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Prima la voce

DER FLIEGENDE HOLLÄNDER
(Richard Wagner)

Besuch am
16. Februar 2018
(Premiere am 21. Januar 1996)

 

Staatsoper Hamburg

Seit 1996 ist die Produktion des fliegenden Holländers im Reper­toire der Staatsoper Hamburg und hat es in 22 Jahren auf 73 Vorstel­lungen gebracht. Nicht gerade üppig. Vielleicht liegt es auch daran, das die Insze­nierung von Marco Arturo Marelli nur sehr selten eine roman­tische Atmosphäre entwi­ckelt, geschweige denn dem Erlösungs­drama wirklich nachspürt. Wie seine Arbeit vor 22 Jahren gewirkt hat, kann man heute nicht beurteilen. Wirklichen Bühnen­zauber entwi­ckelt sein Bühnenbild nur in Verbindung von Manfred Voss‘ Beleuchtung, die dem angedeu­teten Natura­lismus das Leben einhaucht. Von Gewit­ter­stürmen bis zum maritimen Leuchten ist alles dabei. Dagegen sind die rot angeleuch­teten Taue, als Symbol für das Schiff des Holländers, die ein wenig schüchtern von der Seite herein­baumeln, wenig unheimlich. Dalands Taue, seine Wohnung aus Tuchwänden sind wesentlich dominanter. Sehr schön einge­setzt ist die Bühnen­technik, die den Wechsel aus Dalands Haus an die Küste erlaubt. Auf diese Art und Weise bleibt auch Sentas Ende, die dem Holländer nacheilt, ungewiss.

So nimmt die an sich sehr klassische Insze­nierung ein einziges Mal den Faden wieder auf, den sie in der Ouvertüre beginnt. Ein Junge verkraftet nicht, dass der heimkeh­rende Vater mit der Mutter im Nebenraum verschwindet. Er fühlt sich zurück­ge­stoßen, allein­ge­lassen, streift den schwarzen Mantel des Vaters über und verschwindet in der Kulisse. Zugegeben ein recht simpler, aber doch möglicher psycho­lo­gi­scher Ansatz für die komplexe Figur des Holländers. Aber einen Unter­schied macht das für die Insze­nierung nicht. In der Spiel­leitung von Heiko Hentschel kommt nicht mehr als saubere Nacher­zählung herum, wo die Spiel­szenen des ersten Aktes noch einiger­maßen funktio­nieren. Die intime Begegnung zwischen Senta und dem Holländer ist dann nur noch eine hilflose Kapitu­lation vor einem magischen Moment der Operngeschichte.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Die Stimmen retten diesen und andere Momente. So ist das eben, wenn die richtigen Sänger fern aller Regie­mätzchen das tun dürfen, was für die Oper so entscheidend ist. Nämlich singen. Bei der Besetzung, die einer Staasoper wie Hamburg würdig ist, hat man fast das Gefühl einer konzer­tanten Aufführung in einer netten Kulisse beizu­wohnen. Da fallen die kleinen Ungenau­ig­keiten des angenehm klingenden Chores noch etwas mehr auf, zumal ein Wagner-Veteran wie Eberhard Friedrich ihn einstu­diert hat. Sergei Ababkin, Mitglied des inter­na­tio­nalen Opern­studios, demons­triert als Steuermann viel Sicherheit in den hohen Tönen und ist darstel­le­risch sehr aktiv. Renate Springler ist eine würdige, hochge­wachsene Gouver­nante. Ein Daland mit der Stimme von Günther Groissböck ist purer Luxus. Hier verbindet sich eine natür­liche, deutliche Diktion mit einem wunderbar strömenden Bass. Zusammen mit John Lundgren wird das Duett im ersten Akt ein erster Höhepunkt. Lundgren ist nicht nur in Timbre und Erscheinung eine ideale Verkör­perung des Verdammten, er hat für die Partie auch die nötige Technik. So kann sich nicht nur aus ihm heraus die Verzweiflung Bahn brechen, sondern auch das leise verhaltene Moment der Hoffnung.

Foto © Brinkhoff/​Mögenburg

Darin werden er und die anderen Solisten von Johannes Fritzsch am Pult unter­stützt, der, ohne das Werk in die Länge ziehen, den lyrischen Nuancen einen großen Raum zumisst. Das ist auch förderlich für Daniel Behles Rollen­debüt als Erik, der seine Phrasen mit feiner Senti­men­ta­lität füllen kann. Die Erfahrung im Liedgesang kommt ihm hier deutlich zugute, da er jeden Satz wirklich klingen lässt und sauber abphra­siert. Gleichzeit vermag er auch die heißblütige Seite des Jägers zu trans­por­tieren, ohne je seine Stimme unter übermä­ßigen Druck zu setzen. Ebenso dankbar regis­triert man auch, dass Ingela Brimberg als Senta drama­tisch klingt, aber eben nie schrill und unter Überdruck. Auch sie geht jede Phrase überlegt an, lässt sich Zeit für Entwick­lungen und wirkliche Gefühle. Die Ballade singt sie nicht wie eine Furie, sondern eben so, wie man ein spannendes Schau­er­märchen erzählt.

Auch Fritzsch setzt das Fortissimo äußert sparsam ein, damit er allen Nuancen der Partitur gerecht wird. Das Philhar­mo­nische Staats­or­chester Hamburg klingt leider anfangs doch etwas unruhig, so dass viele Feinheiten verloren gehen und auch die kraft­vollen Blech­bläser ins Matte abdriften. Nach und nach kommt dann zusehends mehr Struktur und Sicherheit in den Klang, so dass Wagners Musik genau die richtige Balance zwischen natura­lis­ti­scher Lautma­lerei und psycho­lo­gi­scher Deutung erhält.

Welche Details man im Piano noch hätte vernehmen können, kann nur vermutet werden. Denn eine nicht geringe Anzahl der Opern­be­sucher pflegt den Husten aus La Bohème und das gerne auch, ohne ihn in irgend­einer Form zu verstecken. Husten wie auch die passenden Bonbons hört man ja auch am liebsten, wenn es gerade so richtig schön ruhig im Opernhaus ist. Inter­es­san­ter­weise bemerkt man dagegen von einer anwesenden Schul­klasse keine einzige Störung. Die zahlreichen Bravos für die Sänger hätten noch kräftiger ausfallen dürfen. Für die Insze­nierung sollte die Frist bald abgelaufen sein.

Christoph Broermann

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