O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
LA DORI
(Pietro Antonio Cesti)
Besuch am
26. August 2019
(Premiere am 24. August 2019)
Die Festwochen der Alten Musik in Innsbruck widmen sich eingehend den Komponisten des Barocks und früherer Zeiten. Diese Zeitepoche entspricht der bedeutendsten der Innsbrucker Geschichte. Die Habsburger Kaiser hielten sich oft in der Tiroler Landeshauptstadt auf. Insbesondere Kaiser Maximilian, dessen Tod sich heuer zum 500. Mal jährt, verbrachte viel Zeit in der Stadt und verhalf ihr zu großem Ansehen. Viele Baudenkmäler in der Stadt erinnern an diese Epoche, und auch in der Musikgeschichte nahm die Stadt eine bedeutende Rolle ein. Viele Musiker wirkten am Hof oder wurden eingeladen. So auch Pietro Antonio Cesti, neben Francesco Cavalli der führende Komponist der venezianischen Oper am Übergang der Renaissance zum Barock, wirkte unter Erzherzog Ferdinand Carl am Innsbrucker Hof. Die Uraufführung von La Dori fand 1657 am Innsbrucker Hoftheater statt. Das einst beliebte Werk geriet in Vergessenheit. Nunmehr bemüht sich Innsbruck um eine Wiederbelebung.
Die Handlung ist gewohnt verzwickt mit Intrigen und Verwicklungen. Die hinterlegte Liebesgeschichte kreist um Treue, Eheversprechen und Begehren. Drei Stunden schmachten Oronte und Dori in Wehmut, Zorn und Begehren, bis sie endlich zueinanderkommen dürfen. Eine finale Belehrung driftet das Stück zur Parabel. Vermutlich wurde deshalb das beliebte Werk aus dem 17. Jahrhundert oft als Anlass von Hochzeiten aufgeführt.

Der Stoff der Oper verarbeitet eine antike Geschichte. Der persische König Oronte hält treu an dem Eheversprechen gegenüber Dori, Tochter des Königs von Nikäa aus wahrer Liebe fest. Dori ist inzwischen nach ihrer Flucht aus Ägypten in wilder Seefahrt, Raub und Verschleppung durch die Gunst ihrer Schwester Arsinoe als Sklave Ali am persischen Hof gelandet. Weder Oronte noch Arsinoe erkennen die wahre Identität hinter der Verkleidung. Arsinoe ist nach dem Verschwinden von Dori Oronte versprochen worden, die Hochzeit wird aber vom König nicht ausgeführt. Inständig sehnt sich Oronte nach seiner Geliebten und am Ende löst sich rasch alle Verkleidung und Hader auf. So weit die Handlung im Kern. Viele Personen wirken und mischen weiters am Hof mit und ziehen ihre Intrigen, sodass der Abend seine Längen bis zur Lösung bekommt.
Einfach komponierte Rezitative, von verschiedenen Instrumenten begleitet, bestimmen die Musik. Die Arien stehen noch ebenmäßig daneben, der artistische solistische Ansatz des Barocks tritt nur selten hervor. Auf die emotionale Ausdruckskraft wird aber geachtet. Um die zeigt sich Francesca Ascioti als Dori sehr bemüht. Die Altistin bringt mit ihrer klaren, dunkel angefärbten Stimme Transparenz im Klang und der Melodieführung. Ihr schicksalhaftes Leid lässt sie blühen, formt elegant Wehklage, ohne zu forcieren. Fein hebt sich die Stimme auch von Francesca Lombardi Mazzulli als Arsinoe ab. Ihr Sopran liegt schön in der Mittellage, wohldosiert für Rezitativ, die Höhen streift sie in den Läufen und drückt in Tonsprüngen. Der Countertenor Rupert Enticknap badet hörbar in seinem Leid und männlicher Verletzlichkeit. Sein Oronte lässt den Counter die Farben seiner ausgefallenen Stimmlage zur Geltung bringen. Für Dramatik zeigt er wenig Kraftreserven.

Federico Sacchi setzt mit seiner Bassstimme als Artaxerse kraftvolle Akzente. Dramatik erzeugt Emoke Barath in der komplexen Hosenrolle des Tolomeo, der sich als Celinda verkleidet am persischen Hof einschleicht. Kraftvoll expressiv versteht sie mit ihrem Sopran auf sich aufmerksam zu machen. Präsenz gewinnt Alberto Allegrezza in der Rolle der Dirce. Mit seinem sonoren Tenor gibt er der alten, immer noch lüsternen Amme kokette humoristische Züge. Als Tragikomödie wollte auch Cesti sein Werk verstanden wissen. Den Anspruch versucht Stefano Vizioli in seiner Regie umzusetzen. Einfach barock anmutend ist das Bühnenbild von Emanuele Sinisi, das sich mit geschickter Ausleuchtung und ein paar Details in verschiedenstes Ambiente versetzen lässt. Die Kostüme von Anna Maria Heinrich entsprechen der Entstehungszeit des Werkes. So liegt viel Aussagekraft in der Personenregie, die schwungvoll ohne Übertreibung die Handlung vorantreibt.
Ottavio Dantone sitzt am Cembalo und leitet die Accademia Bizantina als Klangkörper verhalten. Zu wenig verleiht er den Orchesterzwischenspielen als auch den groß angelegten Gesangspassagen instrumentale Klangfarben und epische Breite. Diszipliniert begleitet er am Cembalo in den mannigfaltigen Rezitativen und folgt in den Einsätzen den Sängern. Kammermusikalisch bleibt das Orchester im Hörerlebnis auf Originalinstrumenten.
Viel Applaus vom Publikum.
Helmut Pitsch