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Foto © Olaf Struck

Matrosenaufstand mit der Internationalen

FALSCHER VERRAT
(Marco Tutino)

Besuch am
3. November 2018
(Urauf­führung)

 

Theater Kiel

Vor genau 100 Jahren ereignete sich Großes in Kiel: Der Matro­sen­auf­stand 1918 bezeichnete das Ende einer Epoche, führte zur Abdankung des deutschen Kaisers und leistete einen Beitrag zur Ermög­li­chung der Weimarer Republik. Das Theater Kiel hat das zum Anlass genommen, die wichtige histo­rische Wegmarke aufzu­greifen und als Oper vertonen zu lassen. Den Kompo­si­ti­ons­auftrag hat das Haus an Marco Tutino vergeben.

Tutino ist ein erfah­rener Komponist. Sein Werkver­zeichnis beinhaltet eine statt­liche Anzahl von Werken, darunter seit 1985 eine ganze Reihe von Musik­thea­ter­werken. Die Schöp­fungen sind von bedeu­tenden Opern­bühnen beauf­tragt und dort auch zur Aufführung gekommen: Arena di Verona, Opernhaus Carlo Felice Genua, Teatro Communale di Bologna, Mailänder Scala, San Francisco – um nur einige zu nennen. Tutino war auch künst­le­ri­scher Leiter wichtiger italie­ni­scher Opernhäuser.

Zusammen mit den Libret­tisten Luca Rossi aus Italien und Wolfgang Haendeler aus Deutschland hat der Komponist für die Kieler Oper pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum des Kieler Matro­sen­auf­stands sein Werk urauf­führen können.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Die Handlung beschreibt die menschen­un­wür­digen Verhält­nisse, unter denen die einfachen Mannschaften der Marine im Ersten Weltkrieg ihr Leben fristeten. Als die Marine­führung schon während der Friedens­ver­hand­lungen „als einen Akt der Ehre“ die unter­le­genen deutschen Kriegs­schiffe in eine letzte, aussichtlose Schlacht schicken will, verweigert die Mannschaft die Gefolg­schaft. Die Meuterei verhindert mutmaßlich den sinnlosen Tod tausender Marinesoldaten.

Dabei wird die Handlung vor allem über eine klassische, verhin­derte Liebes­ge­schichte voran­ge­trieben. Der entschei­dende Aufruf zur Meuterei durch den Heizer Gabriel Jensen erfolgt erst, nachdem seine ehemalige Jugend­liebe Henriette droht, seinen eigenen Verrat an seinen Kameraden öffentlich zu machen. Zuvor hatte sich Gabriel darauf einge­lassen, für Geld und eine Versetzung nach Berlin sein egois­ti­sches Glück zu suchen und so die eigenen Kameraden dem Untergang zu überlassen. Henriette tritt in dem Stück schon nicht mehr als die alte Geliebte von Gabriel auf, sondern in der Rolle der Hure Lola, in die sie ihr Schicksal zwischen­zeitlich getrieben hat. Sie liebt jetzt zwei Männer. Den ehema­ligen Geliebten Gabriel und seinen Vorge­setzten, den Kapitän Arno. Gabriel erwischt sie in flagranti mit Arno und wird so in die Verzweiflung getrieben. Am Schluss begeht er Selbstmord.

Diese Verschränkung von Privatem und Politi­schem werden vom Kompo­nisten und dem Libret­tisten-Team zum Eckpfeiler der Drama­turgie erklärt, die das Werk prägt. Von Haendeler wird dazu ausdrücklich im Programmheft Bezug genommen und allen Ernstes eine Verbindung zu den Grund­über­zeu­gungen der 68-er herge­stellt. Immerhin wird so ein Heldenepos vermieden, das heute nicht mehr in die Zeit passt. Eine sinnhafte Darstellung des schmerz­haften Durch­bruchs in eine neue Zeit am Schei­deweg der deutschen Geschichte kann eine solche ganz im Privaten motivierte Handlung nicht wirklich liefern. Der Text scheut nicht vor kitsch-getränkten Details zurück, wie zum Beispiel die Erinnerung des ehema­ligen Paares Gabriel und Henriette an Ihre Begegnung mit Glühwürmchen auf einem Spaziergang und die Anrufung eines imagi­nären Gottes der Huren in der Verklä­rungs­szene Lolas, bevor die beiden getöteten Liebhaber am Ende der Oper wieder auferstehen.

Die Musik ist durchwegs gefällig und vereint viele eklek­ti­zis­tische Elemente, zum Beispiel typische orches­trale Färbungen wie bei Britten bei der Beschreibung der See oder die serielle Modula­ti­ons­technik von Philipp Glass. Sie beinhaltet nur selten eigene, ausdrucks­starke Elemente. Vielleicht sind die zwei Matro­sen­chöre in ihrer melan­cho­li­schen, traurigen und einsamen Atmosphäre noch der eindrück­lichste Teil. Beim Ausbruch des Aufstandes wird die Inter­na­tionale geschmettert.

Foto © Olaf Struck

Daniel Karasek als Hausherr, Auftrag­geber der Kompo­sition und regie­füh­render Intendant vermag die Handlung in einer gerad­li­nigen und wohltuend zurück­hal­tenden Weise auf die Bühne zu bringen. Auch das ebenso strin­gente Bühnenbild von Lars Peter, die Licht­ge­staltung von George Tellos und die geschmack­vollen Kostüme von Claudia Spielmann tragen zur ansehn­lichen Umsetzung des Werkes auf der Bühne bei.

Michael Müller-Kasztelan bringt sich mit seinem hoch timbrierten Tenor rückhaltlos und leiden­schaftlich in die Charak­te­ri­sierung des hin- und herge­ris­senen Gabriel ein. Überzeugend auch Tomohiro Takada als Korvet­ten­ka­pitän Arno von Stahl, der seinen Zwiespalt zwischen Dienst­pflicht und Mitgefühl mit den Marine­sol­daten glänzend spielt. Auch gesanglich weiß der Bariton vollum­fänglich zu überzeugen. Tatia Jibladze als Arnos Ehefrau und Jörg Sabrowski als deren Vater Admiral Rufus Kropp runden das Solis­ten­en­semble ab.

Der Opern- und Extrachor des Theaters Kiel unter der Leitung von Lam Tran Dinh überzeugen nicht nur in der Gestaltung der entbeh­rungs­reichen Matrosen, sondern ebenso in der Szene zum Ausbruch des Aufstands mit dem Absingen der Internationale.

Das Philhar­mo­nische Orchester Kiel unter Leitung seines General­mu­sik­di­rektors Georg Fritzsch wird hoch engagiert der eingän­gigen Musik gerecht und vermag sowohl in den lyrischen Momenten wie auch bei den drama­ti­schen Szenen beim Ausbruch des Aufstands zu überzeugen.

Dem Publikum gefällt die Aufführung. Es gibt viel Zustimmung mit bravi-Rufen für alle Betei­ligten einschließlich des Leistungs­teams sowie den Kompo­nisten mit seinen Librettisten.

Achim Dombrowski

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