O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
HERZOG BLAUBARTS BURG/ERWARTUNG
(Béla Bartók, Arnold Schönberg)
Besuch am
25. Oktober 2018
(Einmalige Aufführung)
Bevor das achte Essener Now!-Festival in 20 Konzerten unter dem Motto „form per form“ mit formsprengenden und gattungsübergreifenden Experimenten jongliert, steht der Auftakt im Rahmen des dritten Sinfoniekonzerts in der recht gut besuchten Essener Philharmonie im Zeichen zweier „Klassiker“ des frühen modernen Musiktheaters. Béla Bartóks symbolistisch verschlüsselter Einakter Herzog Blaubarts Burg aus dem Jahre 1911 und das zwei Jahre früher entstandene Monodram Erwartung von Arnold Schönberg, ein Höhepunkt des musikalischen Expressionismus, präsentieren trotz ihrer zeitlichen Nähe denkbar unterschiedliche kompositorische Handschriften. Gemeinsam sind beiden Werken freilich die extrem hohen Anforderungen an das Orchester und die Gesangssolisten.
Mit Friedemann Layer hat man einen Gast verpflichtet, der die komplexen Partituren klangsinnlich und diszipliniert zum Klingen bringt, so dass das dunkel grundierte Kolorit der Bartók-Oper ebenso zu seinem Recht kommt wie die aufgeheizte Stimmung in Schönbergs Monodram. Mit souveräner Gelassenheit führt Layer das mächtig besetzte Orchester zu Höchstleistungen, bei Bartók mit Klangbildern von suggestiver Eindringlichkeit und faszinierender Leuchtkraft, bei Schönberg mit einer ebenso präzisen wie aufgewühlten Wiedergabe, die die schroffen Brüche und Stimmungsschwankungen in jedem Takt spüren lassen.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Angesichts der klanglichen Opulenz der orchestral stark besetzten Stücke kann freilich auch Layer nicht verhindern, dass die exzellenten Gesangssolisten streckenweise brutal überrollt werden, wovon vor allem Andrew Schroeder als Herzog Blaubart betroffen ist. Ein Bariton mit einer klug geführten Stimme, der der rätselhaften Figur nichts an schillernder Hintergründigkeit schuldig bleibt. Ihr ebenbürtig überzeugt Deirdre Angenent als Judith, die die innere Unruhe der Figur stimmlich makellos hörbar werden lässt.
In dem kräftezehrenden, fast halbstündigen, einer dramatisch schwankenden Fieberkurve gleichenden Monolog des Schönberg-Monodrams kann Angela Denoke ihre grandiosen stimmlichen Mittel und ihre gestalterische Intelligenz souverän einbringen, so dass auch dieses Werk eine Interpretation auf nahezu modellhaftem Niveau erfährt.

Beide Stücke, Judiths Erforschung des Seelenlebens von Herzog Blaubart bei Bartók wie auch Schönbergs Suche der Frau nach ihrem Geliebten, den sie schließlich tot im Wald auffindet, erfordern in ihrer Eigenschaft als nach innen gerichtete Psychogramme keinen aufwändigen Bühnenzauber. Der schmale, lediglich mit sechs schwarzen Stühlen besetzte Pfad vor dem Orchester lässt der Regisseurin Marijke Malitius ohnehin nur die Möglichkeit, die Figuren möglichst geschickt zu führen und viel Wert auf die körperliche Gestik zu legen, was ihr auch gelingt. In der Erwartung sorgt eine bläuliche Illumination des Hintergrunds für eine zusätzliche Prise theatralischer Atmosphäre. Die stärkste Ausdruckskraft erzielen die Darsteller ohnehin durch ihre stimmliche Gestaltung. Da genügt es, wenn eine so erfahrene Sängerin wie Denoke am Bühnenrand umherirrt und sich gelegentlich mit viel Körperspannung innerer Bewegung auf einen Stuhl setzt.
Insgesamt ein rundum überzeugender Auftakt zur neuen Runde des Now!-Festivals, das das Publikum mit großem Beifall bedachte.
Bis zum 5. November erwarten die Besucher des hauptsächlich von der Essener Philharmonie und der Folkwang Universität der Künste ausgerichteten Now!-Festivals etliche Ereignisse der neuen und neueren Musik, darunter mehrere Uraufführungen wie etwa eine Performance von Ondřej Adámek. Aber auch die modernen Klassiker bleiben nicht ausgespart, so steht auch eine halbszenische Aufführung von Philip Glass‘ Oper Einstein on the Beach auf dem Programm.
Pedro Obiera