fekte zurück, was einer­seits schon ein passendes Attribut für Don Giovannis Treiben ist. Auf der anderen Seite scheinen sie selbst darüber hinweg­täu­schen zu wollen, dass sie ihre Ideen nicht zu einem kompletten roten Faden verbinden können. Auch das imposante Bühnenbild von Stéphane Laimé kreist hin und her, trans­por­tiert hohe Wände mit Türen und Fenster. Die Darsteller rennen hin und her, rauf und runter, singen hinter der Kulisse, auf ihr und vor ihr. Was bringt es? Nichts! Immerhin gelingt der zweite Akt etwas besser als der erste, aber auch nur weil Kevin Sock optisch mit dem Licht zaubert und der darstel­le­ri­schen Lange­weile immerhin etwas Atmosphäre gibt.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Zum Glück gibt es ja noch Adam Fischer, der Altmeister am Pult, dem man lieber beim Dirigieren zuschaut als der belang­losen Perso­nen­führung. Im hochge­fah­renen Orches­ter­graben ist er und seine inspi­rie­rende Art zu dirigieren deutlich zu sehen und zu hören. In seiner wunderbar auf Harmonien setzenden Inter­pre­tation fordert er Präzision vom Philhar­mo­ni­schen Staats­or­chester Hamburg, die vor allem die Streicher nicht immer einlösen können. Kleinere Ungenau­ig­keiten werden sich aber über die nächsten Vorstel­lungen ausbessern lassen. Dann heißt es zurück­lehnen und dieser ausge­feilten Inter­pre­tation zuhören, die im Gegensatz zur Insze­nierung einen roten Faden hat, ohne sich plakativ nach vorne drängen zu wollen.

Foto © Brinkhoff/​Mögenburg

Auch für das homogene Ensemble ist es schade, dass ihre Möglich­keiten nicht mehr gefordert werden. Kyle Ketelsen beispiels­weise, einer der besten Leporellos dieser Tage, kann die Rolle, die perfekt auf seinen Bass-Bariton passt, einfach so runter spulen. In Sachen Textge­nau­igkeit und Rollen­iden­ti­fi­kation reicht keiner an ihn heran. Auch Andrè Schuen muss sich mächtig anstrengen, sich von seinem Diener nicht den Schneid abkaufen zu lassen. Rein optisch ist dieser Sänger ein wahrer Don Giovanni, hochge­wachsen mit voller brauner Mähne. Seinen wirklich schön klingenden Bariton könnte er aber noch etwas mehr einsetzen. Da fehlt dann über weite Strecken doch die Leiden­schaft, die er sich für das Finale des zweiten Aktes aufbe­wahrt hat. Alexander Roslavets trans­por­tiert glaub­würdig die Eifer­sucht des Masetto. Alexander Tsymbalyuk überzeugt als Commen­datore sowohl als besorgter Vater als auch als überna­tür­liches Wesen, der die Rache an Don Giovanni stimm­ge­waltig vollzieht. Dovlet Nurgel­diyev bleibt als Don Ottavio in den Ensembles etwas unscheinbar, macht dafür aber seine Arien zu zwei schönen Kunstwerken.

Bei den Damen überzeugt am meisten Frederica Lombardi, die mit wohlklin­gender Verve die unglücklich verliebte Donna Elvira singt. Julia Kleiter wird – wenn sie im Hinter­grund positio­niert ist – von der Akustik der Staatsoper verschluckt. Ihr schön-silbriger Sopran ist vielleicht noch einen Hauch zu klein. Dafür aber setzt sie ihn technisch absolut sicher ein und kann ihren Abend mit einem emotio­nalen Non mi dir samt perlenden Kolora­turen krönen. Anna Lucia Richter spielt als kecke Zerlina mit den Tönen und erlaubt sich sogar einige „angeschmierte“ Töne, was aller­dings nicht zu der Inter­pre­tation von Adam Fischer passt. Nicht durch­gängig sicher präsen­tiert sich der von Eberhard Friedrich einstu­dierte Chor. Vor allem der Tenor schwä­chelt bei der Einladung Giovannis zum Fest.

Dank der musika­li­schen Seite rettet die Staatsoper dann doch noch ein – im Vergleich zur letzten Premiere – positives Ende. Aller­dings nicht für das Regieteam, das eine gewaltige Buh-Kaskade abbekommt und – eigentlich noch schlimmer – einen sehr dürftigen Applaus. Tatsächlich kommt aber im Laufe der Vorstellung der Gedanke auf, dass die Insze­nierung im Laufe ihrer vermutlich eher kurzen Laufzeit an der Staatsoper mit jeder Wieder­auf­nahme vielleicht sogar etwas besser werden könnte.

Rebecca Hoffmann

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