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Französischer Glanz

FRANZÖSISCHER AUFTAKT
(Diverse Komponisten)

Besuch am
21. und 22. Juni 2025
(Einmalige Aufführungen)

 

Kissinger Sommer, Max-Littmann-Saal, Bad Kissingen

Franzö­si­sches Flair verströmt heuer der Kissinger Sommer. So gastiert zum Auftakt­wo­chenende das Orchestre Philhar­mo­nique de Radio France unter seinem finni­schen Musik­di­rektor und Dirigenten Mikko Franck, der sich nun nach zehn Jahren mit dem Konzert von seinem Chefposten verab­schiedet. Sein Abschieds­abend aber beginnt mit einem sperrigen Werk, das viele Rätsel aufgibt, mit Robert Schumanns Violin­konzert d‑Moll WoO1. Der Komponist, zur Entste­hungszeit 1853 schon gezeichnet von seinem geistigen Zusam­men­bruch, wollte nicht, dass das Werk aufge­führt würde. Und der berühmte Geiger Joseph Joachim fand nach anfäng­licher Wertschätzung das Werk durch­zogen von Anzeichen der „Ermattung“: „Einzelne Stellen … legen wohl von dem tiefen Gemüth des Schaf­fenden Zeugnis ab; umso betrü­bender aber ist der Contrast mit dem Werk als Ganzes“. So kam es, dass es erst 1937 urauf­ge­führt wurde. Vielfach galt es wegen seiner Schwie­rig­keiten als „unspielbar“. In Kissingen aber steht eine inter­na­tional renom­mierte Geigerin auf dem Podium des Max-Littmann-Saals, die solches souverän meistert, Vilde Frang aus Norwegen, Jahrgang 1986, frisch, ohne irgend­welche Allüren, aber von einem Können und einer Einfüh­lungsgabe, was scheinbar mühelos über alle techni­schen Ansprüche hinwegfegt. Dass das Orchester, das hier einen eigen­stän­digen Part vertritt, also nicht eng verschränkt mit dem Soloin­strument agiert, mit dem Schumann-Werk wohl etwas „fremdelt“, oft etwas zu massig, zu laut wird an Stellen, an denen die Solistin halsbre­che­risch geschwinde, virtuose Passagen auf der Violine zaubert, ist wohl dem Umstand zuzuschreiben, dass die Franzosen mit dem deutschen Werk mit seinem tiefsin­nigen Gründeln nicht so vertraut sind.

Foto © Julia Milberger

Das Orchester beginnt das Konzert monumental, und erst spät setzt die Geige ein, mit hellem Ton, entschieden, in einem engen Dialog mit dem Orchester; die Violine gleitet, von innerer Energie getrieben, mit trans­pa­rentem Klang flirrend im Fluss dahin. Dazwi­schen darf das Orchester auch groß strahlen. Gegen das leiden­schaft­liche, inbrünstige Singen der Geige setzt das Orchester fast schroffe kraft­volle Stärke als Kontrast. Während die Violine in vielen Schat­tie­rungen große, innere Spannung vermittelt, wirkt das Orchester fast etwas blockhaft. Der langsame Satz, schön begonnen von den Celli, erhält durch die Violine schmerzlich sehnsüchtige Aspekte, auch irgendwie Schick­sal­haftes. Feine rhyth­mische Struk­tu­rierung bestimmt den Finalsatz mit poeti­schen Momenten, melodiösem Ton und einer unglaublich schnellen, virtuosen Meister­leistung, die der Solistin fast schwebend leicht gelingen. Da ist der Beifall riesig, und als Zugabe zeigt Vilde Frang mit Joseph Haydns Melodie zu Gott erhalte Franz den Kaiser aus dem Kaiser­quartett C‑Dur Werk 76 Nr. 3, wie wunderbar satt und groß ihre Violine Guarnieri del Gesù von 1734 singen kann, wobei alle techni­schen Finessen wie Doppel­griffe ganz homogen einge­bunden sind. Dann aber, bei der Symphonie fantas­tique opus 14 von Hector Berlioz, Urauf­führung 1832, ist das Orchester in seinem Element, und der Dirigent, wohl etwas einge­schränkt in seiner Beweg­lichkeit, kann zur Hochform auflaufen. Die fünf Sätze der Symphonie geraten den franzö­si­schen Musikern zu einer großar­tigen vielschich­tigen Tonma­lerei, angefangen mit dem sehnsüchtig träume­ri­schen ersten Satz, bei dem der junge Künstler Berlioz seiner erwachenden Leiden­schaft zu einer jungen Frau in immer stärkeren Steige­rungen gedenkt; der zweite Satz, dessen Walzer­me­lodien bekannt sind, beginnt schwebend, tänze­risch, weitet sich genüsslich und wird vom Orchester, schnell dahin­wir­belnd, beendet. In all dem spiegelt sich die unglück­liche Liebes­ge­schichte des Kompo­nisten zu der angebe­teten Schau­spie­lerin Harriet Smithson. Im dritten Satz, der eine Szene auf dem Lande bringt, herrlich bukolisch inter­pre­tiert von Oboe und Englischhorn, wird zuerst eine freund­liche Stimmung durch lieblich süß klingende Melodien geschildert, doch ein heftiger Donner des Schlag­werks nach dem langsamen Ende kündet Missliches an, als Gang zum Richt­platz im vierten Satz, der als eine Art Opium­rausch gedeutet werden kann und heftig, scharf, stark betont, mächtig wird, immer nachdrück­licher voran­schreitend bis zu einem harten Schlag – des Henker­beils? – und einem lärmenden Ende mit Pauken und Trompeten. Der letzte Satz, Traum in der Walpur­gis­nacht, ist ein wahrer Hexen­sabbat, ein wilder, orgias­ti­scher Rausch mit hohlen und schwir­renden Tönen, geisterhaft bedrohlich, mit unheimlich feinen Geigen­be­schwö­rungen und Glocken­geläut; immer stärker, wilder endet in überwäl­ti­gender Heftigkeit der Albtraum. Imponierend, wie das Orchester mit seinem Dirigenten das Klang­ge­mälde in all seinen Facetten gestaltet. Da gibt es großen Beifall im gut besetzten Saal, und vom Dirigenten zu seinem Abschied noch etwas Roman­ti­sches aus seiner Heimat Finnland.

Foto © Julia Milberger

Als „absolut exquisite Triofor­mation für den Kissinger Sommer“ stellt Intendant Alexander Steinbeis stolz drei weltbe­kannte Künstler vor als einmalig gebil­detes Ensemble für einen Kammer­mu­sik­abend der Super­lative, Lisa Batia­shvili, Violine, Gautier Capucon, Violon­cello, und Jean-Yves Thibaudet. Der vielseitig engagierte Pianist aus Lyon, Jahrgang 1961, setzt gleich in Haydns Klaviertrio E‑Dur Hob. XV: 28 sanft gebunden ein mit einer leuch­tenden Melodie. Das Allegro wirkt wunderbar festlich und gut gelaunt; die Violine darf weich singen, das Cello, entschieden einsetzend und mit warmem, vollem, sattem, sinnlichem Ton legt das Fundament. Das Klavier präsen­tiert sich verspielt mit glänzend perlendem Anschlag, und alle drei Instru­mente bilden eine eng verbundene Einheit, aus der sich im Dialog immer wieder ein einzelnes hervorhebt. Ganz anders die Stimmung im zweiten Satz, fast etwas abweisend, wie alter­tümlich wirkend; zu den gedan­ken­schweren Klavier­läufen bauen die Streicher fast Tragi­sches auf, das vom Cello nach drama­ti­schem Aufschwung beendet wird. So kann das Finale wie gelöst daher­kommen, in starker innerer Bewegung, unbeschwert im lieblichen Anfangs­thema; das Cello setzt starke Akzente; alle drei zusammen gestalten sehr fein subtil das wieder­holte Thema. Maurice Ravels einziges Klaviertrio in a‑Moll von 1914 bereitete dem Kompo­nisten einige Schwie­rig­keiten, nicht nur wegen der Zeitum­stände vor dem Großen Krieg, was man irgendwie durchspürt.

Sanft leuchtend beginnt das Cello, wird leiden­schaftlich, die Violine singt dann allein, aber alles wird so irgendwie unwirklich, gespens­tisch, die virtuose Geige und das dies irgendwie ausglei­chende Cello antworten einander, verbunden durch die Arabesken des Klaviers; alles ist geprägt von innerer Spannung, wird inten­siver, bis es sich langsam beruhigt. Der zweite Satz, schnell, fast übermütig begonnen, ist von innerer Energie geladen, expressiv vom Cello vermittelt; in der Passa­caille wird alles düster, fast schick­salshaft im Cello, mit einer traurigen Klage der Violine, noch gesteigert vom Klavier, heftiger, wie aufbe­gehrend, und endet kostbar klingend, nachdenklich. Der Finalsatz beginnt flirrend bewegt beim Cello, impulsiv bei der Geige zusammen mit dem Klavier, bis alles in rauschenden Arpeggien in heftige Bewegung gerät, in große, innere Spannung zwischen allen drei Instru­menten. Das c‑Moll-Trio von Felix Mendelssohn Bartholdy ist im Grund der Höhepunkt des genuss­reichen Abends. Aufge­führt wurde es Ende 1845 vom Kompo­nisten selbst am Flügel. Der Klavierpart hat es in sich, wie Mendelssohn selbst bemerkte über das Trio des dritten Satzes. Der Kopfsatz energico e con fuoco beginnt leiden­schaftlich am Klavier und am Cello, bevor dann die Violine melodiös singen darf, verstärkt vom Cello, das mit vollem, samtigem Ton bezaubert; die Violine nimmt die Cello-Melodie verfeinert auf, das Klavier gibt brillante Läufe dazu, alle zusammen in großer Energie vereint. Idyllisch das Andante espressivo, die Streicher zusammen reiner Wohllaut, sanft und liedhaft, kostbar klingend, bestens aufein­ander abgestimmt. Das flirrend schnell begonnene Scherzo imponiert mit ungeheurer Geläu­figkeit im Klavierpart, mitreißend, immer stärker voran­eilend, bis dann nachdrücklich auftrumpfend im Finale das neue Thema weihevoll anhebt und in fast drama­ti­scher Steigerung mächtig wird, in raschem Vorwärts­drängen zu einem strah­lenden, hellen Schluss führt. Zu bewundern sind stets das Einver­ständnis der drei Trio-Partner, auch ihr Hervor­treten aus dem herrlich aufein­ander abgestimmten Klang und die jeweilige Tonschönheit.

Da hält es das Publikum im nicht ganz vollbe­setzten Saal nicht mehr auf den Plätzen und mit lautem Beifall fordert es als Zugabe noch einmal den dritten Satz.

Renate Freyeisen

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