O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Foto Hofer

Hollywood-Märchen im kaiserlichen Kurort

MÄRCHEN IM GRANDHOTEL
(Paul Abraham)

Besuch am
14. Juli 2024
(Premiere am 6. Juli 2024)

 

Lehár-Festival Bad Ischl

Das Lehár-Festival in Bad Ischl bietet dem operet­ten­be­geis­tertem Publikum nicht nur die klassische musika­lische Komödie, sondern auch immer wieder exotische oder selten gespielte Werke, die teilweise wieder neu entdeckt werden. Eines davon ist Paul Abrahams „Lustspiel­ope­rette“ Märchen im Grand Hotel, die vor gut 90 Jahren im Theater an der Wien urauf­ge­führt wurde. Heute würde man sie eher als Revue-Operette mit Musical-Einschlag bezeichnen. Die komisch-schrille Geschichte rund um das glamouröse Thema „Hollywood trifft Hochadel“ nach einem Textbuch von Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda kann 1934 nur in Wien, der ersten Station von Abrahams langen Exils, zur Aufführung gebracht werden. Kurz nach seinem großen Erfolg mit Ball im Savoy im Jahre 1932 muss Paul Abraham als jüdischer Künstler wegen der Macht­er­greifung der Natio­nal­so­zia­listen Berlin verlassen.

In diesem Jahr gibt es in Bad Ischl auch eine Zusatz­aus­stellung über die Libret­tisten Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda, die als Juden Opfer des Natio­nal­so­zia­lismus wurden. Während Grünwald in die USA emigrieren konnte, wurde Löhner-Benda auf brutale Weise im Konzen­tra­ti­ons­lager Auschwitz ermordet. Die Schicksale sind leider viel zu wenig bekannt, und es ist ein Verdienst des Lehár-Festivals Bad Ischl, das Schicksal von verfolgten jüdischen Künstlern während des Natio­nal­so­zia­lismus in einer Zeit des wieder aufflam­menden Antise­mi­tismus in Europa zu dokumen­tieren und ihnen eine angemessene und würdige Plattform zu geben. Enzinger selbst sagt zu dieser Ausstellung: „Mir war es immer wichtig, dass man gerade auch bei der Geschichte der Operette Aufar­beitung betreibt, weil sie in die grauen­hafte Zeit hinein­fällt und viel damit zu tun hat und damals sehr viel vernichtet wurde. Deshalb ist es mir sehr wichtig, dass man auch diese andere Seite zeigt, gerade bei Fritz Löhner-Beda, diesem Genie, das er auch war.“

Foto © Foto Hofer

So erlebt die wilde Mischung aus Schlager, Operette und Jazz erst 84 Jahre später im Jahr 2018 in Mainz ihre deutsche Erstauf­führung. Die Handlung der Operette basiert auf der Komödie Die Großher­zogin und der Kellner von Alfred Savoir, einem der wichtigsten franzö­si­schen Komödi­en­au­toren seiner Zeit. Aus der Erfolgs­ko­mödie Savoirs schufen die öster­rei­chi­schen Libret­tisten eine Parodie auf das Genre der Operette, die Status­un­ter­schiede und Identi­täts­ver­än­de­rungen parodierte, die zu Konflikten zwischen Menschen führen. Das Werk ist musika­lisch äußerst vielfältig und spiegelt den modernen Musik­ge­schmack seiner Zeit wider. Zusätzlich zum Walzer sorgen Foxtrotts und Tangos für Farbe und erinnern in Klang und Orches­trierung sogar an den Stil von George Gershwin.

Die Geschichte spielt in einem eleganten Hotel an der franzö­si­schen Riviera und handelt von einem bankrotten ameri­ka­ni­schen Filmpro­du­zenten. Mit einem Film über das Grand-Hotel und vor allem dessen Gäste gedenkt die Produ­zen­ten­tochter Marylou, die väter­liche Firma zu retten. Im Grand-Hotel Palace in Cannes treffen die unter­schied­lichsten Menschen aufein­ander. Die aus ihrem Land vertriebene spanische Infantin Isabella ist mit ihrem Gefolge hier abgestiegen, darunter ihr Verlobter, Prinz Andreas Stephan. Auf der Suche nach immer neuen Filmstoffen mit echten Adligen hat es Marylou, die Tochter des Hollywood-Filmpro­du­zenten Sam Makintosh, hierher an die Côte d’Azur verschlagen. Der tolpat­schige Kellner Albert kümmert sich um all die Hotel­gäste, ganz besonders aber um die Spanierin Isabella, in die er sich Hals über Kopf verliebt hat. Ein Kellner ist freilich alles andere als ein Heirats­kan­didat für eine Infantin. Auch als sich heraus­stellt, dass Albert in Wahrheit der Neffe des reichen Hotel­be­sitzers Chamoix ist, will ihn die Infantin nicht heiraten. Für Marylou bietet aber Alberts unglück­liche Liebe einen guten Stoff für den neuen Film ihres Vaters, zu dem sie selbst noch eine kleine Affäre mit dem Prinzen Andreas Stephan beisteuert. Am Ende gibt es nach guter Operet­ten­tra­dition im Grand Hotel jedoch für alle ein Happy End.

Festival-Intendant und Regisseur Thomas Enzinger versetzt das Publikum im Vorspiel der Operette in das glitzernde Film-Hollywood der dreißiger Jahre des letzten Jahrhun­derts, wir sind in „Holly­woodland“. Schon über 15 Minuten vor Beginn der Aufführung gibt es „Filmproben“ zu diversen Hollywood-Klassikern. Auf der Bühne begegnet man Charlie Chaplin, King Kong, Franken­steins Monster, Robin Hood, und eine Casting-Crew animiert die Zuschauer, sich für den Film zu bewerben. Immer wieder tönen witzige Ansagen aus dem Off: „Achtung, die Blutkon­serven für Nosferatu können in der Kantine abgeholt werden.“ Und Enzinger muss, als er das Publikum begrüßen möchte, selbst ein Inten­danten-Casting über sich ergehen lassen. Dann die Schre­ckens­bot­schaft: Es gibt kein Drehbuch, alle Schau­spieler werden nach Hause geschickt, die Produk­ti­ons­firma ist pleite. Nun kommt der große Moment der Produ­zenten-Tochter Marylou, die mit einem verrückten Plan einen „Reality-Film“ drehen möchte über ein franzö­si­sches Luxus­hotel mit ganz beson­deren Gästen, die sich in dem Film selbst spielen sollen.

Foto © Foto Hofer

Jetzt beginnt die eigent­liche Operette hochzu­drehen, die durch ihre verschie­densten Musik- und Tanzstile begeistert. Da wird ordentlich gesteppt, geswingt, gejazzt, aber auch klassisch schön gesungen. Die Charaktere sind von Enzinger klamaukhaft überzeichnet. Marylou ist die überam­bi­tio­nierte, engagierte Produ­zentin, die für den Erfolg des Filmes auch ihre Großmutter vom Nachttopf stoßen würde. Sam Makintosh ist der großkotzige, zigar­ren­rau­chende Chole­riker, wie er in jedem zweiten ameri­ka­ni­schem Schwarzweiß-Film vorkommt. Und der liebes­tolle Kellner Albert ähnelt in seinem tolpat­schigen Auftreten etwas an einen anderen großen Kellner, den Leopold aus Benatzkys Im weißen Rössl, das vier Jahre vor Märchen im Grand­hotel seine Urauf­führung feiern konnte. Während Leopold in seine Chefin, die Rössl-Wirtin Josepha Vogel­huber verliebt ist und sie am Ende auch bekommt, ist die Sache bei Albert deutlich kompli­zierter. Sein Objekt der Begierde ist die spanische Infantin Isabella, größer könnte der Standes­un­ter­schied nicht ein. Doch am Ende fügt es sich auch für Albert. Die Infantin Isabella gehört zur Marke herzlose Eisprin­zessin, die aber am Schluss auftaut und die wahre Liebe findet. Und da gibt es dann noch den smarten Prinz Andreas Stephan, eigentlich der Verlobte von Isabella, aber der hat nur Augen für Marylou. Und so entwi­ckelt sich die rasante Geschichte mit Irrungen und Wirrungen im Schnelldurchlauf.

Enzinger hat mit der Revue-Operette nicht nur den Geschmack des Publikums getroffen, sondern insbe­sondere den Kompo­nisten Paul Abraham und die beiden Libret­tisten Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda aus dem Tal des Vergessens geholt. Die fetzige Choreo­grafie stammt von Evamaria Mayer und die Einstu­dierung der Stepp-Tänze von Marie-Christin Zeisset, während Bühnenbild und die schönen Kostüme im Stil der dreißiger Jahre in den bewährten Händen von Markus Olzinger und Sven Bindseil liegen. Auch sänge­risch und musika­lisch macht das Lehár-Festival wieder von sich reden. Julia Koci als Infantin Isabella überzeugt mit kühlem Spiel und warmem, schön­k­lin­gendem Sopran. Maximilian Mayer ist ein Operet­ten­tenor par excel­lence, das hat er in den letzten Jahren am Gärtner­platz­theater in München immer wieder gezeigt, dessen Stimme langsam die Ausflüge ins Heldenfach unter­nimmt. Als Prinz Andreas Stephan ist er bestens besetzt.

Oliver Severin begeistert als tolpat­schiger und liebes­kranker Kellner Albert, während Susanna Hirschler mit großen Gersten den überdrehten Filmre­gisseur Matard gibt. Nina Weiß ist die klassische Musical­dar­stel­lerin, die singen, tanzen, steppen und schau­spielern kann, in der Rolle der Marylou perfekt besetzt. Sebastian Anton Maria Brummer gibt einer­seits den Kotzbrocken Sam Makintosh mit überheb­lichem Habitus, um dann wiederum als Präsident Chamoix eine elegante und noble Seite zeigen zu können. Walter Sachers gibt Isabellas Hofdame Gräfin Inez de Ramirez deftig und mit viel Augen­zwinkern und ist in dieser Rolle wesentlich besser zuhause als in der Figur des Enterich im Bettel­stu­denten.

Christoph Huber, der im vergan­genen Jahr schon mit großem Erfolg die Madame Pompadour leitete, zeigt mit dem Orchester des Lehár-Festivals, dass er Swing und Jazz genauso beherrscht wie den Walzer­klang. Der Chor ist wieder stimm­freudig von Matthias Schober­walter vorbe­reitet worden. Am Schluss gibt es den verdienten Applaus und Jubel für das gesamte Ensemble. Das Märchen im Grand­hotel ist in Bad Ischl angekommen und steht noch bis zum 24. August in Bad Ischl auf dem Programm.

Andreas H. Hölscher

Teilen Sie O-Ton mit anderen: