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WOLLUST
(Antonio Vivaldi)
Besuch am
11. November 2018
(Einmalige Aufführung)
Wenn neben den Todsünden Zorn, Hochmut, Neid, Völlerei, Faulheit und Geiz auch noch die Wollust genannt wird, erwartet der Besucher in Ausstattung und Darbietung eine eher opulente Aufführung. in Herne halten es die Veranstalter dieser konzertanten Vivaldi-Aufführung eher mit der Tugend der Bescheidenheit. Und so wird aus dem „überhitzt erotisierten“ Opernhöhepunkt ein dreistündiger Konzertabend mit Vivaldi-Kompositionen, zu denen eigentlich lebhafte Bühnenszenen gehören. Aber die Besucher wissen, was sie bei den Tagen Alter Musik in Herne erwartet.
Andrea Marcon, erfahrener und bestens ausgewiesener Spezialist in der Orchestermusik des Barocks hat mit dem La Cetra Barockorchester Basel ein vorzügliches Ensemble von Solisten zur Hand, die sich souverän in der Partitur mit und ohne Dirigenten bewegen. Marcon lotet das Klangvolumen seines gut zwanzigköpfigen Ensembles nur zurückhaltend aus und orientiert sich damit an dem Prinzip, diese frühe Musik deutlich leiser zu intonieren als heutige Präsentationen. Das gilt auch für sein eigenes Spiel am Cembalo.

Dafür stehen die Sängerinnen und Sänger der sich auf drei Akte verteilenden Arien und Rezitative im Mittelpunkt der Aufführung – zur Freude der Zuhörer. Die Geschichte, einfach und „klassisch“, ist schnell berichtet: Vor dem Hintergrund der Olympischen Spiele in Griechenland bittet Licida seinen Freund Megacle, statt seiner und unter seinem Namen an den Wettkämpfen teilzunehmen und um den Siegespreis Aristea zu kämpfen, der Tochter des griechischen Königs Clistene. Um sie wirbt Megacle schon seit Längerem. In dieser Dreiecksgeschichte entspannen sich alle Verwicklungen, Eifersüchteleien und Intrigen, die zu einer Oper gehören und die Zorn, Hochmut, Neid und Wollust bestens gedeihen lassen. Verständlich, dass da beim Zuhörer die Wünsche nach opulenten Bühnenbildern, explodierenden Darstellern und emotionsgeladenen Stimmausbrüchen entstehen. In der konzertanten Aufführung bleibt das gemäßigt, partiturgerecht und ein wenig distanziert.
Dabei hat Marcon außer einem feinsinnig abgestimmten Orchester ein ausgezeichnetes Gesangsensemble an seiner Seite. Carlos Mena und Kangmin Justin Kim überraschen als Countertenöre mit klaren, dennoch im Ausdruck unterschiedlichen Stimmen, bei denen Kangmin die stärkeren Emotionen zeigt. Vasilisa Berzhanskaya bringt mit weichem Mezzosopran die umworbene Aristea ausdrucksstark, Federica Carnevale, ebenfalls Mezzosopran, überzeugt auch in Höhenlagen. Anna Aglatova belebt die Szene darstellerisch wie stimmlich mit temperamentvollem Vortrag. Ein wenig im Hintergrund bleiben Sergio Foresti und José Coca Loza, der im letzten Akt noch einmal mit vollem, tiefem Bass die Zuhörer überzeugt.
Zum Schluss haben die Solisten gemeinsam keine Mühe, im Chor den Wunsch des Volkes zum Happy End zu intonieren: „… und störe nicht die heilige Zeremonie“. Dann erklingt aufbrausend und langanhaltend der Beifall des begeisterten Publikums, von dem sich viele die Daten für die Tage alter Musik in Herne im kommenden Jahr schon vorgemerkt haben – ein Musikereignis, auf das man sich freuen kann. Dann wird sich zeigen, ob sich auch in Herne alle Besucher „kopfüber ins Vergnügen“ stürzen.
Horst Dichanz