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Foto © Karl Forster

Katjas Traum von den Vögeln

KATJA KABANOVA
(Leoš Janáček)

Besuch am
4. Oktober 2019
(Premiere am 7. April 2002)

 

Hambur­gische Staatsoper

Es muss schon einen beson­deren Grund geben, wenn in einem Opernhaus eine nicht mehr ganz taufrische Produktion aus dem Jahre 2002 wieder auf die Bretter kommt. Im Falle dreier Reper­toire­vor­stel­lungen von Katja Kabanova an der Hambur­gi­schen Oper ist das in erster Linie die Besetzung der Titel­partie mit der begna­deten Sängerin Olesya Golovneva.

Wir erleben das Schicksal einer jungen Frau, geprägt durch die beschränkten Lebens­welten und bigotten Moral­vor­stel­lungen Russlands in der Mitte des 19. Jahrhun­derts. Getrieben von einer selbst­zer­stö­re­ri­schen, an äußeren Normen fixierten morali­schen Haltung, wagt Katja nur kurz den Ausbruch aus ihrer unglück­lichen, gewalt­ge­prägten Ehebe­ziehung und dem herri­schen Diktat ihrer Schwie­ger­mutter und nähert sich scheu einem anderen Mann, Boris, dem Neffen des Kaufmanns Dikoj. Sie hält jedoch selbst den Zwiespalt nicht aus und ertränkt sich unter Selbst­an­klagen in der Wolga. Als Vorlage dient das Schau­spiel Gewitter von Alexander Ostrowski aus dem Jahr 1859. Janáček hat den Text für seine 1921 in Brünn urauf­ge­führte Oper selbst geschrieben.

Die Insze­nierung von Willy Decker ist ganz wesentlich auf die Achse Katja und ihrer Schwie­ger­mutter Kabanicha angelegt. Hier begegnen sich zwei starke Frauen in einem Umfeld von überaus schwachen männlichen Charak­teren. Die Kabanicha kennt sehr wohl die Seelenlage der jungen Frau, sie mag in ihrer Jugend ähnlich empfunden haben. Doch kann sie nicht aus ihrer Haut und will zwanghaft ihre Schwie­ger­tochter auf dem gleichen Weg der Enge und Begrenztheit halten, der sie selbst letztlich hat versteinern lassen. Katja treibt sie damit in den Tod, was sie in der letzten Szene des Werkes ungerührt hinzu­nehmen scheint.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Dazu hat der Bühnen- und Kostüm­bildner Wolfgang Gussmann beklem­mende Bilder geschaffen: die Bühne ist ein im Hinter­grund sich veren­gender und zulau­fender Kasten aus übergroßen Holzbrettern, die sich ausschnitt­weise öffnen und zum Bühnen­ho­rizont hin übergroße Schwarz-Weiß-Bilder von Vögeln sichtbar werden lässt. Hier greift die Visua­li­sierung Katjas abstrakte Vision auf, wonach sie sich die Freiheit eines in die unend­liche Weite entschwe­benden Vogels erträumt. Der freie Flug der Vögel bleibt für Katja jedoch unerreichbar, ihr Flugversuch mündet schließlich in ihren todbrin­genden Sprung in die Wolga.

Die Besetzung aller Gesangs­partien erfolgte ungemein sorgfältig und mit bestem Ergebnis. Das Haupt­au­genmerk gebührt Olesya Golovneva als Katja. Noch nie hat man die spezi­fische Gesangs­linie Janáčeks so bewegend erlebt. Golovneva sinkt ganz eng am Gestus der tsche­chi­schen Sprache mit dem ihr eigenen, gesanglich teilweise spröden Duktus. Dabei vermeidet die Sänger­dar­stel­lerin jede unange­messene Opulenz in Gesang und Darstellung. Ihre noch junge, unver­brauchte, außer­or­dentlich beweg­liche Stimme kann selbst die kleinsten sprachlich gegrün­deten Modula­tionen erfassen und stimmlich sinnhaft formen. Die in Janáčeks Musik­sprache auf diesem spezi­fi­schen Wort-Ton-Geflecht gründenden gesang­lichen Phrasen und Bögen erblühen mit unver­gleichlich bewegendem, emotio­nalem Ausdrucks­gehalt. Die junge Sängerin steht ohne Zweifel am Anfang einer sehr vielver­spre­chenden Karriere.

Foto © Karl Forster

Katjas Gegen­spie­lerin und doch Verwandte in Geist und Herz ist mit Hanna Schwarz als Schwie­ger­mutter Kabanicha wirkmächtig besetzt. Die ungebro­chene Bühnen­präsenz der Schwarz ist immer gepaart mit dem klugen Einsatz des ihr zur Verfügung stehenden stimm­lichen Materials. Die Frauen begegnen sich wie in unbewusstem Einver­ständnis. Auch Schwarz setzt dabei auf Zwischentöne, kein herri­sches Auftrumpfen durch dominante stimm­liche Gesten.

Mit fast kindlichem Ausdruck in den volks­lied­haften Teilen ihrer Partien bewähren sich klang­schön und wie Licht­blicke in der Düsternis der aussichts­losen Handlung Ida Aldrian und Oleksiy Palchykov als das junge Liebespaar Varvara und Wanja.

Diffe­ren­zierte Charak­ter­studien liefern Oliver Zwarg als trinkender und gewalt­be­reiter Dikoj sowie Edgaras Montvidas als sein von ihm unter­drückter und materiell abhän­giger Neffe Boris. Der von seiner Mutter tyran­ni­sierte Ehemann Katjas, Tichon, wird überzeugend von Jürgen Sacher dargestellt.

Der Chor der Staatsoper Hamburg unter der Leitung von Christian Günther rundet das musika­lische Stimmungsbild gelungen ab.

Das Philhar­mo­nische Staats­or­chester unter Johannes Harneit spielt einen wenig pointierten Janáček ohne Ecken und Kanten, begleitet aber immerhin die Sänger behutsam und deckt sie nie zu. An Auffüh­rungen von Janáček-Opern unter dem Dirigat von Susanna Mälkki darf man da aller­dings nicht denken.

Nachhal­tiger Applaus für die Sänger mit vielen bravi für Olesya Golovneva in einer nur schlecht besuchten Aufführung.

Achim Dombrowski

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