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Foto © Nils Klinger

Licht und Schatten

WALKÜRE
(Richard Wagner)

Besuch am
28. April 2019
(Premiere am 9. März 2019)

 

Staats­theater Kassel 

Nach dem etwas unein­heit­lichem Rheingold zu Beginn der Spielzeit wird der neue Ring des Nibelungen in Kassel mit der Walküre fortge­setzt. Es zeichnet sich ab, dass die neue Deutung am Staats­theater von der Licht­regie Christian Franzens beherrscht wird, der immer wieder viel Atmosphäre auf die Bühne zaubert. Er arbeitet dabei vor allem mit Schwarzweiß-Kontrasten. Licht und Schatten entstehen dabei nicht nur auf der Bühne, sie sind auch beschreibend für die Insze­nierung von Markus Dietz, der seine moderne Nacher­zählung der Handlung konse­quent fortsetzt. Das ist auf der einen Seite sehr gut, denn schon im zweiten Teil kann man den ästhe­ti­schen und erzäh­le­ri­schen Faden erkennen, so dass man schon sehr genau weiß, was einen an den nächsten beiden Abenden in der kommenden Saison erwarten wird. Schon im Rheingold ist die Bühnen­technik gefordert und auch in der Walküre erzeugt die neu ins Team gestoßene Mayke Hegger der Bühne mit Versen­kungen und Vorhängen viel Abwechslung. Henrike Bromber stattet die Sänger mit ihren zeitge­mäßen Kostümen aus, die jede Figur standes­gemäß zeigt, ohne dabei zu konkret in der Aussage zu werden.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Auf der anderen Seite fehlt dieser Ring-Deutung – auch das zeichnet sich mehr und mehr ab – das Besondere. Gerade in der heutigen Zeit, wo in allen vier Himmels­rich­tungen der Republik ein Ring geschmiedet oder gespielt wird, sollte die Tetra­logie doch noch mehr einbrennen als das derzeit noch in Kassel passiert. An Ideen mangelt es Dietz und seinem Team jeden­falls nicht. Gerade in der Perso­nen­führung kann der Regisseur punkten und lässt die Sänger mitein­ander auf der Bühne agieren. Doch gleich­zeitig versucht er, manche Szene noch mit zusätz­lichen Hinter­grund­ak­tionen aufzu­werten, wobei sich einige Details nicht immer erschließen. Einige Details verpuffen, bevor sie überhaupt richtig gewirkt haben: Das Schwert Nothung fängt beim Kampf gegen Hunding wie ein Laser­schwert aus Star Wars an zu leuchten, bis es auf Wotans Licht­speer trifft. Ein netter Effekt sicherlich, aber gleich­zeitig auch ein lahmer Ausweich­versuch vor einer Kampf­szene. Auch manches Timing ist eher ungewöhnlich. So ist bei Wotans Abschied von seiner Tochter Brünn­hilde die Bühne schon in rotes Licht getaucht, bevor Wotan den Feuergott Loge überhaupt herbei­ge­rufen hat.

Die Oper beginnt im kalt-stili­sierten Designerraum von Hunding, wo der Opern­freund auf die wunderbare Sieglinde von Nadja Stefanoff trifft, die schon in Oldenburg in dieser Rolle eine Entde­ckung war. Nun ist sie noch weiter gereift. Allein schon die ersten kurzen Phrasen, die sie zu singen hat, sind erfüllt vom musika­li­schen Leben. Die langen Legato-Linien ihrer Erzählung von der „Männer Sippe“, die Begeis­terung über das „hehrste Wunder“ offen­baren eine der schönsten und emotio­nalsten Sopran­stimmen, die man derzeit hören kann. Ihrem Bühnen­partner Martin Iliev mag es in der nach unten gedrückten Baritonlage etwas an Schönheit mangeln, aber vor allem in der hohen Lage macht er das kleine Manko mehr als wett. Dazu bietet auch er eine sehr lebendige Inter­pre­tation, die ihn zu einem gleich­wer­tigen Zwillings­bruder seiner Sieglinde macht.

Foto © Nils Klinger

Komplet­tiert wird das musika­lische Glück im zweiten Akt durch Nancy Weißbach. Ihre angesagte Indis­po­sition hört man nur daran, dass die Höhe sehr scharf klingt. Ansonsten darf man einen agilen und gleich­zeitig sehr gut fokus­sierten, jungen, heldi­schen Sopran bestaunen, dessen Schönheit hoffentlich noch lange vorhalten wird. Mit diesen drei Künstlern wird die Todes­ver­kün­digung im zweiten Akt zum Höhepunkt der Aufführung, zumal dieser Moment auch szenisch ungeheuer stark insze­niert ist.

Auch Ulrike Schneider ist als indis­po­niert angesagt, und trotzdem macht die Sängerin als Fricka ihrem Wotan ordentlich die Hölle heiß. Selbst ein starker Götter­vater wäre an ihr verzweifelt, aber wie schon im Rheingold hat die Oper Kassel in der Dernière mit dieser Rolle kein Glück. Einmalig singt Robert Bork den Wotan, ist daher auf der Bühne wenig einge­ar­beitet und verfügt gleich­zeitig über ein sehr begrenztes Reper­toire an Mimik und Gestik. Bei allem Respekt vor seiner vokalen Leistung, der es nicht an Kondition mangelt und auch nicht am Willen zur Diffe­ren­zierung, bleibt Bork dieser Rolle an diesem Abend vieles schuldig.

Wenig bis gar nichts lässt dagegen das Staats­or­chester Kassel anbrennen. Francesco Angelico riskiert recht breite Tempi, die im ersten Akt noch nicht so ganz aufgehen, da die Spannung noch nicht durch­gehend aufrecht erhalten bleibt. Das Orchester demons­triert aber erneut diesen wunderbar lyrischen Klang, der bereits das Rheingold veredelte. Das bedeutet aber nicht, dass der Klang­körper nur brav musizieren kann. Wotans Zorn kommt mit dem richtigen Biss daher. Und im zweiten Akt gelingt dann in der schon oben erwähnten Todes­ver­kün­digung einer dieser seltenen Momente, der Oper so besonders macht. Fast in Zeitlupe wabern die Motive aus dem Graben herauf. Jede Phrase, jeder Takt, jede Note besitzt Spannung und mischt sich so sensibel mit den Stimmen, dass den Hörern der Atem stockt. Dementspre­chend werden die Sänger und Musiker von einem sehr ruhigen Publikum, das zu den Aktschlüssen nur wenig Begeis­terung zeigt, am Ende des Abends mit langem Beifall und im Stehen gefeiert.

Rebecca Hoffmann

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