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Foto © Axel Herzig

Mozart mit Rahmstufe

DON GIOVANNI
(Wolfgang Amadeus Mozart)

Besuch am
23. August 2018
(General­probe)

 

Open-air am Neuen Rathaus, Hannover

Bereits zum fünften Mal findet das NDR-Klassik-Open-Air statt. Nach Tosca, La Bohème, La Traviata und Rigoletto muss nun Mozarts Don Giovanni auf der Bühne hinter dem Neuen Rathaus in Hannover zur Hölle fahren. Die Kulisse im späten Abend­licht ist himmlisch. Der palast­ähn­liche Prachtbau von 1913, der tatsächlich ein tolles Schloss für den Edelmann abgäbe, ist wunderbar stimmungsvoll illumi­niert. Am Maschteich hinter dem Rathaus ist die Bühne aufgebaut, die sich Sänger und die NDR-Radio­phil­har­monie teilen. Gut 2000 Zuschauer finden vor der Bühne einen Sitzplatz. Die anderen inter­es­sierten Opern­be­sucher lassen sich kostenlos im Maschpark nieder. Die Oper können sie dort im Picknick-Ambiente „nur“ auf Leinwänden verfolgen, aber haben dafür immer den traum­haften Blick auf die gesamte Kulisse. Das ist Nieder­sachsens Pendant zu den atmosphä­ri­schen Stein­tri­bünen der Arena von Verona.

Mittler­weile hat sich diese „Oper für alle“ einen Namen gemacht. Der Ansturm auf die Karten für die einmalige Aufführung am Samstag ist so enorm, dass man die General­probe am Donnerstag auch in den offenen Verkauf bringt. Üben unter realen Bedin­gungen also, auch für die Techniker, die die Liveüber­tragung am Samstag vorbe­reiten. Was das Auffüh­rungs­er­lebnis am Rathaus doch etwas stört, ist das dort umher­lau­fende Kamerateam, das für eine gelungene Aufnahme natürlich auch mal vor den Zuschauern stehen bleiben muss. Die Kamera­leute geben sich dabei aller­dings so viel Mühe, leise und unauf­fällig zu sein, dass genau das Gegenteil eintritt. Zudem muss man in der zeitver­setzten Liveüber­tragung der Aufführung am Samstag feststellen, dass das mobile Kamerateam nur selten gewinn­bringend einge­setzt wird. Den Großteil der Arbeit leistet der links positio­nierte Kamerakran, der eindrucksvoll dort über den Köpfen der Menschen schwebt. Fest instal­lierte Bühnen­ka­meras filmen aus den Hinter­grund mit Blick auf den Dirigenten. Der elektrisch verstärkte Ton ist bei der Aufführung tatsächlich besser als erwartet, nur verdickt er die großen Ensem­ble­szenen im Klang zu einem Einheits­forte. Bei der Übertragung ins heimische Wohnzimmer ist der Klang wieder wesentlich schlanker, aber auch nicht ganz so nuanciert. Die wenigen akusti­schen Störungen bei der General­probe sind bis zur Aufführung am Samstag beseitigt.

Ob man vor der Bühne mehr von der Oper hat, ist fraglich. Bei aller Ehre für Michael Valentin, der die halbsze­nische Aufführung in nur wenigen Tagen einrichten muss. Aber das hätten die gestan­denen Sänger auch ohne Anleitung hinbe­kommen. Ein paar schöne Auftritte über die Wege vor dem Rathaus sind bemer­kenswert. Dagegen ist die Ermordung des Komturs, der mit einem Katana bewaffnet auf Don Giovanni losgeht, mehr als peinlich. Der Rest ist solides Umher­gehen vor oder hinter dem Orchester. Alter­nativ nimmt man auf dem rechts deponierten Sofa Platz.

Da hat man das Gefühl, dass die Sänger aus sich heraus einfach schon das Nötigste leisten können. Luca Pisaroni schüttelt seinen Leporello ja mit links aus dem Ärmel. Ohne falsche Mätzchen lässt er seinen Bassba­riton mit dieser wunder­baren Aussprache frei fließen und bringt mehr als genügend Ausstrahlung für diese Art Opern­event mit.  Er stand auch schon mit Ludovic Tézier als Don Giovanni zusammen auf der Bühne, so dass das Zusam­men­spiel zwischen den beiden auch funktio­niert. Tézier ist eher ein Giovanni der alten Schule, der seinen Bariton mit italie­nisch-geschultem Legato elegant und großfor­matig einsetzt. Ein klassi­scher Kavalier­ba­riton, der die Canzo­netta zu einem echten Schmacht­fetzen macht oder auch die Verführung von La ci darem la mano ganz weit aussingt. Dass er dieses Duett mit seiner Frau Cassandre Berthon in der Rolle der Zerlina singt, macht es natürlich noch etwas schöner. Berthon wirkt in der General­probe noch etwas unsicher, steigert sich dann aber zu der Aufführung am Samstag.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Umgekehrt liegt der Fall bei Malin Byström, deren Höhen am Samstag im Fernsehen müder klingen. Der Liveein­druck ihrer Donna Anna ist mit ihren schönen Obertönen, die sie leider nicht immer abruft, und ihrer nie nachlas­senden Inten­sität wesentlich stärker. Noch mehr ins Gedächtnis singt sich Jennifer Holloway als Donna Elvira, die im ersten Akt mit furioser und dennoch kontrol­lierter Attacke ihrem Exmann Giovanni das Leben schwer macht und dann den zweiten Akt mit schmerz­licher Resignation erfüllt. Eine Entde­ckung ist der Tenor Paolo Fanale als Don Ottavio. Einer­seits ein wunder­schönes Timbre, dass in den langen Phrasen von Dalla sua pace so richtig zum Leuchten kommt. Glück­li­cher­weise darf er die Arie singen, obwohl man sich für die Prager Fassung entschieden hat. Ander­seits merkt man, dass Ottavio für ihn kein lahmer Verlobter ist, denn er bringt sich mit markantem Auftritt auch in die Ensembles ein. Dass ihm noch ein bisschen das Entschlossene für Il mio Tesoro fehlt, ist vermutlich nur eine Frage der Entwicklung des jungen Tenors. Ebenso eine Entde­ckung ist Krysztof Baczyk als Masetto, der dank Stimme und Bühnen­präsenz bald in größere Aufgaben hinein­wachsen wird. Der erste Auftritt von Michael Dries als Commen­datore ist kläglich; sein zweiter, wichti­gerer Moment, die Höllen­fahrt, gelingt zum Glück etwas besser. Christian Günther hat den NDR-Chor für seinen kleinen Anteil vorbe­reitet. Hier fällt auf, dass die Tenöre im Volumen etwas zulegen könnten.

Foto © Axel Herzig

Die NDR-Radio­phil­har­monie enttäuscht etwas mit leicht unsau­beren Einsätzen. Ein Manko, dass sie auch bei der Übertragung am Samstag nicht in den Griff bekommt. Zudem erwischen die Blech­bläser dann auch einen schlechten Abend. Unter der Leitung ihres unermüdlich dirigie­renden Andrew Manze erschaffen sie das schlanke Klangbild der histo­ri­schen Auffüh­rungs­praxis. Gleich­zeitig wählt der aber größten­teils sehr ruhige Tempi, so dass sich dadurch weite, voll ausmu­si­zierte Bögen ergeben. Das Ergebnis: Dieser Don Giovanni kommt entgegen aktueller Strömungen nicht mit fettarmer Leich­tigkeit daher, sondern ist mit ordentlich Rahmstufe angerührt.

So wird es eine sehr lange Aufführung, was offen­sichtlich auch irgendwann das Publikum der General­probe bemerkt. Ab der Mitte des zweiten Aktes herrscht Aufbruch­stimmung. Die ersten 100 Leute gehen leider nicht geräuschlos. Sicher, ein Opern­besuch, der erst nach Mitter­nacht endet, ist unter der Woche so eine Sache. Aber das sollte man sich vorher überlegen, dass eine um 21 Uhr begin­nende Oper auch dementspre­chend dauern wird. Der nächste Schwung geht, kaum dass Don Giovanni dem Teufel nach seiner Höllen­fahrt Guten Tag sagen konnte. Die Übrigen bekommen es immerhin hin, die Applaus­ordnung abzuwarten. Wo ist der Respekt für Künstler, die ihre General­probe voll und quali­tativ aussingen, um mehr Menschen die Gelegenheit des musika­li­schen Genusses zu geben? Immerhin ist es um das Premie­ren­pu­blikum am Samstag wesentlich besser bestellt, das größten­teils trotz ungewohnt frostiger Tempe­ra­turen mit langem, kräftigem Beifall aufwartet.

Für die Verant­wort­lichen ist ein neuer Rekord ein Ansporn weiter­zu­machen: 44.000 Besucher haben die Auffüh­rungen am Donnerstag und Samstag vor Ort verfolgt.

Christoph Broermann

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