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Foto © Steffen Sennewald

Prominenz auf der Bühne

SOMMERNACHTSTRÄUME
(Joern Hinkel)

Besuch am
22. Juni 2025
(Premiere am 20. Juni 2025)

 

Bad Hersfelder Festspiele in der Stiftsruine

Es war schon etwas unfreundlich vom ZDF nach der Premiere in ihrer Nachrich­ten­sendung Heute, in Bad Hersfeld nur die Provinz zu sehen und den Anspruch als „Salzburg des Nordens“ als etwas großspurig zu maßregeln. Als ob Mainz der Nabel der Welt sei. Was aber auch die Mainzer an der Posse auf der Bühne der Stifts­ruine überraschte, war das große und durchweg gut besetzte Schauspiel-Ensemble.

Angesichts der Neufassung des beliebten Shake­speare-Stücks zu musika­lisch beglei­teten Sommer­nachts­träumen war Joern Hinkel als Mitautor und Intendant gut bedient damit, einige bei deutschen Musical-Produk­tionen erprobte junge Künstler mit auf die Bühne zu holen. Ein guter Ansatz, das große Orchester der Bad Hersfelder Festspiele auch bei Produk­tionen im Schau­spiel einzu­setzen. Jörg Gollasch, der schon zuvor Musik für die Festspiele kompo­niert hat, ist auch diesmal für neue Begleit­musik für das Orchester zuständig.

Deutlich drückt Hinkel dem Premie­ren­stück seine persön­liche Duftmarke auf. Für den schei­denden Everding-Schüler, der die Intendanz der Festspiele von seinem Vorgänger Dieter Wedel 2018 als sein Stell­ver­treter übernahm, sind die 74. Bad Hersfelder Festspiele seine letzten. 2026 übernimmt die Wienerin Elke Hesse erneut das Ruder, die es bereits in den 2000-er Jahren innehatte. Shake­speares Sommer­nachtsraum dient bei der Hinkel-Version unüber­sehbar als Grundlage, der er nicht nur durch musika­lische Begleitung, sondern auch durch Einbindung von mehreren Liebes­paaren aus anderen Shake­speare-Stücken und einigen Songs und Orches­ter­be­gleitung neues Leben einhauchen will. Dafür versetzt er die Komödie vom antiken Athen ins ausge­hende 19. Jahrhundert, was eigentlich egal ist, denn zu jeder Zeit gab und gibt es Liebende und jede Menge Irrungen und Wirrungen.

Wenn man das wie Shake­speare geschickt verpackt und mehrere Geschichten mitein­ander verknüpft, darf man mit Lachern rechnen. Das funktio­niert auch bei Hinkels Fassung, der für das – anders als zur stark von Prominenz und aus Südhessen besuchten Premiere – oft aus der nordhes­si­schen Region angereisten Publikum einiges an eindeutig Zweideu­tigem und humorigen Klamauk auftischt. Nicht immer dürfte den Besuchern, schon durch die Änderung vieler Namen, der Bezug zu den anderen Shake­speare-Liebes­paaren auffallen, derer sich Hinkel in seiner Neufassung bedient. Da der grobe Ablauf erhalten bleibt, gibt es aller­dings kaum Verun­si­che­rungen beim Publikum, und Hinkel kann mit dem neu arran­gierten Shake­speare-Personal seine eigene Version publi­kums­freundlich umsetzen und einen Großteil von dessen erst in der Weimarer Klassik adäquat übersetzten geschliffene Textkunst übernehmen. „Das Stück ist eine Hymne auf die Liebe und eine Hymne auf das Theater. Es strotzt nur so vor skurrilen Einfällen, eroti­scher Fantasie, unerwar­teten Wendungen, feinsin­niger Melan­cholie und fantas­ti­scher Komik, die man weiter­spinnen kann“, sagt Hinkel.

Foto © Steffen Sennewald

Mit seiner Neufassung und der musika­li­schen Begleitung hat Hinkel die gut zwei Stunden, in denen man das Original bei guter Planung über die Bühne bringen kann, auf mehr als drei Stunden ausge­weitet. Das kann, wenn es bei Veran­stal­tungen mal heiß wird, die Zuschauer schon mal an die Grenzen bringen, obwohl das Zeltdach die Besucher wirksam vor Wind, Wetter und Sonne schützt. Wenn nach gut 90 Minuten der Esel die Bühne übernimmt, merken die Zuschauer dankbar, dass sie in die Pause entlassen sind. Es ist meist leichter, Neufas­sungen auszu­dehnen, als sie inhaltlich zu raffen.

Hinkel hat die monumentale Kulisse der alten Stifts­ruine erstklassig besetzt. Die Besetzung war und ist einer der Anzie­hungs­punkte der Festspiele, die mit fast zwei Monaten Länge zu den besonders langwäh­renden der deutschen Festivals zählen. Einige der Veran­stal­tungen finden auch in kleineren Spiel­stätten wie der Freilicht­bühne von Schloss Eichhof statt, doch in der Stifts­ruine sind es immer rund 1.300 Plätze, die gefüllt werden müssen. Da sind große aus Film und Fernsehen bekannte Namen Pflicht, um auch Busplanern aus dem Herzen des Landes ein attrak­tives Produkt anbieten zu können. Auch diesmal ist es Hinkel gelungen, eine Reihe von bekannten Gesichtern zu gewinnen.

Für den Fürsten Theseus, der die Amazo­nen­kö­nigin Hippolyta heiraten will, die in der Welt der Elfen Oberon und Titania verkörpern, hat Hinkel den Burgschau­spieler Christian Nickel und die TV-erfahrene Bettina Hauen­schild gewinnen können, die der Region eng verbunden ist und in Nordhessen lebt. Beide sind erfahrene Festspiel­gäste in Bad Hersfeld, die versiert auf der Bühne agieren. In ihrem Stab auch die meisten anderen Liebenden wie die überzeu­gende junge Vierer­bande aus Helena Charlotte Sigal als Helena, Gioia Osthoff als Hermia, Till Timmermann als Lysander und Maximilian Gehrlinger als Demetrius oder Thorsten Nindel, der vielen Älteren als Zorro aus der Fernseh­serie Linden­straße bekannt ist, als Theseus Haushof­meister Philostrat,  die real und verzaubert die Liebe und ihre Wirrungen ausloten.

Foto © Steffen Sennewald

Mit dem deutsch-türki­schen Frauen­schwarm Erol Sander hat Hinkel einen der TV-Lieblinge nach Bad Hersfeld gelotst. Der Endfünf­ziger ist den TV-Zuschauern unter anderem als Kommissar Sinan Toprak bei RTL oder aus der Mordkom­mission Istanbul der ARD bekannt. Er wird in der Gruppe der Handwerker platziert, die für die teils grob humorigen Partien des Stücks sorgen. Neben Sander sind mit Günter Alt, Peter Englert, Wolfgang Seidenberg, Peter Wagner und Mathias Znidarec allesamt bereits Mitspieler aus den Vorjahren in Hersfeld dabei. Die Deppen aus der Provinz spielend, sorgen sie mit ihren Posen und Proben zum Begleit­pro­gramm der herrschaft­lichen Hochzeit für Lacher. Manchmal wirkte der Klamauk aller­dings ein wenig zu überzogen und langatmig. Da hätte man kürzen können.

Auch das Personal des Herrschers kann mit viel Spiel­freude begeistern. Mariana Löschert als Köchin hat alle weiblichen Akteure unter ihren Fittichen und schafft es mit viel Gespür für den richtigen Augen­blick, dass ihre Mitstrei­te­rinnen ihre Momente im Spiel haben. Anouschka Renzi, die schon als Kind durch ihre Mutter Eva Renzi und Stief­vater Paul Hubschmid eng ins Schau­spiel­dasein geworfen wurde, ist zwischen­zeitlich selbst eine erfolg­reiche Schau­spie­lerin. Sie spielt die Zofe Katharina mit Alkohol­pro­blemen. Auch die Zimmer­mädchen und Küchen­hilfen haben – fast wie bei Downton Abbey – ihr persön­liches Päckchen mit funktio­nie­renden und vergeb­lichen Liebschaften zu tragen. Eindrucksvoll Olivia Grassner, die beim König der Löwen als Sarabi zu hören ist und auch in Hersfeld stimmlich und darstel­le­risch beein­druckt. Auch Alicja Rosinski als Küchen­hilfe Rosalinde spielt mit Philostrat ihr eigenes Spielchen, bei dem Uta Krüger als Theseus Kammer­diener Cesario eine wichtige Rolle spielt.

Auch die anderen Schau­spieler sind durchweg solide besetzt und spielen das Stück mit viel Verve. Besonders eindrucksvoll ist dabei Anna Graenzer in der Rolle des Pucks. Ihr gelingt es, dem kleinen Kobold mit ihren überra­schenden Auftritten stimmlich und schau­spie­le­risch ein Gesicht zu geben, dass die Zuschauer so schnell nicht vergessen werden.

Michael Ritter

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