O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Selbst für italienische Opernplots ein Hochspannungssujet: Die Hohepriesterin Norma hält ihr eigenes Volk lange Zeit davon ab, sich mit Gewalt gegen ihre kriegerischen Besetzer zu wehren. Nachdem sie selbst bekennen muss, dass sie ein Verhältnis und zwei Kinder mit dem Anführer der Besatzungsmacht hat, geht sie ins Feuer, um die Schuld gegenüber ihrem eigenen Volk zu sühnen. Zuvor musste sie ertragen, dass sich ihr Geliebter Adalgisa zugewandt hat, die ihn aber abweist, nachdem sie erfährt, dass Norma ihn liebt.
Regisseurin Yona Kim, Bühnenbildner Christian Schmidt sowie Falk Bauer, der für die Kostüme verantwortlich zeichnet, zwingen ihre Betrachter, sich denn auch fortwährend eine Realität von Entbehrung, Zwiespalt, Schuld und Verzweiflung zu vergegenwärtigen, die dieses Sujet für alle Beteiligten unausweichlich in sich trägt.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
So versteckt Norma ihre Kinder in einem Container unter dem Waldboden und versucht, ihnen dort aussichtslos eine Kindheit in Spiel und Unschuld zu vermitteln.
Wiederholt werden Bilder einer für das Individuum unausweichlichen, kollektiven Gewaltandrohung, auch innerhalb der besetzten Bevölkerungsgruppe, sichtbar, wenn Messer aufblitzen oder die als Priesterinnen in Isolation gehaltenen Jungfrauen von den Glaubensschwestern gezüchtigt werden. An anderer Stelle werden hinter einem Gazevorhang schemenhaft blutbeschmierte Figuren erkennbar, die sich auf das Ritual eines Menschenopfers vorzubereiten scheinen oder es gerade vollziehen. Solche Bilder erscheinen den gesamten Abend und graben sich in das Bewusstsein und Unterbewusstsein des Betrachters. Dem Druck ist nicht zu entkommen. Wie die handelnden Personen der Oper bleibt der Zuschauer dieser Tortur ausgesetzt.
Nur ganz selten, wie etwa beim stummen Erscheinen von Normas Geliebtem Pollione während ihrer Arie Casta Diva im ersten Akt, werden positive Sehnsuchtsbilder sichtbar.
Die Personenführung ist betont einfach, insbesondere beim Chor. Die Szenen dumpfer Gewaltandrohung werden als statuarische, stereotype Tableaus inszeniert. Auch die Führung der Sängerdarsteller ist frei von aller Überhöhung. Die Personen bewegen sich unprätentiös, fast simpel, oft im vorderen Bereich der Bühne. Das erhöht die Wirkung der universell präsenten Bedrohung und Ohnmacht oder kreiert statische Plateaus, auf denen sich die Sehnsucht der Menschen nach Liebe und Zuneigung im Gesang entfalten kann und muss.
Unter den Anspannungen der Handlungsverwicklungen und dem psychischen Druck auf die Charaktere, sowie der optischen Umsetzung auf der Bühne, erscheint der Gesang wie eine natürliche Reaktion, eine notwendige, befreiende menschliche Äußerung. Die szenische Abstraktion bei Handlung und fortwährender inhärenter Bedrohung sind eingewoben in ein gesamthaftes Erscheinungsbild und stellen sich nicht zwischen Szene und Musik. Die Form entspricht in gewisser Weise dem fein-abgestuften, sich beständig und unauffällig fortentwickelnden, harmonischen Klangbild der Partitur Bellinis.

Hier genau kommt schließlich das Wunder des Gesangs zur Geltung. Und von einem Gesangswunder muss angesichts der Besetzung der Norma mit Marina Rebeka und Diana Haller als Adalgisa unbedingt gesprochen werden. Rebeka spielt die Zerrissenheit der Partie mit großer darstellerischer Autorität. Ihre stimmliche Ausdrucksvielfalt über die langen – und überdies in der Regel eher langsam dirigierten – Melodiebögen ist spannend und facettenreich ausgestaltet und von ungeheuer präziser Gestaltungskraft. Dasselbe gilt auch für die in Hamburg debütierende Mezzosopranistin Haller als Adalgisa. Atemberaubender Höhepunkt des Abends sind die Duett-Szenen der beiden Sängerinnen, die an ausgereifter Abstimmung, nuancenreicher Tongebung sowie musikalischem Ausdruck nicht überbietbar erscheinen.
Marcelo Puente als Pollione ist mit seinem baritonalen Tenor für die Partie glänzend besetzt, auch wenn er bei den Höhen und im allgemeinen Stimmausdruck nicht ganz mit der Natürlichkeit und Differenziertheit der Frauen mithalten kann. Liang Li gibt mit sonorer und wendiger Bass-Stimme einen in jeder Hinsicht überzeugenden Oroveso, Vater Normas und Anführer des besetzten Volkes. Gabriele Rossmanith schließlich überzeugt als zuverlässige Clotilde.
Der Chor der Staatsoper Hamburg überzeugt stimmlich mit Präzision und klar abgestufter Diktion. Die oft statischen Darstellungs-Tableaus mögen den Sängern entgegenkommen.
Matteo Beltrami, der relativ kurzfristig die musikalische Leitung anstelle von Paolo Carignani übernommen hat, vermag das bestens disponierte Philharmonische Staatsorchester sicher und nuanciert zu führen. Grundsätzlich werden langsame Tempi bevorzugt, die Abstufung der Instrumentengruppen untereinander gelingt hervorragend.
Jubel und bravi für die beiden Protagonistinnen des Abends Marina Rebeka und Diana Haller. Großer Beifall für Marcelo Puente und Liang Li, ebenso wie für Beltrami und die Philharmoniker. Das Regieteam kommt beim Schlussapplaus nicht gut weg. Ganz offenbar will das Hamburger Publikum noch immer die Musik in lieblichen Bildern von irritationsfreier Schönheit genießen.
Achim Dombrowski