Schubertiade als Messlatte

LIEDERABEND KATJA MADERER
(Franz Schubert)

Besuch am
27. April 2025
(Einmalige Aufführung)

 

Schuber­tiade Hohenems, Markus-Sittikus-Saal

Die Schuber­tiade in Hohenems nimmt ihren Lauf, der zweite Lieder­abend des ersten Zyklus‘ wird von Katja Maderer getragen, ebenfalls sehr jung, Mitte zwanzig und noch Master­stu­dentin im Fach Konzert­gesang an der Hochschule für Musik und Theater in München. Sie gibt an diesem Abend ihr Debüt bei dem Festival, worüber sie bei einer kurzen Ansage am Ende große Freude äußert. Natürlich kann auch sie auf einen Preis zurück­blicken, beim renom­mierten Hugo-Wolf-Wettbewerb hat sie gemeinsam mit Amadeus Wiesensee, der auch hier ihr Begleiter ist, den Sonder­preis für die beste Inter­pre­tation eines zeitge­nös­si­schen Liedes gewonnen. Auch im Oratorien- und Opern­be­reich ist sie schon hier und da tätig.

Maderer verfügt über eine helle Sopran­stimme, die sehr gut fokus­siert ist und sehr leicht den Saal füllt. Sie zeigt viel Kraft, ist etwas dunkler gefärbt in der Mittellage und auch in der Höhe zupackend und nicht scharf. Mit langem Atem und guter Technik schafft sie auch umfang­reiche Passagen. Mezzo­forte und Forte wählt sie meist für ihren Ausdruck, die Pianostellen sind eher dünn gesät.

Katja Maderer – Foto © Adrienne Meister

Für Hohenems hat sie ein Schubert-Programm ausge­wählt, wie es schwie­riger kaum sein kann: die Lieder der Mignon aus „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ von Johann Wolfgang von Goethe, beide Suleika-Gesänge und dann noch vor der Pause die Lieder aus „Faust“ von Johann Wolfgang von Goethe. Im zweiten Teil Ganymed, die Klage der Ceres, Im Frühling, Der Jüngling und der Tod und Nacht­stück. Das ist alles gewaltig und allein vom Text her ein wahrer Marathon – die Sängerin singt auswendig. Zum Glück liegen alle Texte im Programmheft vor, das die eifrigen Zuhörer intensiv während des Vortrags studieren, denn die Aussprache von Maderer lässt nur sehr bedingt ein Verständnis zu. Aber selbst dann erschließt sich beispiels­weise der Inhalt der Klage der Ceres nach Schiller nur bedingt.  Im Mittel­punkt des Gedichtes – elf Strophen mit je zwölf Zeilen – stehen die Leiden der Göttin Ceres nach Plutos Raub ihrer Tochter Proserpina in die Unterwelt. Mit kompli­zierten Verstri­ckungen zwischen Gegenwart und Allegorie, Fantasie und Emotion drückt sich hier die Sehnsucht einer Mutter nach ihrer verschwun­denen Tochter aus. Das Lied wird wohl wegen seiner Länge nur sehr selten aufge­führt, es gibt auch eher ältere Aufnahmen davon, und verlangt eine diffe­ren­zierte Gestal­tungs­kunst. Auch die anfänglich gebotenen Lieder der Mignon, Suleika I und II sowie die Gretchen­lieder, darunter ja die Szene im Dom und das beliebte Gretchen am Spinnrade zeugen eher von einer durch­hal­te­fä­higen und zu drama­ti­schen Anflügen sich aufschwin­genden Sopran­stimme, denn von einem tiefen Durch­dringen und Verin­ner­lichen schwie­rigster Situa­tionen im Bereich der seeli­schen Zustände. Die beiden Suleika-Gesänge nehmen die beiden Vortra­genden so schnell, dass harmo­nische Wendungen gar nicht so zur Geltung kommen können, auch Steige­rungen schwierig zu entwi­ckeln sind. Repeti­tionen unter­schiedlich zu gestalten, fällt so schwer. Im Frühling käme ihr da entgegen, lässt aber auch Fragen der Inter­pre­tation offen. Liebe, Verzweiflung, Tod stehen am Ende des Programms mit Der Jüngling und der Tod und Nacht­stück. Man muss der jungen, sympa­thi­schen Sängerin zugute­halten, dass sie es sich wahrlich nicht leicht gemacht hat, etwas weniger schwere Literatur wäre aber gerade auf dieser Bühne von Vorteil gewesen.

Amadeus Wiesensee ist ein sehr unauf­fäl­liger Begleiter, der zwar alles richtig spielt, aber weder entschei­dende Impulse gibt, noch am Klavier die Welt innen und außen malt. Sehr zurück­ge­nommen wirkt er, auch hier werden Wieder­ho­lungen eher abgear­beitet als interpretiert.

Das Publikum belohnt die beiden mit freund­lichem Applaus und erwirkt eine „kleine“ Zugabe: die Mondnacht von Robert Schumann.

Jutta Schwegler

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