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SONNTAGSMATINEE KLASSIK
(Franz Schubert et al.)
Besuch am
24. August 2025
(Einmalige Aufführung)
2022 fand in der Stadt Meerbusch zum ersten Mal das Festival Meermusik statt, damals initiiert und geleitet von Ekaterina Porizko. Die Idee war, dass sich Meerbuscher Künstler oder zumindest solche Künstler, die einen Bezug zur Stadt hatten, ihren Bürgern über das ganze Stadtgebiet verteilt vorstellten. Wohl politische Ränkespiele sorgten dafür, dass eine Fortsetzung ausblieb. Es ist nicht bekannt, welchen Einfluss das auf die Nachbarstadt Kaarst hatte. Tatsache ist, dass sich im August desselben Jahres neun der etwas mehr als 43.000 Einwohner des „Schlafzimmers von Düsseldorf“ zu einem Verein zusammenschlossen, um ein neues Kulturfest für die Stadt Kaarst ins Leben zu rufen. Der Kultursommer Kaarst sollte im Prinzip ähnlich funktionieren wie in Meerbusch, nur dass man sich auf einen Festivalort beschränkte. Im Juni des darauffolgenden Jahres war es so weit. Der erste Kultursommer fand unter freiem Himmel statt. Im Gegensatz zu Meerbusch setzten die Kaarster ihre Idee allerdings fort. Trotz Sicherheitsbedenken und Auseinandersetzungen mit der GEMA, die das neu gegründete Festival erst mal mit den großen Open-Air-Veranstaltungen gleichsetzte und entsprechende Forderungen stellte. Inzwischen seien die Missverständnisse der GEMA weitgehend ausgeräumt, ist zu hören, die Sicherheitsbedenken allerdings nicht. Und so findet der Kultursommer nun als kleinere Veranstaltung im Kulturzentrum Albert-Einstein-Forum statt. Der Saal beherbergt über das Jahr die üblichen drei K: Kleinkunst, Kabarett und Kino. Also die übliche Konstellation für die kleineren Städte, in denen es kein Theater gibt. Auch der Kultursommer wurde eingedampft und findet nun an zwei Tagen, unglücklicherweise auch noch am letzten Ferienwochenende, statt.
Kunst, Musik, Tanz und Literatur haben die Veranstalter sich auf die Fahnen geschrieben. Und mit dem Musical, das am Vorabend den ersten Festivaltag abschloss, haben sie wohl einen Publikumserfolg gelandet, wenn man den Stimmen der Besucher am Sonntagmorgen Glauben schenken darf. Allzu viele Besucher sind es nicht, die sich zum Matineekonzert Klassik im Saal des Albert-Einstein-Forums einfinden, der einzigen Aufführung klassischer Musik beim Festival.

Jeremias Mameghani ist im Hauptberuf Rechtsanwalt, ist aber in der knapp bemessenen Freizeit als international konzertierender Amateurpianist unterwegs. Mit Wohnsitz in Kaarst darf ihn das Festival zu seinem Auftritt begrüßen, den er allerdings nicht allein bestreitet. Den Vormittag eröffnet er mit der Sonate in A‑Dur von Franz Schubert. An dem alten Ibach-Flügel auf der Bühne durchaus eine Herausforderung, auch wenn die Sonate eher einfach gestrickt ist. Einen Höhepunkt kann Désirée Brodka mit drei Liedern von Wolfgang Amadeus Mozart – Das Veilchen, Abendempfindung und Warnung – in der Klavierbegleitung Mameghanis setzen. Hohe Textverständlichkeit und Einfühlsamkeit in den Text lassen den Vortrag zum Lustgewinn werden.
Einen Freund hat Mameghani mitgebracht. Es ist Sylvain Levy, der wie er im Alter von vier Jahren mit dem Klavierspiel begonnen hat und es bis heute beim Amateurstatus belässt. Amateure sind die beiden preisgekrönten Klavierspieler wohl nur noch insofern, als sie nicht vom Konzertieren leben. Kennengelernt haben die beiden sich bei einem Festival in Frankreich. Nun ist Levy zu Gast in Kaarst und darf seine Exzellenz ebenfalls unter Beweis stellen. Dazu wählt er die Lamentationen und Consolationen aus den acht Klavierstücken von 1914 des ukrainischen Komponisten Sergei Eduardowitsch Bortkiewicz. Was er zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß: Am Nachmittag wird er beim Kölner Klavierzimmer, einem internationalen Klavierwettbewerb für Amateure, die Preise Klavier solo mit besonderer Auszeichnung und für Kammermusik sowie einen Orchesterauftritt gewinnen. Zu hören, so möchte man rückblickend behaupten, ist das schon auf dem alten Schätzchen in Kaarst.

Um die Sonate Nr. 1 für Klavier und Violine von Ludwig van Beethoven aufzuführen, hat Mameghani sich Andreas Illgner zur Seite geholt. Der studierte Maschinenbauer begann mit sechs Jahren das Geigenspiel und verfügt über Erfahrungen als Konzertmeister und Primarius in verschiedensten Konstellationen seit seiner Studienzeit. Auch bei ihm schreckt man vor dem Begriff Amateur zurück, weil sein Spiel alles andere als amateurhaft klingt. Auch wenn die Sonate etwas verkürzt wiedergegeben wird, können die beiden das Publikum verzaubern. Das ist mit dem Verzicht auf die Wiederholung der Variationen durchaus einverstanden, weil es im Saal recht kühl ist und zwei Stunden Konzert am Sonntagmorgen mehr als ausreichend sind.
Trotzdem lassen die Besucher sich den zweiten Auftritt von Brodka nicht entgehen. Die Sopranistin, die als Intendantin von Music to Go derzeit mit der diesjährigen Inszenierung von Così fan tutte auf Open-Air-Bühnen in Nordrhein-Westfalen und Hessen begeistert, lässt sich auch bei den vier Liedern von Franz Schubert nicht den Schalk nehmen. Jüngling an der Quelle, Lob der Tränen, Seligkeit und An Sylvia geraten so zum reinsten Vergnügen, das sängerisch begeistert, aber weit vom Pathos eines Schubert-Liederabends entfernt ist. Großartig. Mit Du bist die Ruh als Zugabe schließt das recht kurzweilige Konzert, das man im Umfeld des Festivals sicher als herausragendes Ereignis bezeichnen darf.
Beglückt darf man das Festivalgelände – ein kleines Grundstück, auf dem trotzdem im Saal, Atrium, Multifunktionsraum und dem kleinen Schulhof Platz für vier Spielstätten ist – verlassen. Oder auch nicht. Denn eigentlich geht das Programm dicht gedrängt bis zum späten Abend weiter, inklusive einer Kunstausstellung, bei der die Künstlerinnen zugegen sind und zum Gespräch zur Verfügung stehen. Auch Kaffee und Kuchen gibt es. Das Ambiente ist schlicht, die Atmosphäre wunderbar und das Ganze als Geheimtipp auch für Düsseldorfer zu bezeichnen – von der Landeshauptstadt sind es gerade mal zwölf Autobahnkilometer und es gibt kostenlose Parkmöglichkeiten – ist nicht vermessen. Wenn die ehrenamtlichen (!) Veranstalter ein wenig mehr Mut zur klassischen Musik zeigen, könnte das sicher die Attraktivität des Festivals noch steigern. Mit mehr Besuchern darf man im kommenden Jahr auf jeden Fall jetzt schon rechnen, denn dann findet der Kultursommer bereits vor den Sommerferien vom 3. bis 5. Juli statt.
Michael S. Zerban