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Foto © Schubertiade Hohenems

Frühlingsgefühle und Dramatik hoch zwei

LIEDERABEND CATRIONA MORISON UND KONSTANTIN KRIMMEL
(Diverse Komponisten)

Besuch am
4. Mai 2025
(Einmalige Aufführung)

 

Schuber­tiade Hohenems, Markus-Sittikus-Saal

Die Schuber­tiade in Hohenems neigt sich dem Ende zu und bietet im letzten Konzert noch ein beson­deres Schmankerl, um sich dann im Dauer­regen von ihren Besuchern zu verab­schieden. Nette Abschieds­szenen spielen sich ab, hier und da gibt es Umarmungen, man kennt sich. Manche Zuhörer gehen in jedes der Kammer­kon­zerte, und das nicht nur in Hohenems, sondern übers ganze Jahr hinweg auch oben in Schwar­zenberg. Bariton Konstantin Krimmel steht am Ende, er tritt zusammen mit Mezzo­sopran Catriona Morison auf. Sie hat in Schottland und Berlin studiert, den Haupt- und Liedpreis beim BBC-Cardiff-Singer-of-the-World-Wettbewerb 2017 gewonnen und kommt neben Engage­ments als Fricka oder Octavian immer wieder auf das Lied zurück, oft in der Wigmore Hall in London. Krimmel ist im Gegensatz zu der Newco­merin Morison seit 2020 bei der Schuber­tiade dabei. Inzwi­schen ist er Ensem­ble­mit­glied bei der Bayeri­schen Staatsoper und mit Preisen überhäuft. Mit Daniel Heide hat er zwei Alben im Markus-Sittikus-Saal aufge­nommen, an diesem Tag kommt er mit Ammiel Busha­kevitz am Klavier, aus Jerusalem stammend und in Südafrika aufge­wachsen. Der Pianist, ebenfalls vielfacher Preis­träger, einer der letzten Privat­schüler von Dietrich Fischer-Dieskau und nun selbst als Pädagoge in den verschie­densten Kontexten tätig, hat schon mit Elly Ameling, Julia Varady, Felicity Lott und Brigitte Fassbender gearbeitet. Heutzutage ist er häufiger Klavier­partner von Samuel Hasselhorn, Julia Kleiter, Katharina Konradi und eben Krimmel, mit dem er gerade das neue Album Mythos einge­spielt hat.

Foto © Schuber­tiade Hohenems

Die beiden Sänger haben sich passende Duette für Mann und Frau ausge­sucht, dazu jeweils einige Lieder von Robert Schumann, Gustav Mahler, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Johannes Brahms. Krimmels heller und herrlich unprä­tentiös strömender Bariton kommt zum ersten Mal im Urlicht von Mahler voll zur Geltung, mit einem fantas­ti­schem Pianissimo. Das Piano malt hier die Imagi­nation vom Paradies sehr leicht, fein und glänzend in den Saal. Bei Revelge zeigt er, dass seine äußerst diffe­ren­zierte Gestaltung auch im Forte noch edel ist. Steige­rungen bis ins Fortissimo sind immer nur dem Ausdruck unter­worfen und dynamisch abgestuft und ausba­lan­ciert. Bei diesem Lied besonders zeigt Busha­kevitz am Steinway-Flügel, den er teils weich wie einen Bösen­dorfer behandelt, unter­schied­lichste Nuancen und Farben, lässt anfangs die Militär­musik sich entfalten und macht immer wieder klar, dass das Geschehen nicht gut enden wird. Sein gewal­tiges Zwischen­spiel vor der letzten Strophe lässt die Gebeine der Soldaten, „sie stehen wie Leichen­steine“, nur so in den Saal fallen. Der ganze Irrsinn des Krieges wird in Krimmels Darstellung sänge­risch wie mimisch augen­fällig, „sie ziehn vor Schätz­leins Haus“ und besagte „Gebeine“ lassen einem in seiner ungemein dichten Inter­pre­tation wahrlich den Schauer über den Rücken rieseln. Ein Ausnah­me­künstler, dem einfach alles gelingt.

Morison nennt einen reichen, warmen und fülligen Mezzo­sopran ihr eigen. Die Stimme spricht sehr leicht an und zeigt drama­tische Gewalt. Auch im leisesten Piano ist der große Ton da, das macht sie wirklich gut. Besonders im Rhein­le­gendchen von Mahler zeigt sie kecken Mut zur Gestaltung und nimmt so die Zuhörer mit. Das Brahmslied Dein blaues Auge singt sie sehr ruhig, auf langem Atem getragen, rund und schön.

Foto © Schuber­tiade Hohenems

In den Duetten, die beide mit viel Humor darbringen, ergänzen sie sich gut, was Aussprache, Inter­pre­tation und Agogik betrifft. Aller­dings meint Morison hier, ihren unglaublich präsenten, kräftigen Mezzo bei jeder Steigerung voll ausfahren zu müssen, was neben Krimmels feiner Art, mit seiner Stimme umzugehen, wider­spricht. Er muss das bis zur Pause so hinnehmen, danach ist das wesentlich besser, Morison stellt sich nun bei Brahms gut auf ihren Partner ein. Von ewiger Liebe stellen die beiden als Duett vor, um mit Der Jäger und sein Liebchen einen erfri­schenden Nachmittag abzuschließen.

Busha­kievitz sitzt stets hellwach am Flügel und begleitet beide Sänger sehr präzise. Sein Spiel ist sehr direkt und wirkt trotz der Weichheit nie schwammig oder unscharf. Man sieht ihm an, dass er mit großer Freude begleitet.

Die Schuber­tianer in Hohenems danken den drei Künstlern für ihren Vortrag mit nicht enden wollendem Beifall, kräftigen Bravo­rufen und Getrampel. Ohne zwei Zugaben zu geben, kommen die drei nicht nach Hause. Da keine weiteren Duette für Mann und Frau vorhanden seien, sagt Krimmel, müssten sie eben wieder­holen. Und das hat, mit Blume in der Hand, noch einmal eine andere Qualität als im Konzert: Vor der Tür von Brahms und Unterm Fenster von Schumann nutzt vor allem Krimmel mit viril-eroti­scher Stimme, um sich nochmals für den Don Giovanni zu empfehlen, den er am 27. Juni zur Eröffnung der Opern­fest­spiele geben wird. Ein wunder­barer Abschluss einer inter­es­santen Woche bei der Schuber­tiade in Hohenems. Ende Juni und August geht es in Schwar­zenberg weiter, Mitte Juli und Anfang Oktober wieder unten im Tal.

Jutta Schwegler

Während ihres Aufent­halts bei der Schuber­tiade hat Jutta Schwegler auch fotogra­fische Impres­sionen von Hohenems und Umgebung gesammelt. Hier kann man sich das Album anschauen.

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