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WIE IM HIMMEL
(Jörg Gollasch)
Besuch am
27. Juli 2025
(Premiere am 26. Juli 2024)
Als der Regisseur Kay Pollak im Jahr 2004 den Musikfilm Wie im Himmel in die Kinos brachte, endete eine lange künstlerische Pause, in die ihn der Tod des schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme gestürzt hatte, über den damals fälschlicherweise berichtet wurde, er wäre nach dem Kinobesuch eines Films von Pollak ermordet worden. Pollok hatte für den Film selbst das Drehbuch verfasst und erzählt darin die Geschichte des berühmten Dirigenten Daniel Daréus, der sich nach einem Zusammenbruch in sein Heimatdorf zurückzieht und dort die Leitung des Kirchenchors übernimmt. Durch diese Arbeit entdeckt er die heilende Kraft der Musik und findet neue Freude am Leben, während er gleichzeitig alte Konflikte im Dorf aufdeckt und alte Wunden heilt. Der Chorfilm mit spirituellem Beiklang kam gut beim Publikum an und die Kritik lobte seine Nominierung für den Oscar als „ein bewegendes Fest der Musik und des Lebens.“

Schon 2018 fand der Filmstoff als Musical den Weg auf die Bühnen in Norwegen und später auch im deutschsprachigen Raum. Doch Regisseur und Festspiel-Intendant Joern Hinkel brachte Pollaks Stück 2024 erstmals mit neu komponierter Musik von Jörg Gollasch, der in diesem Jahr die Musik für seine Sommernachtsträume verfasste, auf die Bühne der Bad Hersfelder Stiftsruine. Der mit fast 50 Sängern bestückte Chor holte sich zusammen mit Helena Charlotte Sigal in einer der Hauptrollen die beiden Hersfeldpreise. Herausgekommen ist dabei eine energiegeladene Inszenierung, die viel Wert auf Menschlichkeit legt.
Auch in diesem Jahr findet die Inszenierung deshalb wieder den Weg auf den Spielplan der Festspiele. Neben der jugendlich frisch spielenden Sigal und dem auch als Opernregisseur erfolgreichen und sehr zurückgenommen agierenden Henry Arnold in der Rolle des Dirigenten Daniel Daréus sind die ehemalige No-Angels-Sängerin Sandy Mölling als misshandelte Ehefrau mit ihrer schönen Stimme, der aus dem Stuttgarter Tatort bekannte Jürgen Hartmann überzeugend als scheinheiliger und eifersüchtiger Pfarrer, Lindenstraßen-Zorro Thorsten Nindel als Daniels Agent und die beiden aus Jahrzenten im TV und Schauspiel bestens bekannten Altstars, die bereits 90-jährige Brigitte Grothum, die vor 70 Jahren im Kino debütierte und das Publikum 15 Jahre lang als eine der Drei Damen vom Grill erfreute und der unter andrem als Der Alte bekannte Profi Walter Kreye in dem anrührenden Stück zu sehen. Viele der anderen Darsteller, wie Bettina Hauenschild, Anna Graenzer, Günter Alt, Marina Lötschert, Wolfgang Seidenberg, Peter Englert und Mathias Znidarec sind durch ihre Mitwirkung bei den Sommernachtsräumen für das Publikum keine Unbekannten.
Beim Bühnenbild hat Jens Kilian in der Apsis der Stiftsruine einen echten Birkenwald aufgebaut, der an skandinavische Wälder erinnert. Für die Requisiten besorgte Doris Engel eigens schwedische Lebensmittel, Einkaufstüten, Verpackungen, Plakate und Poster, um den authentischen Touch zu geben. So kann das Publikum das Gemeindefest miterleben, dass zum Klang der Musik aus den Fugen gerät. Es wird geliebt, gefeiert und geprügelt. Daniel, der von sich selbst behauptet, er sei nicht fähig zu lieben, wird eine ganze Reihe unvergesslicher Liebeserklärungen miterleben, bis er selbst in der Lage ist, selbst die berühmten drei Worte auszusprechen.
Michael Ritter