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Foto © Schubertiade Hohenems

Melancholie und Liebessehnsucht

LIEDERABEND LIVIU HOLENDER
(Franz Schubert, Gustav Mahler)

Besuch am
30. April 2025
(Einmalige Aufführung)

 

Schuber­tiade Hohenems, Markus-Sittikus-Saal

Hohenems ist im Schuber­tiade-Rausch. Das herrlichste Wetter lockt die Besucher auf die freien Plätze und in die Berge und in den Pausen der Schuber­tiade zum Flanieren in den Hecken­garten hinter dem Markus-Sittikus-Saal. Die Gastro­nomie hat sich auf die vielen Besucher einge­stellt und fast den ganzen Tag geöffnet, man gönnt sich ein Eis auf dem Schloss­platz oder ein leichtes Abend­essen zwischen den zwei Konzerten am Nachmittag und Abend. Die Künstler des ersten Konzertes am Tag kommen erleichtert aus dem Saal und begegnen auf dem Bürger­steig dem Künstler des Abends, der zum Einspielen geht. Und wenn Renaud Capuçon mit Köfferchen und Geigen­kasten zu Fuß daher­kommt, fasst ihn schon mal eine Festi­val­be­su­cherin am Arm und sagt: „Wir freuen uns schon so auf Sie!“ Wenn das nicht ein herzliches Willkommen ist.

Doch zu Liviu Holender. Mit ihm betritt ein erfah­rener Sänger die Bühne des Markus-Sittikus-Saales in Hohenems. Er ist ein wahrer Allrounder. Schon als Kind besuchte er die Opern­schule für Kinder an der Wiener Staatsoper, neben dem Studium der Klari­nette absol­vierte er auch eines in Rechts­wis­sen­schaften, dazu hat er einen künst­le­ri­schen Abschluss in Klavier. Er hat auch mit Erfolg Gesang bei Karl-Heinz Hanser studiert, stammt er doch aus einer sehr musika­li­schen Familie in Wien, der Vater Ioan Holender selbst Sänger und jahrelang der Leiter der Wiener Staatsoper, die Mutter Drama­turgin. Seit der Spielzeit 201920 ist er fest an der Oper Frankfurt engagiert und ist sowohl im Orato­ri­enfach als auch im Kunstlied unterwegs.

Foto © Jutta Schwegler

Für sein Debüt bei der Schuber­tiade hat er sich ein Programm mit dem schönsten Thema der Welt ausge­sucht – der Liebe. Natürlich ist das bei zwei Kompo­nisten, denen die Melan­cholie und die Sehnsucht nach Liebe und Schönheit beständig in die Noten floss, vornehmlich eine ständige Ausein­an­der­setzung mit der Liebe und deren Entbeh­rungen. Holenders schlanker, samtiger und weicher Bariton ist sehr gut für das Lied geeignet. Im Lied An die Leier stellen der Sänger und sein Begleiter Lukas Rommel­s­pacher die letzten Verse program­ma­tisch dem Konzert voran: „So lebt denn wohl, Heroen, Denn meine Saiten tönen, Statt Heldensang zu drohen, Nur Liebe im Erklingen.“ In Willkommen und Abschied, Der zürnenden Diana, Über Wildemann zeigt der Bariton, dass ihm viele Gestal­tungs­welten zur Verfügung stehen. Sehr schön zeigt sich die Vorstel­lungs­kraft nicht nur in der Mimik, sondern auch und vor allem in den verschie­denen Farben, die er in seine Lieder einbringt. Nach und nach wird sein Vortrag sicherer und selbst­ver­ständ­licher, taucht er tiefer ein in seine Imagi­nation. Die Stimme gewinnt nunmehr noch mehr an Kraft, wird oberton­reicher und runder. So stellt sich die bukolische Landschaft des „schönen Wunder­landes“ in Sehnsucht als durchaus erreichbar dar – auch ohne Fährmann. Holender hat sichtlich Spaß auch an den drama­ti­schen Sequenzen und bereitet so gut auf den folgenden Mahler vor: Lieder eines fahrenden Gesellen nach Gedichten des Komponisten.

Jetzt gewinnt der Sänger an Souve­rä­nität und bringt den zweiten Wiener Meister des Konzertes überzeu­gender. Die Mittellage und Tiefe kommen leichter als die Höhe. War die Höhe anfangs bei Schubert noch etwas brüchig, was man auch einer gewissen Nervo­sität zuschreiben könnte, wird sie hier wärmer, fundierter. Mit gutem Legato und großen Bögen geht er hinein in Die zwei blauen Augen von meinem Schatz und macht die Zweischnei­digkeit am Ende bei „war alles, alles wieder gut!“ deutlich.

Im zweiten Schubert-Block nach der Pause, der vornehmlich von entsa­gender Liebe handelt, gelingen Holender und seinem Pianisten Rommels­bacher nach Sei mir gegrüßt, Die Liebe hat gelogen und Daß sie hier gewesen das Nacht­stück besonders gut. Mit großer innerer Betei­ligung macht der Sänger es zu seinem Stück, zart nach innen gewendet, gerät hier alles zum Besten.

Mahlers Lieder nach Gedichten von Friedrich Rückert führen über das kecke Blicke mir nicht in die Lieder über Ich atmet‘ einen linden Duft, bringen in Liebst du um Schönheit die leiseste und vielleicht wichtigste Stelle im Programm bei „Liebst du um Liebe, Oh ja – mich liebe!“, und führen zum Ende mit Ich bin der Welt abhanden gekommen.

Rommel­s­pacher ist dem Sänger ein sicherer und vielsei­tiger Begleiter, der sehr einfühlsam und diffe­ren­ziert gestaltet. Er kann sehr zupackend sein, bereitet auch drama­tische Ausbrüche gut vor und hat Freude an kleinsten Figuren. Der Solo-Korre­pe­titor der Oper Frankfurt ist dem Sänger durchwegs ein guter Partner.

Die Zuschauer im nicht ganz vollen Markus-Sittikus-Saal danken es den beiden mit anhal­tendem Applaus und erwirken eine Zugabe: Du bist die Ruh von Schubert. Und dann geht’s hinaus in den Frühling, vorbei am Übertra­gungs­wagen des ORF: Das Konzert wird in Ö1 am 7. Mai um 14.05 Uhr gesendet.

Jutta Schwegler

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