O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Oliver Vogel

Schmetterling in der Strandmuschel

MADAMA BUTTERFLY
(Giacomo Puccini)

Besuch am
12. Juli 2024
(Premiere am 4. Juli 2024)

 

Opern­fest­spiele Heidenheim, Konzerthaus

Madama Butterfly gehört mit zu den belieb­testen Opern. Bei den Besuchern wohlge­merkt. Die Regis­seure beißen sich zum Teil daran die Zähne aus. Nicht so Rosetta Gucchi in Heidenheim, die die fast dreistündige Oper mit einer klug durch­dachten Perso­nen­führung reali­siert. Leider kann die besuchte Aufführung nicht im Rittersaal der Schloss­ruine statt­finden, das Wetter spielt nicht mit.

Die Geschichte ist hinrei­chend bekannt. Der Marine­leutnant Pinkerton aus den USA trifft in Japan auf die fünfzehn­jährige Cio-Cio-San, die Geisha Butterfly. Er begehrt und heiratet sie nach japani­schem Recht. Das ist für ihn eher ein Abenteuer ohne Rücksicht auf die Gefühle Butterflys: „… che di rincorrerla furor m’assale – se pure infran­gerne dovessi l’ale“ – … dass mich ein wildes Verlangen packt – selbst wenn ich ihre Flügel zerreißen müsste. Von vorne­herein ist ihm klar, dass er später nach ameri­ka­ni­schem Recht nochmals heiraten wird. Für Cio-Cio-San bedeutet diese Ehe alles, sie opfert ihre Religion dafür und wird von ihrer Familie verstoßen. Und als Pinkerton nach Amerika zurück­kehrt, hofft sie, inzwi­schen von ihm Mutter geworden, jahrelang unbeirrbar auf seine Rückkehr. Es kommt, wie es kommen muss, Pinkerton erfährt von dem Kind und kommt mit seiner inzwi­schen ihm angetrauten ameri­ka­ni­schen Frau zurück, um das Kind zu holen. Butterfly aber begeht angesichts der ausweg­losen Situation Selbstmord.

Foto © Oliver Vogel

Was innerlich ein großes Drama darstellt, zeigt äußerlich wenig Bewegung. Die Handlung spielt zunächst auf einem Hügel bei Nagasaki und später in Butterflys Haus. Regis­seurin Gucchi verlegt das Geschehen in eine Vergnü­gungs­meile mit Prosti­tu­ierten in den Fenstern, in der sich Pinkerton anfangs Appetit verschafft auf weitere Vergnü­gungen. In ihrer sehr subtilen Perso­nen­regie legt sie großen Wert auf die Negativ­zeichnung Pinkertons, anfangs im grell­bunten Hawaiihemd daher­kommend, der sich in der Manier eines modernen Sextou­risten geriert – die Kostüme hat Claudia Perni­gotti geschaffen. Cio-Cio-San ist die jugend­liche Unbedarfte, die Schwär­me­rische, Leidende. Perni­gotti hat der Geisha zunächst ein weiß-blaues Matro­sen­kleidchen, später einen weißen Kimono zugewiesen. Auch in den Kostümen weiterer Figuren wird der Gegensatz zwischen Japan und Amerika verdeutlicht.

Bühnen­bildner Tesche hat hierfür einen muschel­ähn­lichen Bau aus weißen Streben entworfen, um den und in dem sich alles abspielt. Auf Dauer erschöpft sich das Bild allmählich, auch wenn mit kleinen Acces­soires gearbeitet wird – so fliegen am Ende weiße Luftballons aus einer gläsernen Box wie die Träume der Haupt­figur hinweg.

Olga Busuioc als Cio-Cio-San verfügt über eine wirklich große lyrisch-drama­tische Stimme. Tut sie sich anfangs noch etwas schwer, sie dem Raum anzupassen, wird sie im Laufe der Aufführung geschmei­diger, sensibler und zeigt vermehrt schöne Piani und ein durchaus einneh­mendes Timbre. Insgesamt ist sie eine intensive und Mitgefühl erregende Darstel­lerin, der die Zuschauer gerne folgen. Eine jugend­liche, 15-jährige Geisha vermittelt sie durch ihr Spiel, stimmlich würde man sie von der Färbung und Stimm­gebung her eher in etwas drama­ti­scheren Rollen ansiedeln.

Foto © Oliver Vogel

Héctor Sandovals von der Brust­stimme kommender Tenor passt gut zu dem potenten, unerbitt­lichen Macho, den er darstellt. Manchmal etwas grob, mit nur sparsamen Piani singt er den Pinkerton. Julia Rutig­liano ist eine sehr ausdrucks­starke Suzuki, die mit ihrem fülligen, runden und dunkel gefärbten Mezzo­sopran in den Duetten mit Cio-Cio-San sehr gut gefällt. Ebenso anspre­chend ist Gerrit Illen­berger als Konsul Sharpless, hier ist der Name der Figur Programm, singt er doch einen sehr frei strömenden, warmen Bariton, eine Ideal­be­setzung für diese vermit­telnde, einfühlsame Rolle. Musa Nkuna, der im letzten Jahr in Heidenheim schon in einer kleinen Produktion als Woyzeck brillierte, fällt auch hier sehr angenehm mit hellem, gut verständ­lichem Tenor und ausdrucks­starkem Spiel auf. Alle weiteren kleineren Rollen sind durchwegs gut besetzt.

Der Tsche­chische Philhar­mo­nische Chor Brünn zeigt unter der Einstu­dierung von Joel Hána und unter der Leitung von Petr Fiala einmal mehr sein absolut überzeu­gendes Können, sei es im blitz­sauberen, oberton­reichen und harmo­ni­schen Gesang oder im ergrei­fenden Summ-Chor.

Marcus Bosch leitet die Stutt­garter Philhar­mo­niker mit viel Dramatik und großer Emotion, stellt die Konflikte durch die Musik klar heraus und langt insbe­sondere bei Cio-Cio-Sans Eupho­rie­aus­bruch angesichts der Rückkehr Pinkertons kräftig zu. Ganz deutlich und in vielen instru­men­talen Figuren fein heraus­ge­ar­beitet, weiß das Orchester mehr als die Protago­nisten auf der Bühne, entwi­ckelt die Dramatik des Geschehens fernab einer eingleisig-süßlichen Interpretation.

Die Heiden­heimer Butterfly ist noch bis zum 27. Juli zu sehen, mit viel Glück in diesem verreg­neten Sommer auch in der Schlossruine.

Jutta Schwegler

Teilen Sie O-Ton mit anderen: